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Bundestrainer Löw – "Es gibt keinen Weg zurück für Ballack"

Es sollte das krönende Abschiedsspiel des „Capitano" werden, doch für Bundestrainer Joachim Löw gibt es im Fall Michael Ballack nach dem Sommertheater kein Weg zurück.

„Mein Standpunkt ist klar. Daran wird sich nichts ändern. Das war ein ehrliches Angebot. Jetzt stellt sich die Situation anders dar", sagte Löw vor dem Länderspiel gegen Rekord-Weltmeister Brasilien am Mittwoch (20.45 Uhr) in Stuttgart.

Löw hatte in der Sommerpause angekündigt, dass er in Zukunft ohne Ballack plane. Gleichzeitig hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dem langjährigen Kapitän angeboten, gegen Brasilien in Stuttgart sein Abschiedsspiel zu bestreiten. Der Mittelfeldspieler lehnte das aber ab. Er bezichtigte Löw sogar, die Unwahrheit zu verbreiten und sich nicht an im März getroffene Absprachen zu halten. Bis dahin war Ballack offiziell Kapitän der deutschen Mannschaft.

Dass Ballack der Nationalelf nicht mehr angehöre, sei laut Löw keine Zäsur. „Die Mannschaft hat in allen Qualifikationsspielen Siege erzielt und bei der WM hervorragende Spiele gemacht. Auch davor gab es Spiele, in denen Michael Ballack verletzt war. Das ist ein Prozess, der seit 2008, 2009 im Gange ist", sagte der Bundestrainer.

Bastian Schweinsteiger bedauerte, dass die Ära Ballack auf diese Weise zu Ende ging. „Er hat viel für den DFB geleistet, vor allem wenn man an die WM 2002 denkt", sagte der Mittelfeldspieler und ergänzte: „Aber die Leute haben so entschieden. Wir Spieler müssen es sowieso akzeptieren. Jetzt sollte die Tür dann auch zu sein."

So arbeitet Ballack in diesen Tagen mit nur sechs anderen Feldspielern auf dem verweisten Trainingsplatz hinter dem Leverkusener Stadion. Eine neue Situation für den 34-Jährigen, der in einer Länderspielwoche über zwölf Jahre in der Regel unterwegs war. Mit Reservisten und aufstrebenden Junioren zu arbeiten, hat der 98-malige Nationalspieler praktisch nie kennengelernt.

Aber bei Bayer Leverkusen, dem nach dem Pokal-Aus in Dresden mit 0:2 in Mainz auch den Bundesliga-Start am Sonntag missriet, ist für Michael Ballack in diesen Tagen alles anders. Nicht nur bei der deutschen Nationalmannschaft ist der Sachse ins Aus gelaufen, auch bei der Werkself spielt er nicht mehr mit. Einen Abgesang auf seine große Karriere stimmte am Sonntag Franz Beckenbauer an. Die Einschätzung des früheren DFB-Teamchefs, der dem ehemaligen Bayern-Spieler Ballack jahrelang gesonnen war, klang fast wie eine Grabrede. Ballack habe ein „würdiges Ende" verdient, erklärte Beckenbauer. Sein Spielstil sei nicht mehr zeitgemäß, befand der „Kaiser".

Nun steht er auf dem Abstellgleis, beim DFB von Löw ausrangiert, in Leverkusen vom neuen Bayer-Trainer Robin Dutt. „Leistung ist der eine Parameter. Da genießt kein Spieler eine Ausnahmestellung", sagte Dutt vergangene Woche in einem dapd-Interview. Im Klartext bedeutet dies, dass der baden-württembergische Landsmann von Löw auch erkannt hat, dass Ballack keinen Stammplatz mehr verdient hat, zumindest aktuell. Beim 3:4 bei der Pokal-Blamage in Dresden kam Ballack nach einer Stunde als Einwechselspieler in die Partie und auch am Sonntag in Mainz ließ er ihn 90 Minuten auf der Ersatzbank sitzen.

Glücklich sind die Leverkusener mit Ballack nie geworden, seit er nach der WM 2010 vom FC Chelsea zu Bayer zurückkehrte. „Status quo ist, dass es mit ihm bis heute keine Probleme gab", sagte Dutt vorige Woche. Mit jeder Nichtberücksichtigung aber wächst sicherlich die Gefahr, dass Ballack der Kragen platzen könnte. Wie hart er zur Sache gehen kann, weiß Löw.

Dutt sprach völlig offen an, dass Ballack nicht mehr die Fitness besitzt, um Anspruch auf einen Stammplatz zu erheben. „Er ist fit, aber natürlich nicht wie jeder andere Spieler. Michael ist 34 Jahre alt und keine 18", erklärte der Bayer-Trainer.

Ausdauer gut, aber die Schnelligkeit lässt zu wünschen übrig. Und sie ist die entscheidende Größe im modernen Fußball. Dass er ein großer Kämpfer ist oder zumindest war, darf er wohl nur selten zeigen. In Leverkusen werden die ersten Vermutungen laut, dass Ballack vor dem Ende der Saison das Weite suchen könnte – vielleicht in irgendein arabisches Fußball-Rentnerparadies.