Fußball-Historie

Wie Real einst gegen Viktoria 89 und Hertha spielte

75.000 Zuschauer werden Mittwoch das Freundschaftsspiel zwischen Hertha BSC und Real Madrid im Olympiastadion sehen. Dabei ist ein Auftritt der "Königlichen" kein gutes Omen für die Hauptstadt.

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Am Mittwoch kommt Real Madrid nach Berlin . Das Freundschaftsspiel von Hertha BSC im Olympiastadion gegen den berühmtesten Klub der Welt wird mit 74.244 Zuschauern ausverkauft sein. Das war nicht immer so, wenn die Königlichen Station in Berlin machten. Zweimal taten sie das schon. 1960 kam Real als Europacup-Sieger der Landesmeister. Damals erlebten 56.000 Fans im Olympiastadion, wie eine Kombination aus Viktoria 89/Hertha BSC dem Favoriten mit 0:1 unterlag. 1982 waren es gerade 21.810 Zuschauer, die allerdings erlebten, wie Hertha die Madrider mit 1:0 schlug.

1960 war es dem Vorstand von Viktoria 89 gelungen, Real für ein Freundschaftsspiel zu verpflichten. Die Spanier hatten wenige Wochen zuvor das Finale der Landesmeister gegen Eintracht Frankfurt mit 7:3 gewonnen und damit zum fünften Mal den europäischen Fußball-Thron bestiegen. Schon damals kassierte Real Madrid für ein Freundschaftsspiel 100.000 DM, die Viktoria 89 vorab auf einer Bank deponieren musste. Real reiste mit allen Assen an, von Torsteher Dominguez über Mittelläufer Santamaria bis hin zu di Stefano, Puskas und dem pfeilschnellen Gento.

Da die Mariendorfer sich nicht für stark genug hielten, um gegen den Europapokal-Sieger bestehen zu können, verstärkte man sich mit den besten Spielern von Hertha BSC. Mit Torsteher Wolfgang Tillich, den Abwehrspielern Günter Schimmöller und Günter Schüler sowie den Stürmern „Wanze“ Groß und Helmut Faeder gehörten fünf Herthaner zur Mannschaft. Dafür musste Viktoria 89 noch einmal 15.000 DM an den Ligakonkurrenten bezahlen. Die Investitionen lohnten sich trotzdem für Viktoria. Dem Verein blieb nach Abzug aller Kosten noch ein fünfstelliger Betrag.

56.000 Zuschauer im Olympiastadion waren begeistert vom Auftritt der Berliner Elf, die gegen die Ausnahmemannschaft aus Madrid nicht nur kämpferisch dagegen hielt und erst in der Nachspielzeit den einzigen Treffer der Partie durch Mateos kassierte. Stärkster Spieler auf dem Feld war Wolfgang Tillich, der mit Glanzparaden die spanischen Stürmer zur Verzweiflung brachte. Tillich, der zusammen mit Schimmöller, Groß und Faeder später auch mit Hertha in der Bundesliga spielte, war damals 20 Jahre alt.

Mit Stielike und Del Bosque

1982 war die Situation ähnlich wie aktuell. Auch damals wollte sich Hertha bei den Fans für den vollbrachten Bundesliga-Aufstieg bedanken. Eine Agentur hatte die Königlichen aus Madrid für eine Gastspielreise durch Europa unter Vertrag genommen. Damit gingen die Klubs kein finanzielles Risiko ein, partizipierten allerdings am Überschuss. So durften sich die Berliner über eine Einnahme von 40.000 DM freuen. Die Herthaner zeigten keinen Respekt vor dem großen Namen und hätten auch höher gewinnen können. Werner Killmaier erzielte nach 14 Minuten den einzigen Treffer, auf Vorarbeit von Thomas Remark. Trainer Georg Gawliczek lobte vor allem die Abwehr, die „ihre Aufgabe in der Mann- und Raumdeckung vollauf erfüllt hat“.

Real gehörte damals allerdings nicht zur europäischen Spitze und hatte mit Santillana nur einen Nationalspieler in seinen Reihen, der bei der WM in Spanien wenige Wochen zuvor beim Zwischenrundenspiel gegen Deutschland dabei war. Die DFB-Elf gewann 2:1. Neben dem Stürmer gehörten in Berlin auch der deutsche Nationalspieler Ulli Stielike und der derzeitige spanische Nationalmannschaftstrainer Vicente del Bosque zur Real-Elf. Trainer des damaligen Vizemeisters aus der Primera Division war der gerade erst verpflichtete Alfredo di Stefano.

Abstieg nach Testspielsieg

Die Spanier standen erst seit zehn Tagen im Training, die WM-Teilnehmer kamen sogar direkt aus dem Urlaub zum Spiel, das auch von einigen harten Attacken seitens der Spanier geprägt war, die sich deshalb manches Pfeifkonzert gefallen lassen mussten. Trainer di Stefano stellte der gesamten Hertha-Elf ein gutes Zeugnis aus und nannte Mohr, Schneider und Ehrmantraut als auffälligste Spieler beim Gegner. Auch wenn es sich nur um eines der Vorbereitungsbegegnungen handelte, wäre di Stefano gern als Sieger vom Platz gegangen. „Für unseren Verein sind alle Spiele wichtig, denn schließlich geht es ums Prestige“, betonte der einstige Weltklassestürmer.

21.810 Fans verfolgten die Begegnung bei tropischen Temperaturen von über 30 Grad. Herthas Frühform sowie der Sieg über den renommierten Gegner wurde von der Bundesliga-Konkurrenz mit Bewunderung zur Kenntnis genommen. Bleibt den Berlinern nur zu wünschen, dass die Saison 2011/12 diesmal ein anderes Ende nimmt als das Spieljahr 1982/83. Denn das beendete Aufsteiger Hertha BSC als Letzter und musste damals wieder absteigen.

Rainer Fritzsche ist langjähriger Mitarbeiter der Fußball-Woche .

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