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Premier League sagt Spiel wegen Krawallen ab

In Englands Premier League soll nun doch der Ball rollen: Nach der Absage der Partie Tottenham Hotspur gegen den FC Everton wegen Sicherheitsbedenken gab die Liga am Donnerstagnachmittag Entwarnung für die restlichen neun Begegnungen am Wochenende.

Trotz der Gewaltexzesse deute derzeit nichts auf weitere Ausfälle zum Saisonstart hin, teilte die Liga auf ihrer Homepage mit. Die Absage des Spiels in Tottenham, wo am vergangenen Samstag die Krawalle begonnen hatten, sorgte bei Profis und Fans zwar für Enttäuschung. Gleichzeitig aber hatten die meisten Verständnis. „Ich hoffe, die Leute kommen zur Besinnung und hören mit diesen Ausschreitungen sofort auf", twitterte der Spurs-Star Rafael van der Vaart.

Mit Blick auf den ersten Spieltag hofft man in der Premier League nun auf ein rasches Ende der Unruhen: „Der Fußball hat durch diese Ereignisse genug gelitten", sagte Evertons Trainer David Moyes. Liverpools Kapitän Steven Gerrard pflichtete Moyes vor dem Saisonauftakt der „Reds" am Samstag gegen den FC Sunderland bei: „Wir wollen nicht, dass einige Wenige einen so großen Einfluss nehmen auf die vielen Menschen in dieser Stadt, die den Fußball lieben."

Die Zerstörungswut der Randalierer hatte die Fußball-Funktionäre zu größter Vorsicht gezwungen. Erst nach eingehender Beratung mit der Polizei und den Behörden entschied sich die Liga, vorläufig nur das Heimspiel der Spurs abzusetzen – und auf kommenden Donnerstag zu verschieben. Die Situation in Tottenham sei „zu schwierig" gewesen, so die Liga. Die Partie hätte gefährlichen Symbolwert bekommen können.

„Obwohl ich bitter enttäuscht bin, ist es unter diesen Umständen die richtige Entscheidung", schrieb Everton-Kapitän Phil Neville am Donnerstag beim Internetdienst Twitter. Das Stadion an der White Hart Lane war am vergangenen Samstag Ausgangspunkt für die Gewalt gewesen, die sich in den darauffolgenden Tagen erst auf London und dann in weitere englische Städte ausbreitete. Hier hatte der Protestmarsch gegen den Tod von Mark Duggan begonnen, der am Donnerstag davor von der Polizei erschossen worden war. Der zunächst friedliche Marsch war in Krawalle mit der Polizei gemündet. Es folgten Tage von Randalen, Plünderungen und Brandstiftungen, die mit dem Tod Duggans nichts mehr zu tun hatten.

Liga-Geschäftsführer Richard Scudamore erklärte die Absage des Spiels vor allem mit Sicherheitsbedenken. Obwohl die Polizei „einen fantastischen Job" gemacht habe, könne sie für Tottenham nicht die absolute Sicherheit garantieren. In einer Stellungnahme auf der Internetseite des Clubs hieß es, die Infrastruktur für die Anreise der Fans und die Zugänge zum Stadion seien noch nicht sicher.

Für Englands Fußballfans ist die Absage trotzdem ein schwerer Schlag. Auch Tottenhams Trainer Harry Redknapp fürchtet, dass sein Team durch den verspäteten Saisonstart einen entscheidenden Nachteil hat: „Wenn alle Spiele abgesagt werden, ist es in Ordnung", so der 64-Jährige, „aber wir wollen nicht in die Situation kommen, dass alle Anderen starten und wir ohne Punkte dastehen müssen."

Bereits am Mittwoch war das Länderspiel der englischen Nationalmannschaft gegen die Niederlande im Wembleystadion abgesagt worden. Außerdem fielen fünf Ligacup-Spielen wegen der Ausschreitungen aus.