Hamburger SV

Mancienne will in Keegans Fußstapfen treten

Der Engländer peilt mit dem HSV den Europapokal an. Skjelbred erhält einen Vertrag ab 1. Januar. Die Hanseaten bemühen sich um einen sofortigen Wechsel.

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Den vorbildlichen Einsatz seiner Profis auf Sylt belohnte Michael Oenning mit zwei freien Tagen. Am Mittwoch schickte der Trainer des HSV die Hamburger Kicker jedoch wieder in die Knochenmühle. "Es wird hart", versicherte Oenning.

Schließlich gehe es in dieser Phase der Vorbereitung darum, die Grundlagen zu legen, "damit wir in der Saison umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben." Auch am Donnerstag geht die Schinderei weiter, gleich drei Einheiten stehen auf dem Plan, um 8.30 Uhr, 11.30 Uhr und um 16 Uhr. Der Chef hat Spaß daran, denn die Einstellung stimmt: "Die Jungs ziehen gnadenlos mit."

Nach anderthalb Wochen Sonderurlaub trat nun auch Michael Mancienne seinen Dienst in Hamburg an. Im Sommer hatte er mit dem englischen U21-Nationalteam an der Europameisterschaft teilgenommen – und obwohl die "Young Lions" in der Vorrunde ausschieden und Mancienne nur zwei von drei Spielen bestritt, verwehrte Oenning ihm den Wunsch, sofort beim HSV einzusteigen: "Michael wollte von Anfang an dabei sein. Ich habe ihn aber gebremst und erklärt, wie wichtig es ist, dass er sich eine Auszeit nimmt. Jetzt ist er froh, dass es losgeht. Den körperlichen Rückstand wird er zügig aufholen."

Am frühen Morgen traf sich der Trainer mit dem 23-jährigen Zugang vom englischen Spitzenklub FC Chelsea im Kabinentrakt. "Ich habe einen sehr positiven Eindruck von ihm. Michael ist ein offener Typ, der sich nicht davor scheut, auf die Leute zuzugehen. Jetzt gilt es, möglichst schnell die Sprachbarriere zu brechen. Wir werden ihm in den nächsten Tagen einen Deutschlehrer an die Seite stellen", sagte Oenning.

Bei seiner Vorstellung im Presseraum der Imtech-Arena beantwortete Mancienne die Fragen der Reporter in englischer Sprache, das werde sich aber zeitnah ändern. "Ich werde den Unterricht aufmerksam verfolgen, damit ich mich bald verständigen kann", sagte der Defensivallrounder, der im Abwehrzentrum, als Rechtsverteidiger und im defensiven Mittelfeld spielen kann.

Der HSV ist seine erste Station außerhalb Englands. In der Premier League kam er auf 50 Einsätze, vier davon für Chelsea. Zuletzt kickte er auf Leihbasis bei Wolverhampton Wanderers. "Ich freue mich, jetzt in Hamburg zu sein. Es war immer mein Ziel, einmal im Ausland zu spielen. Als Frank Arnesen mir die Möglichkeit in Aussicht stellte, musste ich nicht lang überlegen. Ich bin bereit für eine neue Herausforderung."

Mancienne ist nach Kevin Keegan der zweite Engländer, der beim HSV unter Vertrag steht. Der frühere Weltklassespieler war am Dienstag in der alten Heimat zu Besuch und bezeichnete seinen Nachfolger als "einen Mann, der dem Verein weiterhelfen wird." Der Neu-Hamburger fühlte sich geehrt: "Keegan ist einer der Größten, eine Legende. Ich werde mein Bestes geben, um in seine riesigen Fußstapfen zu treten."

Die Bundesliga hält der Defensivallrounder für ebenso stark wie die Premier League, vor allem durch die Ausgeglichenheit: "Es gibt eine Reihe von Klubs, die das Ziel haben, sich für den Europapokal zu qualifizieren. Dazu zählen auch wir. Ich brenne schon jetzt darauf, dass die Saison startet. Wir werden hart arbeiten und auf alles vorbereitet sein."

Während der Eingewöhnungsprozess für Mancienne am Mittwoch in Gang gesetzt worden ist, kehrte Per Ciljan Skjelbred schon wieder nach Norwegen zurück. Der 24-Jährige absolvierte während seines Kurzbesuchs in Hamburg erfolgreich den Medizincheck und unterschrieb eine Transfervereinbarung, die allerdings erst ab dem 1.Januar 2012 Gültigkeit besitzt.

Bis zum 31. Dezember steht der Mittelfeldspieler bei Rosenborg Trondheim unter Vertrag. Die HSV-Verantwortlichen bemühen sich darum, eine Einigung mit dem Führungsgremium des norwegischen Rekordmeisters zu erzielen. "Es ist klar, dass wir Per so schnell wie möglich bei uns haben wollen. Ich halte es nach aktuellem Stand aber für ausgeschlossen, dass er Sonnabend schon mit uns ins Trainingslager reist", berichtete Oenning.

In finanzieller Hinsicht liegen beide Parteien nicht weit auseinander. Trondheim fordert eine Million Euro, der HSV bietet 700.000 Euro. Rosenborg tritt allerdings in der Qualifikation zur Champions League an – und Skjelbred soll mithelfen, in die europäische Königsklasse einzuziehen.

Zunächst treffen die Norweger auf Breidablik Kopavogur aus Island, danach steht eine weitere Runde (2./3. August) an. Einen Tag später soll der Spielgestalter in der Hansestadt eintreffen. Spätestens dann.

Oenning kann es kaum erwarten, denn der Trainer hält Skjelbred für stark genug, um die Mannschaft besser zu machen. "Im offensiven Mittelfeld ist er sehr variabel. Ich habe seine Entwicklung in den vergangenen Jahren verfolgt, er geisterte schon durch meine Gedanken, als ich noch in Nürnberg war. Bei Frank Arnesen war das ähnlich. Daher waren wir uns schnell einig."

Eine schlechte Nachricht hatte Oenning am Mittwoch aber auch noch zu verkraften. Zugang Jacopo Sala muss mindestens vier Wochen pausieren. Der italienische U21-Nationalspieler, der aus dem Nachwuchs des FC Chelsea nach Hamburg wechselte, zog sich im Training einen Muskelbündelriss im rechten Oberschenkel zu. "Das ist nicht schön, aber wir müssen die Situation annehmen und ihn vernünftig aufbauen."