Radsport

Cadel Evans gewinnt die Tour de France 2011

Der Brite Mark Cavendish hat die Schlussetappe der Tour de France gewonnen. Den Gesamtsieg hatte sich Cadel Evans bereits einen Tag zuvor gesichert.

Cadel Evans rollte Arm in Arm mit den Schleck-Brüdern nach Paris, gönnte sich ein Glas Champagner und genoss die Tour d’Honneur in vollen Zügen. Als der 34-Jährige nach 3419 Kilometern die Champs Elysees erreicht hatte, war er endgültig am Ziel seiner Träume angelangt. Evans hat Geschichte geschrieben, als erster Australier in 98 Jahren Tour de France holte er den Sieg nach „Down under“.

„Für diesen Moment habe ich 20 Jahre lang gearbeitet. Ich werde einige Zeit brauchen, um das alles zu realisieren“, sagte Evans, der in der Endabrechnung vor dem Luxemburger Brüderpaar Andy und Frank Schleck lag und als drittältester Toursieger in die Rekordbücher fuhr. So durfte der „Clown mit dem traurigen Gesicht“ (L’Equipe) erstmals jubeln, nachdem er zweimal zuvor mit weniger als einer Minute am Tour-Sieg vorbeigefahren ist.

Cavendish gewinnt letzte Etappe

Auf der 21. und letzten Etappe über 95 km kamen aber traditionell noch einmal die Sprinter zum Zug – und lieferten ein altbekanntes Bild ab. Sprintkönig Mark Cavendish holte sich auf dem Prachtboulevard seinen fünften Etappensieg und gewann erstmals auch das Grüne Trikot. Der Brite siegte vor dem Norweger Edvald Boasson Hagen und kletterte mit seinem insgesamt 20. Tagessieg bereits auf den sechsten Platz der ewigen Bestenliste. Andre Greipel belegte beim letzten Sprint einen guten dritten Platz.

Dafür hatte Tony Martin am Samstag für den zweiten deutschen Etappensieg bei der diesjährigen Tour gesorgt. Der 26-Jährige holte sich im Einzelzeitfahren über 42,5 km mit sieben Sekunden Vorsprung auf Evans den Sieg und feierte sein persönliches Happy End. „Das ist die Erfüllung eines großen Traumes. Dieser Sieg rettet meine Tour“, sagte Martin, der erstmals eine Etappe der Frankreich-Rundfahrt gewann.

So war es ein versöhnliches Ende für Martin, der ursprünglich unter die besten Zehn fahren wollte, in den Bergen dann aber regelmäßig eingebrochen war. „Ich wollte an meinen Qualitäten als Rundfahrer arbeiten. Das ist mir nicht gelungen“, sagte Martin. In den Wochen nach der Tour will er sich mit der sportlichen Leitung und seinem Trainer zusammensetzen.

Andy Schleck zum dritten Mal Zweiter

Zusammensetzen werden sich auch die Schleck-Brüder, die mit dem großen Ziel Toursieg angetreten waren. Doch wieder erwiesen sich die Schwächen im Zeitfahren als zu großes Handicap. „Ich werde nicht der neue Joop Zoetemelk“, sagte Andy Schleck trotzig. Sechsmal hatte der Niederländer einst den zweiten Ehrenplatz belegt, der junge Luxemburger steht nun bei deren drei. „Ich komme wieder, um die Tour zu gewinnen“, kündigte Schleck an. Vielleicht muss er darauf gar nicht solange warten, bei einer Verurteilung Contadors vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS Anfang August würde ihm der Sieg für 2010 zugesprochen werden.

Für Contador endete die Tour mit einem fünften Platz. Nach drei Wochen voller Pleiten, Pech und Pannen war der Spanier froh, als die Tort(o)ur vorbei war. „Keiner kann sich vorstellen, was ich bei der Tour und in diesem Jahr alles durchgemacht habe. Ich bin gekommen, um zu gewinnen, aber unter dem Strich bin ich mit der Saison zufrieden“, sagte Contador mit Blick auf seinen Sieg beim Giro d’Italia.

Contador mit ungeahnten Schwächen

2010 war der Madrilene gegen seinen Widersacher Andy Schleck famose Bergsprints gefahren, in diesem Jahr erlebte die Tour ungeahnte Schwächen des Ausnahmeathleten der vergangenen Jahre. Von seinen überfallartigen Attacken war fast nichts mehr zu sehen, vielmehr musste Contador seine Rivalen an den Bergen ein ums andere Mal davonziehen lassen. So verlor er allein auf dem Weg zum Galibier hinauf knapp vier Minuten auf Andy Schleck.

So wurde die letzte Triumphfahrt für Contador im Gegensatz zu den vergangenen Jahren eine gewöhnlich Dienstreise. Die Organisatoren dürfte es freuen, schließlich müssen die Siegerfotos bei einer Verurteilung des Spaniers nicht neu geknipst werden – es sei denn, die noch auszuwertenden Dopingproben sorgen noch wie im Vorjahr für eine unliebsame Überraschung.