Kolumne "Abschlag"

Warum die British Open einem Lotteriespiel gleichen

Für einen Sieg beri den British Open braucht der Golf-Profi nicht nur spielerisches Können, sondern auch eine gehörige Portion Glück.

Foto: AFP

Traditionalisten und Liebhaber von Linksgolf kommen von Donnerstag an ganz besonders auf ihre Kosten. Mit der Open Championship beginnt im Royal St. George’s Golf Club im englischen Sandwich die älteste offene Meisterschaft der Welt. Gerade seine 150-jährige Historie macht das Turnier so einzigartig. Deswegen nennen es die Briten auch stolz „The Open“, während außerhalb der Insel eher von British Open gesprochen wird.

Beim Rückblick auf die Anfänge ist bereits früh die Rotation der Austragungsorte zu erkennen, welche die Open bis heute kennzeichnet. In den ersten 34 Jahren wechselte die Meisterschaft zwischen den schottischen Plätzen von Prestwick, Musselburgh und St. Andrews, erst 1894 kam in Royal St. George’s der erste englische Kurs hinzu. Der Veranstalter, der Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews legt fest, dass die Open zwischen derzeit neun Orten in Schottland und England rotieren.

Eines haben diese Plätze jedoch gemein: Es sind alles Linkskurse. Sie liegen an der Küste und zwar direkt in oder an den Dünen. Der sandige und oft harte Untergrund sowie die vielen Hügel, Wellen und Senken in den Spielbahnen und auf den Grüns machen das Golfspiel für unerfahrene Linksgolfer oft genug zu einem Lotteriespiel. Gerade Royal St. George’s gilt als einer der schwierigsten und unbequemsten Plätze überhaupt.

Auf den ersten neun Löchern erwarten die Spieler ausschließlich „blinde Abschläge“, was bedeutet, dass sie aufgrund der hohen Dünen die Landezone auf den Fairways nicht einsehen können. Wegen der Trockenheit im Juli springen die Bälle zudem oft unkontrolliert in das hohe Rough oder in die tiefen Topfbunker. Damit bin ich wieder beim Lotteriespiel. Für einen Open-Sieg wird nicht nur spielerisches Können benötigt, sondern auch eine gehörige Portion Glück.

Deswegen gewinnen immer wieder Außenseiter dieses Major, wie etwa 2003, als die British Open zum bislang letzten Mal in Royal St. George’s ausgetragen wurden. Der völlig unbekannte Ben Curtis kam als 396. der Weltrangliste aus den USA nach England, um sein erstes Major überhaupt zu spielen – und gleich sensationell zu gewinnen. Ich bin gespannt welche Überraschung „The Open“ in diesen Tagen für uns parat hat.