Frankreich-Rundfahrt

Mark Cavendish feiert seinen 19. Tour-Etappensieg

Auf der 15. Tour-Etappe hat Mark Cavendish eindrucksvoll bewiesen, wer der schnellste Sprinter im Feld der diesjährigen Tour ist und verteidigte das Grüne Trikot.

Zaudernde Favoriten, ein Außenseiter in Gelb und ein Sprintkönig auf Rekordjagd: Begünstigt durch die unsinnigen Pokerspiele der Stars lässt „Kämpferherz“ Thomas Voeckler nach den Bergetappen in den Pyrenäen ganz Frankreich vom ersten Toursieg seit 26 Jahren träumen.

Bei den Sprintern sind dagegen die Rollen klar verteilt. Cavendish durfte auf der 15. Etappe über 193 km von Limoux nach Montpellier bereits zum vierten Mal bei der 98. Frankreich-Rundfahrt jubeln und kletterte mit dem 19. Etappensieg seiner Karriere in der ewigen Bestenliste auf Platz sieben.

Einen Tag nach der schweren Bergankunft auf dem Plateau de Beille, die der Belgier Jelle Vanendert überraschend gewann, setzte sich Cavendish im Massensprint vor dem Amerikaner Tyler Farrar und dem Italiener Alessandro Petacchi durch. Der deutsche Sprinter Gerald Ciolek wurde Siebter, Andre Greipel landete nur auf Platz 13.

„Es passt einfach. Ich bin wieder toll in Position gebracht worden“, sagte Cavendish, der am Samstag in den Pyrenäen noch um das Zeitlimit gekämpft hatte: „Ich war müde und habe nur versucht, in der Karenzzeit zu bleiben.“ Sein Teamkollege Tony Martin, der in den Bergen eingebrochen war, durfte diesmal wieder jubeln: „Wir geben alles für Mark und er dankt es uns zu 100 Prozent mit seinen Siegen. Das schweißt das Team zusammen.“

Voeckler weiter in Gelb


Als Führender des Gesamtklassements trägt weiterhin der Franzose Thomas Voeckler das Gelbe Trikot. Der 32-Jährige liegt nach seiner starken Vorstellung auf den ersten Bergetappen weiter 1:49 Minuten vor dem Luxemburger Frank Schleck. Dritter ist mit einem Rückstand von 2:06 Minuten der Australier Cadel Evans. Vorjahressieger Alberto Contador liegt weiterhin vier Minuten hinter der Spitze.

Kein Wunder, dass die Grande Nation bereits von einem französischen Toursieger träumt. „Ein wahrer Champion. Voeckler in Gelb nach Paris?“, titelte das Tour-Organ „L'Equipe“ und zeigte den Franzosen, wie er mit geballter Faust auf dem Plateau de Beille über den Zielstrich fährt.

Alexander Winokurow hat derweil seinen sofortigen Rücktritt erklärt. „Ich denke nicht, dass ich als professioneller Radsportler zurückkehren werde. Ich höre auf. Wir werden versuchen, eine neue Rolle für mich im Astana-Team zu finden“, sagte Winokurow am Rande der 15. Etappe im französischen Fernsehen. Der Kasache war auf der 9. Etappe der Tour schwer gestürzt und mit einem Oberschenkelhalsbruch ausgeschieden.

Nach bisherigen Planungen soll Winokurow sportlicher Leiter beim neuen Team Astana II werden.

Armstrong traut Voeckler den Sieg zu

Alles ist möglich bei der 98. Tour de France, sogar TV-Zuschauer Lance Armstrong kann sich einen überraschenden Ausgang des Rennens gut vorstellen.

„Voeckler war einer der Stärksten. Die Anderen waren entweder nicht durchsetzungsfähig oder aggressiv genug, um ihn abzuhängen. Er ist ein Franzose, das ist die Tour de France und er hat 2:06 Minuten Vorsprung auf Evans. Soviel wird er im Zeitfahren nicht verlieren. Und der Kerl kann leiden“, befand der siebenmalige Toursieger via Twitter aus dem fernen Amerika.

„Ich habe nicht erwartet mit den Favoriten anzukommen. Ich wollte nur mein Trikot verteidigen, ich dachte es geht um Sekunden. Ich bin überrascht“, kommentierte Voeckler den Ausgang der 14. Etappe und lachte sich still und heimlich ins Fäustchen: „Meine Hoffnung war, dass es nicht so viele Attacken gibt. Wären sie länger gegangen, hätte ich nicht folgen können. Meine Hoffnung ist in den letzten Tagen gestiegen.“

Gegenseitige Schuldzuweisungen der Favoriten

Die halbherzigen Attacken von Andy Schleck und Co. waren ganz nach dem Geschmack des 32-Jährigen. Im Lager der Stars wurde dagegen der Schwarze Peter herumgereicht. „Ivan Basso, mein Bruder und ich haben versucht, Rennen zu fahren. Die Anderen haben sich nur angeschaut“, monierte Frank Schleck, der 1:49 Minuten hinter Voeckler Gesamtzweiter ist.

Der fünftplatzierte Basso (3:16) wiederum hielt die Taktik des Brüderpaars aus Luxemburg für weniger schlau. Attacken aus einer 20 Mann starken Gruppen seien zwecklos, meinte der Tourzweite von 2005. Man müsse erst versuchen, die Gruppe klein zu machen.

„Die Attacken, die wirklich wehtun, kommen aus einer kleinen Gruppe. Wir waren nicht erfolgreich in dem, was wir tun wollten.“ Wohl wahr, am ehesten konnten noch der umstrittene Vorjahressieger Alberto Contador und Evans mit dem Ausgang der Pyrenäen-Trilogie leben.

Contador auf dem Weg der Besserung

Zwar liegt Contador weiter exakt vier Minuten hinter Voeckler, aber die Knieprobleme im Zuge seines Sturzes zu Tour-Beginn scheint er überwunden zu haben. Evans' Ziel ist dagegen klar. Der Australier will in den Bergen keine Zeit mehr verlieren und dann am vorletzten Tag in Grenoble seine Zeitfahrqualitäten ausspielen.

Das hatte auch Tony Martin vor. Nach dem der durch eine Stirnhöhlenentzündung angeschlagene Cottbuser aber weitere 17 Minuten verlor, liegt er nun abgeschlagen als bester Deutscher auf dem 35. Platz.

Am Montag steht für die Fahrer im Departement de la Drome der zweite Ruhetag auf dem Programm, bevor es anschließend schnurstracks Richtung Alpen geht. So wird die Tour am Dienstag mit der 16. Etappe über 162,5 km von Saint-Paul-Trois-Chateaux nach Gap fortgesetzt. Der Col de Manse, ein Berg der zweiten Kategorie, elf Kilometer vor dem Ziel dürfte für die Favoriten kein großes Hindernis sein, für die Sprinter indes sehr wohl.