EM in Sheffield

Heidemann erfolgreichste deutsche Fechterin

Die Olympiasiegerin steht mit Degen-Silber für die glorreiche Vergangenheit, Max Hartung gehört die Fecht-Zukunft.

Die „Grande Dame“ aus Leverkusen und der Säbel-Nachwuchsmann verliehen der deutschen EM-Bilanz viel Glanz. Heidemann wurde nach dem 8:9 gegen die Schweizerin Tiffany Geroudet EM-Zweite, Hartung holte Bronze – der deutsche Medaillensatz war nach Freitag-Gold für den Leipziger Degen-Routinier Jörg Fiedler komplett.

Das Herrenflorett-Quartett unterlag im Kampf um Bronze den Russen mit 35:45 Treffern. „Hätten wir gegen Großbritannien verloren, wäre es richtig bitter geworden“, meinte Einzel-Weltmeister Peter Joppich nach dem dramatischen 42:39 gegen die Gastgeber, als der Koblenzer aus einem 22:29-Rückstand nach dem achten Teilgefecht noch einen Sieg und wenigstens die Halbfinalteilnahme perfekt machte. Titelverteidiger Italien war beim 31:45 aber eine Nummer zu groß. Die Säbeldamen verbesserten sich trotz des abschließenden 38:45 gegen Polen im Vergleich mit Leipzig 2010 um einen Rang und wurden Sechste.

Nach den Einzelentscheidungen gab es für Deutschlands Fecht-Sportdirektor Manfred Kaspar keinen Grund für überschwängliche vorolympische Freude. „Gold, Silber, Bronze – das ist okay, wir stehen im selbst gesetzten Soll-Bereich“, befand er trotz etlicher Rückschläge.

So schied Titelverteidigerin Imke Duplitzer (Bonn) mit dem Degen schon unter den Top 32 gegen Frankreichs Atlanta-Olympiasiegerin Laura Flessel-Colovic aus. Säbel-Ass Nicolas Limbach (Dormagen) verpasste mit seiner Viertelfinal-Niederlage gegen den erneut erfolgreichen russischen Titelverteidiger Alexej Jakimenko Edelmetall und wurde Fünfter.

Heidemann und Hartung machten mit spektakulären Auftritten vieles wett. Die 28-Jährige präsentierte sich nach längerer Durststrecke wieder mit eisernen Nerven und hoher Moral. Unter den besten 16 und im Viertelfinale verhinderte sie mit unglaublichen Schlussattacken im „Sudden Death“ zweimal das Aus.

Im Finale gegen die Schweizerin Geroudet ging's schief. Heidemann war dennoch „extrem froh“ über ihre sechste internationale Einzelmedaille seit WM-Bronze 2002 in Lissabon, „damals mit 18 noch als kleiner Scheißer. Und jetzt habe ich mich wieder wie die alte Britta gefühlt.“ Gerade rechtzeitig für die knallharte Olympia-Qualifikation ist die Welt-Titelträgerin von 2007 und Europameisterin von 2009 wieder in der Spur: „Ich habe nie daran gezweifelt, dass mein fechterisches Potenzial noch da ist.“

Der frühere Junioren-Weltmeister Hartung verlor erst im Halbfinale gegen den Weltranglistenersten Jakimenko mit 10:15 und war „total happy“. Auch Limbach präsentierte sich mit dem alten und neuen Europameister Jakimenko auf Augenhöhe und war mit Rang fünf „überhaupt nicht unzufrieden. Es war ein tolles Gefecht – und der WM-Titel ist mir wichtiger“, sagte der Dormagener mit Blick auf das Weltchampionat in Catania (8. bis 16. Oktober). Dort geht es im Einzel um die 2,5-fache Weltranglistenpunktzahl und mit den Teams um das Doppelte für die Olympia-Ausscheidung.