Hooligan-Attacken

BFC Dynamo droht Ausschluss aus DFB-Pokal

Nach der Randale am Wochenende muss der Berliner Oberligist BFC Dynamo für das kommende Jahr mit einem Ausschluss aus dem DFB-Pokal rechnen. Es gibt einen schlimmen Verdacht gegen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes.

In ungewohnter Schärfe hat die Polizei auf die Krawalle beim DFB-Pokalspiel zwischen den BFC Dynamo und dem 1. FC Kaiserslautern (0:3) am Wochenende reagiert. Die Behörden in Berlin legten ihre übliche Zurückhaltung ab und kritisierten öffentlich den Klub wegen augenscheinlicher Fehler des Sicherheitsdienstes. Der einstige Stasi-Klub entschuldigte sich zwar, muss aber mit der Höchststrafe rechnen: Ausschluss aus dem kommenden Pokalwettbewerb.

Den Deutschen Fußball-Bund (DFB) trafen die schlimmen Vorfälle im Ludwig-Jahn-Sportpark nicht unvorbereitet. „Die Partie war als Sicherheitsspiel eingestuft. Unser Beobachter hat einen Bericht verfasst, dieser wird an den Kontrollausschuss weitergeleitet“, sagte DFB-Sprecher Maximilian Geis. In solchen Fällen sind Geldstrafen oder Platzsperren üblich. Doch Dynamo ist Wiederholungstäter, und die Vorfälle von Samstag wiegen schwer. Ein Ausschluss aus dem DFB-Pokal im kommenden Jahr ist denkbar.

Eine umgehende Aufdeckung aller Vorkommnisse, forderte auch Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV). „Für mich sind die Ordner mitverantwortlich für die Randale. Und: Es waren aus meiner Sicht viel zu wenig Ordner bei der Sicherung des Gästeblocks im Einsatz“, kritisierte er. Er wolle nun abwarten, ob der Deutsche Fußball-Bund (DFB) neben den erwarteten Strafen für den BFC auch Empfehlungen an den Berliner Verband ausspricht. „Auf die Forderungen aus Vereinen nach einem Ausschluss-Verfahren gegen den BFC will ich jetzt noch nicht eingehen“, fügte Schultz hinzu.

Rund 300 BFC-Chaoten hatten nach Spielschluss den Gästeblock gestürmt. Mit Stangen und Fäusten prügelten sie auf die Lauterer Fans ein, sogar Kinder wurden verletzt. Selbst Kaiserslauterns Klub-Chef Stefan Kuntz griff ein, holte zwei Kinder aus dem Block und brachte sie zum schützenden Mannschaftsbus. Am Ende gab es 18 verletzte Polizisten, zwei von ihnen wurden im Krankenhaus behandelt. 27 Krawallmacher wurden vorläufig festgenommen.

„Es gibt den Verdacht, dass Leute des Sicherheitsdienstes bewusst ein Tor offen gelassen haben, um Krawallmacher in den Block zu lassen“, sagte ein Polizeisprecher. Bei den Behörden saß der Frust so tief, dass sie ihre übliche Reserviertheit ablegten und die Vorgänge im Stadion in einer Mitteilung offen kritisierten. Maßnahmen des Ordnungsdienstes hätten „zu den Problemen geführt bzw. den Verlauf begünstigt“, hieß es.

Der Verein reagierte mit einer Entschuldigung auf seiner Homepage. „Was passiert ist, tut uns sehr leid“, teilte Peter Meyer mit. Der Vorsitzender des Wirtschaftsrates versicherte, dass man alle juristischen Mittel ausschöpfen werde, um die Gewalttäter zu identifizieren. „Keiner von ihnen soll ein Schlupfloch finden“, so Meyer. In Absprache mit Kaiserslautern wolle man sich um die Verletzten kümmern und „Wege suchen, ihnen einen kleinen Ausgleich für die Momente der Angst zukommen zu lassen“.

Bei der Polizei-Gewerkschaft erntete die Vorfälle nur Kopfschütteln. „Wer jetzt noch glaubt, unsere Beamte gehen gerne zum Fußball, irrt gewaltig. Wir werden verletzt, verprügelt, bespuckt und nichts passiert“, sagte Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Für Wendt ist eine Ursache des Übels weiterhin der Alkoholausschank. „Wir müssen zu einem Alkoholverbot rund um den Fußball kommen. Da sind ja auch mal die Politiker gefordert.“