Konkurrenzkampf

Müller setzt bei Bayern Robben unter Druck

Bayerns Nationalspieler Müller überzeugt beim Pokalsieg auf der Position des verletzten Arjen Robben. Trainer Heynckes schwärmt: "Sein Spiel imponiert mir."

Was schenke ich einem der besten deutschen Fußballer zum Geburtstag? Mario Gomez entschied sich für das Naheliegende: Einen Ball. Und der Stürmer des FC Bayern München lag goldrichtig, sein Kumpel und Kollege Bastian Schweinsteiger freute sich.

Beim 3:0 (2:0) im DFB-Pokalspiel beim Zweitligaklub Eintracht Braunschweig führte der Rekordmeister durch einen Foulelfmeter von Gomez 1:0 (9.), als es erneut Strafstoß gab. Gomez war als Schütze vorgesehen, überließ das Leder aber Schweinsteiger, der Montag 27 Jahre alt wurde – und verwandelte (39.). „Er hatte sich ein Tor gewünscht, ich habe das gern gemacht“, so Gomez.

Ohne Thomas Müller wäre das Präsent nicht zustande gekommen. Wie Freunde für ein Geschenk ihr Geld zusammenlegen, beteiligte sich Müller mit der Vorarbeit. Er war in der Partie der beste Spieler. Die Braunschweiger konnten ihn – wie vor beiden Elfmetern – nur mit Fouls stoppen.

Trainer Jupp Heynckes hatte ihn auf der rechten Außenbahn eingesetzt, auf der sonst der derzeit verletzte Arjen Robben spielt. Nahezu jeder Angriff lief über Müller, das 3:0 erzielte er selbst (83.). Mit etwas hohem Bein, „aber wir sind hier doch nicht beim Golfspielen“, sagte er. Einsatz und Wille in einem längst entschiedenen Spiel, die seinem Trainer gefallen. „Er war agil und laufstark. Sein Spiel hat mir imponiert“, sagte Heynckes.

Ohne die Stars Robben und Franck Ribery spielte Müller wie befreit. Als wolle er allen zeigen: So wichtig sie für uns sind – die Mannschaft kann auch mal ohne sie. Und das gelang ihm, obwohl er sonst im zentralen Mittelfeld aufläuft. „Vielleicht fühlt er sich Rechtsaußen wohler“, sagte Heynckes. Müller bestätigte: „Da bin ich einen Tick besser.“

Es war nicht nur ein sehr gutes Spiel von Müller. Es war ein Beweis, dass er die Mannschaft führen kann. Er bestimmte das Tempo, er feuerte seine Kollegen an, er war beinahe überall. Und machte deutlich, dass er in dieser Saison den nächsten Schritt machen will. „Es ist mein Ziel, langfristig auf einem hohen Niveau zu spielen“, so Müller. Und Titel zu gewinnen, „das unterschreibt man beim FC Bayern ja mit dem Vertrag.“

Müller ist aus der Bayern-Elf nicht mehr wegzudenken. Seine Routine im Spiel und der Titel des Torschützenkönigs bei der WM in Südafrika 2010 lassen vergessen, dass er gerade einmal 21 ist und erst vor seiner dritten Spielzeit als Profi steht. In den ersten beiden erzielte er 25 Tore und bereitete 22 Treffer vor.

Seit der WM ist er ein Star, drehte einen Werbespot mit Torjäger-Legende und Namensvetter Gerd Müller , war auf zahlreichen Galas eingeladen. Von dem Rummel um ihn und der Kritik an der Mannschaft in der abgelaufenen Saison habe er sich nicht verunsichern lassen.

„Ich weiß, was ich kann. Und höre auf das, was mein Inneres und der Trainer sagen.“ Er schwärmt von Heynckes. Der Trainer sei sehr kommunikativ und habe in seinen ersten Wochen im Klub so etwas wie eine Aufbruchstimmung erzeugt. Das Gegenteil also zu dem, was Vorgänger Louis van Gaal in seinen letzten Wochen in München verkörperte. „Am Ende war es ein bisschen festgefahren. Jupp Heynckes ist sehr direkt und einen Tick lockerer“, sagt Müller.

Schwere Entscheidung

Der Trainer steht nun vor einer schweren Entscheidung. Beim Bundesligaauftakt am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach werden Ribery und Robben wohl wieder fit sein. Im 4-2-3-1-System ist aber nicht Platz für das zurückkehrende Duo sowie Müller und Toni Kroos, ein Profi wird auf der Bank sitzen.

„Ich habe keinen Freifahrtsschein. Beim FC Bayern wirst du dich immer einem Konkurrenzkampf stellen müssen. Egal ob du 28, 25 oder zwei Tore schießt“, sagt Müller.

Heynckes hat in Braunschweig erkannt, dass das Team seine Forderung umsetzt: Die Lücke zwischen Abwehr und Mittelfeld war nicht so groß wie zuletzt. Auch, weil Müller mehr für die Defensive tat als Robben und Ribery. „Die Spieler haben verstanden, was ich will“, sagte Heynckes. Er wolle den Sieg aber nicht überbewerten.

In der Bundesliga komme es darauf an, die richtige Mischung aus defensiven und offensiven Spielern finden. Wer auch immer aufläuft: „Wir müssen einen guten Start erwischen“, so der Trainer.