Verdienter Sieg

Die Japanerinnen sind ein würdiger Weltmeister

Mit beeindruckender Nervenstärke hat Japan hat dem Frauenfußball zu einem längst fälligen Evolutionssprung verholfen.

Nach dem letzten Elfmeter schlüpften die japanischen Spielerinnen am Sonntagabend in Windeseile in die vorbereiteten Weltmeister-Shirts. In Anlehnung an ihren Spitznamen Nadeshikos blühten darauf allerhand Nelken, in großen Lettern verkündete der Schriftzug „Champions 2011“ den gerade errungenen Erfolg. Ein wenig kleiner, doch unübersehbar, hieß es zudem „Vielen Dank!“ Dabei ist es der Weltverband Fifa, der sich bei den Japanerinnen bedanken müsste.

Z um ersten Mal hat eine Mannschaft aus Asien den WM-Titel gewonnen , zum ersten Mal kommt der Sieger nicht aus Deutschland, Skandinavien oder den USA. Diese Abwechslung wertet den Frauenfußball auf. Nichts ist langweiliger als ein Turnier, dessen Sieger schon im Vorfeld feststeht.

Drei gute Gründe für Japan

Japan hat die WM geprägt wie keine andere Mannschaft und ist gleich in dreierlei Hinsicht ein guter Titelträger:

Erstens : Das Team spielt den modernsten Fußball. Mit ihrem feinen Passgeflecht besiegte Japan nacheinander Deutschland, Schweden und die USA und führte den dominierenden Nationen der vergangenen Jahre dabei vor, wie antiquiert deren Stil ist. Kopfbälle und Standard-Situationen reichen nicht mehr zum Titelgewinn – diesen Evolutionssprung verdankt der Frauenfußball den Japanerinnen.

Zweitens: Ihre wohltuende Bescheidenheit inmitten all des künstlichen Booms. Sie waren hier, um Fußball zu spielen. Keine Chauvinismus-Debatte wie in Deutschland, kein pathosschwangeres Gerede vom „Team-Spirit als Abbild der Volksseele“ (US-Keeperin Hope Solo), kein Prämienstreit wie bei den Schwedinnen. Einfach nur Fußball. Gut so!

Und drittens : Nach der Tsunami-Katastrophe, die die japanischen Spielerinnen immer nur in Nebensätzen erwähnten und trotzdem stets verinnerlicht hatten, hat nicht nur US-Stürmerin Abby Wambach so ein Gefühl: „Die Menschen dort haben den Erfolg mehr gebraucht als bei uns.“ Absolut.