"Auszeit"

Warum Londons Olympialogo wieder Ärger provoziert

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Jens Hungermann

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/London_Organising_Committee_for_

Die Einen glauben, in dem Logo einen frivolen Akt zu erkennen; die Anderen Ähnlichkeit mit einem Hakenkreuz. Sogar der Iran ist stinksauer.

Über Geschmack lässt sich vortrefflich streiten, daran können auch Michelin-Sterne, Deutscher Buchpreis und Sotheby's nichts ändern. In dem New Yorker Auktionshaus zum Beispiel wechselte vor einigen Jahren das Gemälde „No.5, 1948“ des amerikanischen Malers Paul Jackson Pollock für kolportierte 140 Millionen (!) US-Dollar den Besitzer.

Und nach was sieht es aus, dieses Werk des abstrakten Expressionismus? Nach fürchterlichem Kabelsalat. Oder einem Blick in einen schlecht sortierten Wollknäuelkasten. Aber das liegt ja im Auge des Betrachters.

Kunst zu kapieren kann jedenfalls eine Kunst sein. Jean-Jacques Rousseau, der große französischsprachige Philosoph, hat zum Thema einmal treffend befunden: „Der Geschmack besteht in nichts anderem als der Fähigkeit, sich über das, was der großen Masse gefällt oder missfällt, ein eigenes Urteil zu bilden.“ Doch wo hat sie ihre Grenzen, die Interpretationsfreiheit?

Für beständig wiederkehrenden Ärger sorgt in diesem Zusammenhang das offizielle Logo der Olympischen Spiele in London. Es zeigt, eckig, kantig, zackig, die Zahl 2012, muss aber Verhohnepipelungen und Kritiken ertragen. Die Einen glauben, in dem Logo einen frivolen Akt zu erkennen; die Anderen Ähnlichkeit mit einem Hakenkreuz. Zudem musste 2007 schon wenige Stunden nach der Präsentation animiertes Videomaterial des Logos von der offiziellen Homepage der Londoner entfernt werden, weil Fälle epileptischer Anfälle infolge des Betrachtens bekannt geworden waren.

Und nun auch noch dies: Irans olympisches Komitee wittert eine pro-israelische Verschwörung, weil das Logo dem Wort „Zion“ ähnele. Es schrieb einen bösen Brief an Jacques Rogge, den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, in dem es indirekt mit dem Boykott der Spiele 2012 durch den Iran und andere Länder droht. Im IOC reagierten sie gelassen. Das Logo stelle lediglich die Zahl 2012 dar: „Sonst nichts.“ So schnöde kann Kunst sein.