Boxen

Schwergewicht verdrängt Hucks Ehe-Gedanken

Nach seiner Titelverteidigung im Cruisergewicht schmiedet Marco Huck Pläne für den Aufstieg. Seine zukünftige Ehefrau stand derweil etwas verloren im Ring.

Mit einem Schlag rückte die Hochzeitsnacht in weite Ferne. Marco Huck tanzte auf den Ringseilen und ließ sich im Münchner Olympia-Eisstadion von den Zuschauern feiern.

In einem spektakulären Kampf hatte der Weltmeister seinen argentinischen Herausforderer Hugo Hernan Garay ausgeknockt und seinen WBO-Titel im Cruisergewicht erfolgreich verteidigt. Etwas abseits stand Hucks Verlobte Amina an den Seilen und wirkte ein bisschen fehl am Platz.

Dabei waren noch wenige Stunden zuvor sie und die bevorstehende Hochzeit mit dem Champion der Mittelpunkt im Boxstall Sauerland gewesen. Marco, genannt „Käptn“, Huck gab kein Interview, in dem er die Bedeutung seiner zukünftigen Ehefrau für den WM-Kampf nicht betonte.

Lästige Hürde

Sogar die eigene Unerfahrenheit bei den zu erwartenden ehelichen Pflichten thematisierte der 26-jährige Bielefelder. Der Südamerikaner Garay schien nur eine lästige Hürde auf dem Weg zum Traualtar am 30. Juli zu sein.

Mit der ersten Ringglocke aber war die junge Amina, die Huck erst zu Beginn des Jahres kennengelernt hatte, aus dessen Fokus verschwunden. Und das blieb sie auch spät in der Nacht, als Huck nach seiner siebten erfolgreichen Titelverteidigung Rede und Antwort stand.

„Wenn es nach mir geht, würde ich morgen schon wieder boxen“, sagte er selbstbewusst. Dabei wollten die Journalisten eigentlich hören, wann er denn wieder bei Kräften für die geplante Eheschließung sei.

Andere Pläne

Doch Huck hatte nach seinem K.o.-Sieg in der zehnten Runde ganz andere Pläne im Kopf. Der nächste große Schritt war plötzlich nicht mehr der Bund fürs Leben, sondern ein Kampf in der Königsklasse. „Ich habe gehört, dass der WBA-Titel im Schwergewicht vakant ist“, sagte Huck und überraschte plötzlich sogar seinen Trainer Ulli Wegner und Promoter Wilfried Sauerland: „Ich würde gerne darum boxen.“

„Langsam, langsam“, erwiderte Sauerland, denn der Boxstall hat mit seinem jungen Zugpferd ganz andere Pläne, als Huck im Schatten der Klitschko-Brüder zu verheizen. Ein Vereinigungskampf gegen den polnischen WBC-Champion Krzysztof Wlodarczyk schwebt den Machern hinter dem Weltmeister vor.

Dann vielleicht die Revanche gegen den britischen IBF-Titelträger Steve Cunningham, gegen den Huck in seinen 33 Profikämpfen bislang die einzige Niederlage hatte einstecken müssen.

Auf jeden Fall soll sich Huck weiter im Cruisergewicht austoben. Dass er dort richtig aufgehoben ist, bewies er gegen den mutigen Garay. Neun Runden lang lieferten sich die offensivstarken Kämpfer eine offene Schlacht, teilten aus und steckten ein, sodass die in Weiß und Rot gewandete Amina die Hände vor Schreck wie zum Gebet faltete.

In Runde zehn zeigte Huck jedoch, warum es derzeit in seiner Gewichtsklasse kaum einen besseren Boxer als ihn gibt. Blitzschnell erkannte er eine Schwäche seines Kontrahenten, setzte unnachgiebig nach und schlug Garay zu Boden - der 24. K.o. seiner Karriere.

„Ich wusste, dass er einen harten Schädel hat und dass ich ihn weichklopfen muss“, sagte Huck nach dem Kampf. Selbst musste er auch einige harte Treffer einstecken, was seinem Selbstbewusstsein aber keinen Abbruch tat: „Egal, wen ihr mir vorsetzt - ich haue jeden um!“ „Käptn“ Huck war in seinem Element als weltbester Boxer in der Klasse bis 91,7 Kilogramm.

1000 Hochzeitsgäste

Bis er diese Rolle aber wieder spielen darf, werden noch einige Monate vergehen. Zuvor steht die Hochzeit mit seiner 20 Jahre alten Verlobten an. 1000 Gäste sind in die serbische Heimat geladen, eine weiße Kutsche ist für die Braut bestellt.

Dann steht Amina wieder im Mittelpunkt, darf sich bestaunen und feiern lassen. Es bleibt zu hoffen, dass ihr Marco dann vor dem Traualtar nicht derart verloren aussieht wie die Frau mit dem weißen Kostüm und den roten Lippen im Boxring.