WM in Shanghai

Im 30 Grad warmen Meerwasser Richtung Olympia

Die 35-jährige Angela Maurer startet noch einmal bei der WM in Shanghai. Die Synchronspringer Patrick Hausding und Sascha Klein holen erste DSV-Medaille.

Foto: Farideh Diehl

Er wird es verschlafen, wenn sich seine Mutter im Wasser vor dem Jinshan City Beach quält, um ihrem Traum ein Stückchen näher zu kommen.

Doch in ihren härtesten Rennmomenten, wenn die Arme schwer werden und die Konzentration schwindet, wird Freiwasserschwimmerin Angela Maurer (35) an ihren sechsjährigen Sohn zu Hause in Deutschland denken und daraus Kraft ziehen.

Um 3 Uhr deutscher Zeit startet sie am Dienstag in ihr großes Rennen: die zehn Kilometer bei den Weltmeisterschaften in Shanghai.

In gehobenem Schwimmer-Alter will die zweimalige Weltmeisterin jetzt erneut die Olympia-Qualifikation schaffen – ein Platz unter den Top Ten ist dafür Pflicht. Eine Medaille, wie es am Sonntag in beeindruckender Manier die Wasserspringer Patrick Hausding/Sascha Klein mit Silber vom Zehnmeter-Turm vormachten, ist eher unwahrscheinlich.

Die will sie am Samstag über die nicht-olympischen 25 Kilometer holen, der Strecke ihrer zwei WM-Titel. Maurers Fokus liegt aber auf der dagegen fast schon kurzen Zehn-Kilometer-Distanz, auf den Spielen 2012 in London. „Das ist eigentlich meine einzige Motivation. Normal ist es nicht, dass man so lange schwimmt“, sagt Maurer und lacht.

Wahrscheinlich wäre sie 13 Jahre nach ihrer ersten WM jetzt nicht immer noch dabei, und wahrscheinlich hätte sie es auch schon von der Polizeikommissaranwärterin in den Dienst geschafft, wenn nicht diese Olympischen Spiele in Peking 2008 so unglücklich verlaufen wären.

Platz vier mit nur 1,25 Meter Rückstand auf ihre erste Olympia-Medaille – das war schwer zu verdauen. „Ich bin so knapp gescheitert, dass ich es erneut versuche“, sagt die 35-Jährige.

Die nicht immer einfache Aufgabe mit Familie, Hochleistungssport und beruflicher Ausbildung nimmt sie dafür in Kauf. „Umso mehr freue ich mich, dass ich Partner habe, die an mich glauben und mich beim ‚Projekt 2012’ unterstützen“, erzählt sie. Einige Unternehmen haben sich zusammengeschlossen, um ihr Freiräume zu schaffen.

Dass so manch Gegnerin mehr als zehn Jahre jünger ist, stört Maurer nicht. „Ich fühle mich nicht als Schwimm-Oma, bin nicht unfitter als die Jüngeren“, sagt sie und kehrt den vermeintlichen Nachteil ins Positive. „Mein Vorteil ist, dass ich weiß, wie ich auf jede Situation reagieren muss.“

Erfahrung ist im Freiwasserschwimmen, wo die Rennbedingungen immer wieder anders sind, einer der entscheidenden Faktoren. In Shanghai, wo mit Wassertemperaturen von bis zu 30 Grad gerechnet wird, könnte das besonders zutreffen.

Zwar wurden die Wettbewerbe in die frühen Morgenstunden verlegt, damit die Bedingungen nicht irregulär werden, aber zumindest bei den 25 Kilometern schwimmen die Athleten in die Mittagshitze hinein. Und dann ist er auch wieder präsent, der Gedanke an Fran Crippen (USA), der während eines Weltcups Ende 2010 bei fragwürdigen Bedingungen ums Leben kam.

„Im Wettkampf muss man den Gedanken ausblenden, aber danach kommt die Wut wieder hoch“, sagt Maurer. Um über so etwas zu sprechen, hat sie in Shanghai die perfekte Person an ihrer Seite, denn Nikolai Evseev ist Trainer, Lebensgefährte und Vater ihres Sohnes in einem.