16. Tour-Etappe

Cadel Evans nähert sich dem Gelben Trikot

Auf der 16. Etappe nahm Cadel Evans den Schleck-Brüdern Zeit ab. Auch Alberto Contador machte Boden gut. In Gap fuhr Thor Hushovd als Erster über den Zielstrich.

Angriff von Alberto Contador, Konter von Cadel Evans, bittere Pleite für die Brüder Schleck: Nach dem Pyrenäen-Patt haben die Spitzenfahrer der Tour de France mit einem fulminanten Ritt nach Gap einen Vorgeschmack auf die Entscheidung in den Alpen gegeben.

Beim zweiten Etappensieg des Norwegers Thor Hushovd zwang der zuletzt schwache Contador mit einer Überraschungsattacke am letzten Anstieg Andy und Frank Schleck in die Knie, die viele Sekunden verloren. Die Tempoverschärfung des dreimaligen Tour-Siegers konterte am Dienstag auf der 16. Etappe Evans, der auf den zweiten Gesamtrang hinter Thomas Voeckler vorfuhr.

Tony Martin hatte auf der 162,5 Kilometer langen Etappe von Saint-Paul-Trois-Chateaux nach Gap sein Glück in einer Ausreißergruppe versucht, letztlich gegen einen brillanten Abfahrer Hushovd aber das Nachsehen. Der Wahl-Schweizer, der in den Pyrenäen alle Chancen auf einen vorderen Gesamtrang verspielt hatte, wurde Tages-Vierter. „Ich habe mich wieder einmal gezeigt“, sagte Martin. „Ein vierter Platz ist aber natürlich nicht das, was ich mir gewünscht hatte.“

Ernüchterung herrschte im Lager Leopard der geschlagenen Schlecks. „Das war kein Super-Tag für uns“, räumte Teamchef Brian Nygaard ein. „Wir hatten heute einige schwierige Augenblicke, die Abfahrt war sehr gefährlich.“

Frank Schleck büßte auf Evans 21 Sekunden und Platz zwei im Gesamtklassement ein – Andy Schleck kam nach einer schwachen Abfahrt vom Col de Manse kurz vor Gap gar 1:09 Minuten hinter dem Australier ins Ziel. „Evans hat alles richtig gemacht“, sagte Nygaard.

Attacke von Contador

Contador ließ seinem Versprechen, in den Alpen zu attackieren, Taten folgen. Im einzigen Anstieg ging der Spanier 20 Kilometer vor dem Ziel mehrmals aus dem Sattel. Die ersten Angriffe konnten Evans und die Schlecks noch parieren, die dritte Tempoverschärfung war zu viel für das Brüderpaar aus Luxemburg. „Contador ist zurück!“, sagte Nygaard. Der Spanier liegt noch 1:53 Minuten hinter Frank Schleck und nur 39 Sekunden hinter Andy Schleck.

Auch Martin hatte seinen Angriff schon in den Vortagen angedeutet. Nach den Enttäuschungen in den Pyrenäen, als der 26-Jährige deutlich abgehängt worden war, wollte er sich nicht auf das Zeitfahren am vorletzten Tour-Tag verlassen, bei dem er zu den Favoriten gehört. Im spektakulären Finish fehlte dem Wahl-Schweizer dann aber die Kraft.

Am Mittwoch biegt das Peloton endgültig in die Alpen ab, in denen die Entscheidung über den Gesamtsieg der 98. Tour fallen muss. Nach dem Abstecher ins italienische Pinerolo folgen am Donnerstag die knüppelharten Teilstücke zunächst auf den Galibier (Donnerstag) und dann die legendäre Kletterei zum Wintersportort L'Alpe d'Huez.

Im Hochgebirge droht den Fahrern ein Spektakel, auf das sie gerne verzichtet hätten: Die Wetteraussichten sind schlecht, auf den Pässen des Galibier und des Col Agnel erwarten das Peloton Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schnee. Erst am Sonntag mussten 200 Hobbyradler im Sommer-Outfit vom bitterkalten Galibier gerettet werden.

Sollte tatsächlich Schnee auf dem 2744 Meter hohen Agnel oder dem 2645 Meter hohen Galibier liegen, könnte die 18. Etappe kurzfristig verändert werden. Schon 1996 hatten die Veranstalter wegen Eisregens und heftiger Winde eine Etappe verkürzt.