Tour de France

Als Hoogerland seine Beine sah, wurde ihm übel

Seit seinem Sturz in den Stacheldrahtzaun ist Tour-Neuling Johnny Hoogerland in den Niederlanden ein Held. Im Ziel weinte er gemeinsam mit seinem Vater.

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Johnny Hoogerland kämpft sich auf der letzten Bergetappe mit den Tour-Favoriten nach Alpe d'Huez hoch, was nach seinem Horrorsturz vor knapp zwei Wochen fast einem Wunder gleichkommt. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" spricht der niederländische Rad-Profi Johnny Hoogerland über das Drama auf der neunten Etappe der Tour de France am 10. Juli. "Es ging so schnell, ich konnte nicht mal schreien." Ein Auto des Fernsehens war mit dem Spanier Juan Antonio Flecha kollidiert, Hoogerland wurde vom Sturzopfer erfasst, flog in die Luft und landete in einem Stacheldrahtzaun.

Trotz der Wunden und der Schmerzen fuhr der 28-Jährige vom Team Vacansoleil anschließend weiter: "Klar, ist mir ein bisschen übel geworden, als ich meine Beine gesehen habe. Ich hatte Angst, dass eine große Vene betroffen sein könnte. Ich war ja voller Blut", so Hoogerland weiter. Mit Hilfe eines Betreuers habe er seine zerrissene Hose gewechselt – "und dann ging es los". Am Ende der Etappe in Saint-Flour konnte er sich das Bergtrikot überstreifen.

Im Ziel habe er zusammen mit seinem Vater geweint: "Es war sehr emotional", sagte der Tour-Neuling, der erst seit zwei Jahren Profi ist. Seine Freundin habe ins Telefon geschrien, dass das die schlimmsten Minuten ihres Lebens gewesen seien, weil sie im Fernsehen nach dem Sturz in den Zaun zunächst nicht erfahren habe, wie es ihm gehe.

Seitdem hatte Hoogerland auch einen Albtraum: "Ich hatte einen Pfosten des Zauns in meinem Rücken und saß im Rollstuhl." Die Wunde mache ihm auch noch über eine Woche nach dem Sturz Probleme: "Sie suppt immer noch, es ist doch recht unangenehm."

Während des Rennen habe er riesige Angst, wieder zu stürzen, so Hoogerland zur "SZ": Denn wenn ich noch mal falle, kann es sein, dass die Wunden wieder aufreißen – und dann muss ich aufgeben." Auch in Frankreich bekommt er mit, dass seine Landsleute in Holland "durchdrehen wegen dieses Stunts. Da bin ich jetzt wohl ein Held, der fliegende Johnny, der das überstanden hat."

Vor den letzten drei Tour-Etappen liegt Hoogerland mit 1:52:14 Std. auf Platz 74 der Gesamtwertung.