Tour de France

Hagen gewinnt 17. Etappe – Voeckler weiter in Gelb

Der Norweger Edvald Boasson Hagen hat seinen zweiten Tour-Etappensieg gefeiert. Thomas Voeckler im Gelben Trikot verlor 30 Sekunden auf seine Verfolger.

Auf der Sekundenhatz nach dem Gelben Trikot bei der Tour de France ging Alberto Contador lebensgefährliche Risiken ein – und am Ende leer aus. Im Ziel der 17. Etappe in Pinerolo/Italien rollte er am Mittwoch nach 179 Kilometern Kopf an Kopf mit seinen Hauptrivalen Andy und Frank Schleck sowie Cadel Evans über die Ziellinie. Den Tagessieg hatte sich zum zweiten Mal bei dieser Tour Edvald Boasson Hagen gesichert. Er machte damit den insgesamt vierten Etappensieg eines Norwegers perfekt.

Der Franzose Thomas Voeckler konnte seine Position an der Spitze des Gesamtklassements noch einmal mit 1:18 Minuten Vorsprung vor Cadel Evans verteidigen, obwohl er sich auf der Abfahrt vom Pramartino zweimal folgenschwer versteuerte. Einmal landete er auf einem Auto-Parkplatz. Seine Tage im Gelben Trikot scheinen gezählt. Zuvor war sein Landsmann Jonathan Hivert gestürzt – er blieb aber unverletzt.

„Heute haben die Jungs gezeigt, dass sie sich nach der Enttäuschung vom Dienstag zurückkämpfen können. Contador ging auf der Abfahrt die meisten Risiken ein und wurde dafür nicht belohnt“, stellte Schlecks Teamchef Brian Nygaard fest, der sich über das Patt der Favoriten freute, nachdem seine Topfahrer am Vortag gegen Contador wertvolle Sekunden eingebüßt hatten.

Contador war mit dem Verlauf der Etappe nicht zufrieden. „Beim Aufstieg wurde ich von einem Sturz behindert und musste viel investieren, um wieder heranzukommen. Ich musste etwas versuchen, aber die Schlecks waren nach gestern natürlich gewappnet“, sagte der dreifache Toursieger aus Spanien.

Wie am Vortag hatte Contador wieder sein Glück im Angriff versucht. Bergab über einen dunklen, schmalen Waldweg mit schlechtem Asphalt setzte er alles auf eine Karte, konnte sich zeitweise auch um Sekunden von seinen Widersachern absetzen, verlor dann aber wieder seinen Vorsprung. Bei Regen – zum Glück war es am Mittwoch bei wieder typischem Tour-Wetter trocken – hätten sich Sturz-Tragödien abspielen können. Schon an den Vortagen hatte Andy Schleck vor der halsbrecherischen, acht Kilometer langen Abfahrt gewarnt.

Knapp 60 Kilometer nach dem Start hatte sich eine 14-köpfige Spitzengruppe gebildet, die sich schnell einen großen Vorsprung erarbeitet hatte. Der Spanier Ruben Perez Moreno hatte sich daraus auf dem vorletzten Anstieg nach Sestrière abgesetzt, wurde aber bald wieder eingeholt. Wenig später hatte Hagen („Es ist ein großartiges Gefühl, zum zweiten Mal zu gewinnen“) die Regie an der Spitze übernommen. Insgesamt standen am Mittwoch fünf Anstiege auf dem Tour-Menü-Plan. Die beiden schwersten Alpenetappen stehen am Donnerstag (Ziel auf dem 2645 Meter hohen Galibier) und Freitag (L’Alpe d’Huez) auf dem Programm.

Die letzten 80 Kilometer führten durch Italien, vorbei an der Olympia-Skisprungschanze und an der olympischen Rodelbahn. Das Nachbarland Frankreichs ist für Radprofis manchmal ein besonders gefährliches Terrain. Nach einer außerplanmäßigen Kontrolle des Italienischen Olympischen Komitees CONI war der damalige Weltranglisten-Spitzenreiter Alejandro Valverde getestet worden.

Anhand dieser Blutprobe war später seine Verbindung zum mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes nachgewiesen worden. Im Anschluss führte das zu einer zweijährigen Dopingsperre, aus der der Spanier erst am Ende dieses Jahres zurückkehren kann. Er ist im Moment auf Teamsuche.