Schwimm-WM

Biedermann und die Frauen-Staffel gewinnen Bronze

Paul Biedermann hat seinen Titel bei der Schwimm-WM in Shanghai verloren, aber Bronze gewonnen. Anschließend schwamm die Frauen-Freistilstaffel auf Platz drei.

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Paul Biedermann schwamm so schnell wie nie zuvor ohne seinen Wunderanzug - und doch nicht schnell genug. Als der erste WM-Titel verloren war, tröstete der 24-Jährige zunächst sich selbst und dann auch noch seine Freundin Britta Steffen . „Ich habe Bronze gewonnen, das ist okay“, sagte der entthronte Weltmeister nach dem WM-Finale von Shanghai über 400 m Freistil: „Es war meine beste Zeit mit der Hose, und den Weltrekord habe ich auch noch.“

69 Minuten später holte im Schwimmstadion „Krone“ zwar auch Doppel-Olympiasiegerin Steffen Bronze mit der Staffel, doch die 27-Jährige plagten danach ernste Zweifel. „Ich habe die Zeit gesehen und dachte, ich hätte mich verguckt“, sagte die Doppel-Weltmeisterin von 2009, die als Startschwimmerin in 54,51 Sekunden weit hinter ihren eigenen Erwartungen blieb. „Damit bist du nur noch Mittelklasse, wahrscheinlich kann man damit nicht mal ins Finale kommen“, meinte sie mit Blick auf ihre Titelverteidiung über 100 m Freistil, „ich bin dolle enttäuscht.“

Biedermann selbst fand schneller Trost. Eine halbe Stunde nach seinem Rennen strahlte der Hallenser bei der Siegerehrung wieder über das ganze Gesicht und scherzte bei der Ehrenrunde mit dem neuen Weltmeister Park Tae Hwan. Der südkoreanische Olympiasieger war für ihn ohne High-Tech-Anzug einfach zu schnell gewesen. „Nach 250 Metern habe ich gewusst, der WM-Titel ist weg“, sagte der Weltrekordler, „er ist auf der Außenbahn sein eigenes Rennen geschwommen und war nicht mehr einzuholen.“

Immerhin arbeitete sich Biedermann auf den letzten 100 m noch vom siebten auf den Bronzerang vor. An den chinesischen Senkrechtstarter Sun Yang, die Nummer eins in den Weltranglisten von

200 bis 1500 m, kam er aber mit 3:44,14 Minuten nicht mehr heran. „Ich dachte, die letzten 50 Meter wären meine, aber es waren seine“, sagte Biedermann, der nur im Anzug bei seinem Triumph in Rom zweimal schneller geschwommen war.

Am Montag beginnt bereits Teil zwei der Doppel-Titelverteidigung. Vorlauf und Halbfinale über 200 m leiten die WM-Revanche mit US-Superstar Michael Phelps ein. Der Rekord-Olympiasieger, der zum Auftakt mit Bronze in der 4x100-m-Freistilstaffel eine herbe Enttäuschung erlebte, ist heiß auf das Duell mit Biedermann. „Ich hasse es zu verlieren, und er hat mir eine richtig große Niederlage zugefügt“, sagte Phelps über den Deutschen, der ihm vor zwei Jahren den WM-Titel und den Weltrekord raubte.

Steffen, die erst ab Donnerstag ihre Titel über 50 und 100 m verteidigt, konnte als Startschwimmerin der 4x100-m-Freistilstaffel nicht die erhoffte starke Zeit vorlegen. Silke Lippok (Heidelberg), Lisa Vitting (Essen) und Daniela Schreiber (Halle/Saale) behaupteten in 3:36,05 Minuten Platz drei hinter dem alten und neuen Weltmeister Niederlande und den USA, aber noch 31 Hundertstel vor China.

„Bronze war unser Ziel“, sagte Steffen, schaute aber alles andere als begeistert drein. Ein wenig Aufmunterung gab es nach dem ernüchternden Comeback auf der großen internationalen Bühne nach fast zweijähriger Pause auch von Bundestrainer Dirk Lange: „Das war sicher nicht so, wie wir und sie selbst es erwartet haben, aber sie muss erst wieder zurückfinden. Jetzt ist nach dem ersten Tag der Druck weg.“

Das beste WM-Ergebnis seit 2005 verbuchte die Männerstaffel um den Weltranglistenersten Marco di Carli. Nach dem deutschen Rekord von 3:14,23 Minuten im Vorlauf reichte es für den Frankfurter, Markus Deibler (Hamburg), Benjamin Starke (Berlin) und Christoph Fildebrandt (Wuppertal) im Finale in 3:15,01 immerhin zum siebten Rang.

In den Kampf um die Medaillen könnte am Montag Steffen Deibler über 50 m Schmetterling eingreifen. Der Kurzbahn-Weltmeister schwamm im Halbfinale in 23,39 Sekunden nur um fünf Hundertstel an seinem eigenen deutschen Rekord vorbei - mit der fünftbesten Zeit zwei Zehntel hinter dem umstrittenen brasilianischen 50-m-Freistil-Olympiasieger Cesar Cielo, der trotz Dopingbefunds starten durfte.

Im Halbfinale verabschiedete sich der Essener Hendrik Feldwehr über 100 m Brust. Schon im Vorlauf waren Clemens Rapp (Bad Saulgau) über 400 m Freistil, der deutsche Meister Christian vom Lehn (Wuppertal) über 100 m Brust und Sina Sutter (Essen) über 100 m Schmetterling ausgeschieden.