Klopp sauer

Dortmund muss sechs Wochen auf Barrios verzichten

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Meistertrainer Klopp ist verärgert über den langen Ausfall seines Torjägers. Der Stürmer aus Paraguay fällt nicht nur drei, sondern eher sechs Wochen aus.

Das Gesicht des ansonsten bestens gelaunten BVB-Trainers Jürgen Klopp verfinsterte sich nur einmal.

Die schwere Verletzung des Torjägers Lucas Barrios hat den Trainer des deutschen Meisters Borussia Dortmund vor dem Start der Titelverteidigung am Freitag (20.30 Uhr/ARD, Sky und Liga total!) gegen den Hamburger SV anscheinend tief getroffen. „Er hat einen schweren Muskelfaserriss und wird nicht nur drei, sondern fünf bis sechs Wochen ausfallen“, sagte Klopp anlässlich der Pressekonferenz vor dem Saisonauftakt.

Eigentlich wollte der paraguayische Nationalspieler die Blessur, die er vor zwei Wochen im Endspiel der Copa America erlitten hatte, in Südamerika weitgehend auskurieren.

Als die Borussen aber die von Paraguays Ärzten übermittelten Ultraschallbilder sahen, beorderten sie Barrios sofort nach Dortmund zurück. Dort offenbarte sich das Ausmaß der Oberschenkelverletzung. Klopp sagte es nicht in aller Klarheit, aber das Vertrauen in die Mediziner um Paraguays Nationalteam scheint schwer gestört.

Ansonsten sehen die Borussen dem Start gegen den HSV vor 80.720 Zuschauern in der ausverkauften Arena mit Zuversicht, aber auch dem nötigen Respekt entgegen. „Glückwünsche für die Meisterschaft werden ab sofort nicht mehr entgegengenommen“, sagte Klopp. „Was Freitag stattfindet, ist das erste Spiel einer langen Saison, mit allen Chancen und Risiken. Wir wollen in erster Linie guten Fußball spielen und viele Punkte sammeln.“

Die Vorbereitung sei gut gelaufen, die Neuen wie Chris Löwe, Ilkay Gündogan oder auch der 5,5 Millionen Euro teure Ivan Perisic (FC Brügge) wurden nahtlos integriert. Außer Barrios, dem langzeitverletzen Patrick Owomoyela und Youngster Marvin Bakalorz stehen alle Spieler zur Verfügung. Der Konkurrenzkampf hatte somit schon vor dem ersten Pflichtspiel am vergangenen Samstag im DFB-Pokal beim Drittligisten SV Sandhausen (3:0) begonnen.

Bundesliga-Debütant Löwe wird in jedem Fall den im Aufbautraining befindlichen Marcel Schmelzer ersetzen. Doch ein Fragezeichen steht hinter der Besetzung der Doppelsechs mit leichter Tendenz zum Duo Gündogan/ Sebastian Kehl.

Denn Nationalspieler Sven Bender steht nach seiner Knie-OP im Sommer erst seit zwei Wochen wieder im Mannschaftstraining. Klopp: „Es ist eine sehr schwere Entscheidung für mich. Was wiegt schwerer: die nur zwei Wochen Training von Bender oder die lange Pause und fehlende Spielpraxis von Kehl?“

Für Klopp steht fest: „Es wird grundsätzlich der spielen, der bewiesen hat, dass er das Zeug besitzt, um gegen den HSV zu gewinnen. Ansonsten haben meine Entscheidungen nur jeweils eine Woche Gültigkeit.“ Man wolle alles, was man sich erarbeitet habe, schon gegen Hamburg auf den Platz bringen, mit Leidenschaft und Willen agieren.

„Wir haben noch Spielraum nach oben, aber auch die Zuschauer. Wenn sie nicht nur die Tore, sondern auch noch jeden gewonnenen Zweikampf bejubeln würden, das fänd ich geil“, sagte Klopp mit einem spitzbübischen Lächeln.

Seine Miene hellte sich noch mehr auf, als der Name Shinji Kagawa fiel. „Er hat alle Hoffnung nach seinem Comeback erfüllt. Er selbst setzt sich stark unter Druck und ist der Meinung, dass er vor seiner Verletzung in der Hinrunde der vergangenen Saison noch nicht alles gezeigt hat“, sagte Klopp, dessen Sorgenfalten sich beim Thema Barrios jedoch wieder schlagartig vertieften.

( sid/fb )