Leichtathletik

Oeser überragt in Ratingen, Freimuth überrascht

Die deutschen Mehrkämpfer begeisterten beim Meeting in Ratingen die 7135 Zuschauer an den beiden Tagen mit Bestleistungen und vielen Emotionen.

Überlegener Sieg von Titelverteidigerin Jennifer Oser im Siebenkampf, WM-Tickets für Rico Freimuth, Lars Behrenbruch, Lilli Schwarzkopf und Julia Mächtig: Die deutschen Mehrkämpfer begeisterten beim Meeting in Ratingen die 7135 Zuschauer an den beiden Tagen mit Bestleistungen und vielen Emotionen. Vergessen ist das EM-Jahr 2010, als kein deutscher Zehnkämpfer zu den Titelkämpfen nach Barcelona gefahren war. Bei der WM in Daegu wird es ein Trio sein: Jan-Felix Knobel hatte das Ticket bereits beim Meeting in Götzis gelöst. „Wir haben wieder eine richtig gute Truppe zusammen“, freute sich Zehnkampf-Bundestrainer Rainer Pottel.

Dagegen verpasste Raul Spank den Hattrick im deutschen Hochsprung-Mekka Eberstadt deutlich. Der Titelverteidiger musste sich bei starkem Regen und heftigem Wind mit 2,20 m und dem fünften Platz begnügen. „Ich verstehe die Welt nicht so richtig“, sagte Spank nach dem Sieg des Russen Iwan Uchow (2,24). Dessen Landsfrau Jelena Issinbajewa feierte nach dem Verzicht auf die Sommersaison

2010 mit dem Sieg beim Meeting im belgischen Heusden-Zolder ein gelungenes Comeback. Die Weltrekordlerin gewann mit 4,60 m vor der höhengleichen Carolin Hingst (Mainz), die damit die WM-Norm (4,55) schaffte.

Oeser (Leverkusen) setzte sich mit 6663 Punkten souverän vor Aiga Grabuste (Lettland/6507) durch und verfehlte ihre eigene Bestleistung (6683) nur um 20 Punkte. Wie Oeser werden auch Schwarzkopf (LG Rhein-Wied) und Mächtig (SC Neubrandenburg) zu den Weltmeisterschaften ins südkoreanische Daegu (27. August bis 4. September) reisen. Schwarzkopf übertraf als Dritte mit 6370 Punkten ebenso die Norm von 6150 wie Mächtig, die nach zweijähriger Verletzungspause als Fünfte mit 6194 Punkten ein starkes Comeback feierte.

„Ich hatte mir eine Steigerung zu Götzis vorgenommen, aber so eine Punktzahl habe ich nicht erwartet. Jetzt heißt es: Auf nach Daegu“, sagte Oeser. Überglücklich war Mächtig: „Ich habe gestern schon fast gar nicht mehr dran geglaubt.“

Freimuth (Halle/Saale) knackte als Zweiter mit 8287 Punkten die geforderte WM-Norm (8200) deutlich. „Der dritte Versuch im Speerwerfen war die pure Angst. Ich habe gehofft, es zu schaffen. Aber noch bin ich in einem Reifeprozess“, sagte Freimuth. Lange zittern musste dagegen Behrenbruch (Frankfurt), der mit einem Meetingrekord von 71,40 m im Speerwerfen erst spät die Weichen Richtung Südkorea stellte und als Dritter auf 8232 Punkte kam. Der Algerier Larbi Bouraada gewann den Zehnkampf mit Afrika-Rekord von 8302 Punkten.

Freimuth, der beim Meeting im österreichischen Götzis bereits seine Bestleistung auf 8158 Punkte gesteigert hatte, legte am ersten Tag bei optimalen Bedingungen los wie die Feuerwehr. Seinen glänzenden 10,50 Sekunden über 100 m (3,4 m/s Rückenwind) folgten 7,42 m im Weitsprung und 14,44 m im Kugelstoßen. Im Hochsprung gab es mit 1,88 m einen kleinen Rückschlag, dafür mit 48,86 Sekunden über die 400 m einen glänzenden Abschluss.

Am Sonntag überzeugte der Sohn des ehemaligen Weltklasse-Zehnkämpfers Uwe Freimuth mit 14,14 Sekunden über 110 m Hürden sowie 47,42 m im Diskuswerfen und ließ sich auch von zwei Fehlversuchen über 4,60 m im Stabhochsprung nicht aus der Ruhe bringen. Die letztlich übersprungenen 4,80 m waren ebenso persönliche Bestleistung wie die 65,04 m im Speerwerfen.

Im Siebenkampf baute Oeser, die nach dem ersten Tag mit persönlicher Bestzeit von 13,14 Sekunden über 100 m Hürden klar in Führung gelegen hatte, ihren Vorprung im Weitsprung mit persönlicher Bestleistung von 6,70 m weiter aus und überzeugte auch mit 47,19 m im Speerwerfen. Schwarzkopf, die mit 6,04 m in den Sonntag gestartet war, ließ überragende 51,75 m im Speerwerfen folgen und legte damit den Grundstein für das WM-Ticket. Mächtig überzeugte im Kugelstoßen (14,66) und im Speerwerfen (48,01).

Bei der U23-EM im tschechischen Ostrau bescherten die Speerwerfer Till Wöschler (Zweibrücken) und Sarah Mayer (Potsdam) Deutschlands Leichtathleten die Goldmedaillen Nummer drei und vier. Wöschler siegte mit neuer persönlicher Bestleistung von 84,38 m und übertraf damit auch die WM-Norm (82,50). Mayer steigerte ihre Bestleistung gleich um mehr als drei Meter und gewann mit 59,29 m.