"Auszeit"

Ein millionenschwerer Pool für Wasserscheue

Das WM-Schwimmbad Oriental Sports Centre in Shanghai steht wohl bald leer – die Chinesen baden ungern mit anderen Leuten.

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Für über 200 Millionen Euro haben sich die Shanghaier nach der Expo das nächste Denkmal gesetzt. Das von einem Hamburger Architekturbüro entworfene Oriental Sports Centre, extra für die derzeit laufende Schwimm-WM aus dem Boden gewachsen, besteht aus drei Stadien, einem künstlichen See und einem Bürogebäude.

Alles fließt hier. Nicht nur der Schweiß der Athleten, sondern auch die Formen. Von weitem scheint der Komplex von weißen Segeln umrahmt zu sein. Die Stelen des offenen Hauptstadions sind mit viel Fantasie als eine anschwellende Welle zu erkennen. Leider springen die Beckenschwimmer in der „Kronen“-Halle ins Wasser. Drüben im Freien wäre es wohl zu heiß, und die Tribünen sind zu klein.

Wenn der WM-Tross in einer Woche wieder abgezogen ist und mit ihm die Hundertschaften an Sicherheitskräften, stellt sich die Frage der Nachnutzung. Der Gang ins öffentliche Schwimmbad ist nicht nur in Shanghai weitgehend verpönt.

Überhaupt sollen es die Chinesen nicht so sehr mit aquatiler Körperertüchtigung haben, die wenigsten Einheimischen können schwimmen. Bäder aller Art dienen lediglich als Ort der Abkühlung, der Volksmund nennt sie etwas abfällig „kochende Klöße“.

Sie wären keine Chinesen, wenn sie nicht auch diesem Defizit beikommen wollten. Parallel zu den Titelkämpfen trommelt die Bezirksregierung zum großen Trimm-dich. Künftig soll jedes Kind lernen, zu schwimmen. Bis die Kampagne Früchte trägt, bleibt das Oriental Sports Centre ein dampfender Kloß – oder ein Stehbad für Millionen.