Sieg in München

Gladbach schafft Fußball-Wunder und glaubt an Favre

Borussia Mönchengladbach sorgt zum Saisonstart für einen Paukenschlag und hofft auf eine entspanntere neue Saison ohne Abstiegssorgen.

„Wunder gibt es immer wieder“ ist der Titel eines Evergreens und Ohrwurms von Katja Ebstein aus den 70er-Jahren. Am Sonntag trällerten ihn die Fans vom Niederhein nach dem 1:0-Auftaktsieg bei Bayern München - und das 74 Tage nach dem Fast-Abstieg. Im Frühjahr machte Trainer Lucien Favre das fast Unmögliche möglich und rettete den schon totgesagten fünfmaligen Meister in die Relegation gegen den VfL Bochum. Doch von Wundern oder Zauberei wollte der Schweizer Coach auch nach dem Abpfiff in München nichts wissen: „Wir haben im Vorfeld hart gearbeitet und an uns geglaubt.“

Und Gladbach glaubt an Favre. 23 Punkte hat die Borussia in den bisher 13 Liga-Spielen unter dem 53-Jährigen gesammelt und nur neun Gegentore kassiert. Nur einmal schlug es mehr als einnmal (beim 1:2 gegen den VfL Wolfsburg am 25. Februar) im Tor der Borussen ein. Favre hat der Mannschaft wieder Struktur und Selbstbewusstsein vermittelt. Mit einem funktionierenden Kollektiv, einer gut organisierten Defensive und dem Quäntchen Glück, das bekanntlich nur der Tüchtige hat, gelang im 44. Gastspiel in München der erst zweite Sieg nach dem 2:1 am 14. Oktober 1995.

„Wir haben im letzten halben Jahr erlebt, was im Fußball alles möglich ist. Wir haben in München eine gute Leistung gezeigt, jeder hat genau das gemacht, was er sollte“, sagte Stürmer Igor de Camargo, der einen Patzer von Nationaltorhüter Manuel Neuer zum entscheidenden Treffer (62.) nutzte. „Dass das Tor dann so fällt, da ist natürlich auch ein wenig Glück dabei. Wir haben alle super gekämpft, das war der Schlüssel zum Erfolg“, ergänzte Abwehrspieler Roel Brouwers.

Das historische Ereignis dürfte wie eine zusätzliche Motivationsspritze für die kommenden Wochen wirken. „Das ist super fürs Selbstvertrauen, aber letztlich gibt es dafür auch nur drei Punkte. Ich freue mich sehr für die Fans, dass sie heute feiern können“, sagte der Brasilianer Dante, der neben dem für das Länderspiel am Mittwoch gegen Brasilien in den Kader des Nationalteams berufenen Marco Reus zu den Leistungsträgern zählt.

Dass sowohl der im Sommmer unter anderem vom VfL Wolfsburg umworbene Reus als auch Dante gehalten werden konnten, spielte Favre in die Planungen für die gerade gestartete Saison. Der Architekt des Gladbacher Aufschwungs will den Bau einer schlagkräftigen Einheit fortsetzen. Doch auf Saisonziele will er sich auch nach dem Coup von München nicht festlegen. „Es wird eine schwierige Saison“, sagte Favre.

Aber eine hoffentlich weniger turbulente als die abgelaufene. Neben den massiven sportlichen Problemen und der Trennung vom Gladbacher Urgestein Michael Frontzeck nach nur eineinhalb Jahren auf der Trainerbank, mussten die Borussen eine vereinsinterne Attacke der „Initiative Borussia“ um Ex-Profi Stefan Effenberg auf die aktuelle Klubführung abwehren . Doch das ist nun endgültig Vergangenheit. Weitere Argumente für eine bessere Zukunft und Kontinuität wollen die Gladbacher schon am Samstag im ersten Saisonheimspiel gegen den VfB Stuttgart liefern.