Kolumne "WM-Fieber"

Unsere Damen brauchen mich nicht als Fan

Von dem WM-Finale in Frankfurt zieht Heiner Lauterbach Bilanz aus deutscher Sicht und freut sich auf den Start der Männer-Bundesliga.

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Nun ist es bald geschafft. Noch das Finale am Sonntag, und die vielen Gegner des Frauenfußballs haben endlich wieder ihre Ruhe. Allerdings wird es ein Endspiel ohne deutsche Beteiligung . Wer hätte das gedacht!?

Ich ganz sicher nicht. Ich hatte mich ja schon zu beginn der Weltmeisterschaft weit aus dem Fenster gelehnt und nur noch über die Höhe des Endspielsieges spekuliert. Ich hatte geschrieben „Fußball wie vom Arzt verordnet, weil so Nerven schonend“. Nerven schonend war’s in der Tat für mich. Aber nicht, weil die deutsche Mannschaft so überlegen war, sondern, ich muss es gestehen, weil es mich einfach nicht mitgerissen hat.

Im Gegensatz zu den schlechten Fußballspielen von unseren Männern, die es, gerade in der Vergangenheit, ja zuhauf gab, bei denen ich Nägel kauend oder fluchend vor der Glotze oder im Stadion saß, hat mich die Fehlpassorgie unserer Damen im Viertelfinale gegen Japan doch verhältnismäßig kalt gelassen.

Man muss überhaupt sagen, dass, soweit ich das beurteilen kann, die deutschen Damen weit unter ihrem Niveau gespielt haben. Ich habe alle Spiele von ihnen gesehen. In gar keinem, auch nicht im Frankreichspiel, hatten sie die Klasse vergangener Tage, oder konnten die Dominanz erzeugen, die wir von ihnen gewohnt waren.

Da ist es dann auch nur wenig tröstlich, dass das Ausscheiden durch ein Gegentor erfolgte, welches mehr als haltbar schien. So was passiert schon mal und muss von den Vorderleuten mit zumindest einem eigenen Treffer aufgefangen werden. Aber dazu waren sie eben nicht in der Lage. Da hat es auch nichts genützt, das unsere Presse die Japanerinnen im Vorfeld noch so klein geschrieben hat (im wahrsten Sinne des Wortes). Eher im Gegenteil.

Aber wie schon gesagt, an mir ging’s ziemlich spurlos vorüber. So sehr ich mich auch über einen Sieg unserer Mädels freuen konnte, so wenig hat mich ihre Niederlage getroffen. Ich ziehe also mein ganz eigenes Fazit dieser Veranstaltung. Ich bin mit den besten Vorsätzen an die Sache ran gegangen.

Ich hab mir gesagt, „Heiner, sei kein Depp und gib den Frauen eine faire Chance.“ Ich hab mir die Spiele angeschaut und versucht mitzufiebern. Aber es ist beim Versuch geblieben. Die allerletzte Begeisterung, das große Zittern und Hoffen, dieses unbeschreibliche Gemeinschaftsgefühl, das man empfindet, wenn für „seine“ Mannschaft ein Tor fällt, das alles hat sich bei mir nicht entwickelt.

Sicher hat jeder von Ihnen in diesen Wochen seine eigenen Erfahrungen gemacht und entsprechende Schlüsse gezogen. Zumindest diejenigen, die sich ernsthaft mit der Frauen-Weltmeisterschaft auseinander gesetzt haben. Die, wie ich, objektiv, soweit das eben geht, an diese drei Sommerwochen heran gegangen sind.

Ich für meinen Teil habe erkannt, dass ich kein Fan des Frauenfußballs geworden bin. Und ich werde auch keiner. Ich bin sicher, unsere wirklich tapfer kämpfenden Damen werden es mir verzeihen, denn sie brauchen mich gar nicht als Anhänger.

Sie haben durch ihren wirklich äußerst sympathischen Auftritt während dieser WM genügend Fans dazu gewonnen. Ich gönne es ihnen von ganzem Herzen, möchte aber meine Arbeit als Kolumnist bei Morgenpost Online, die ich übrigens sehr gerne getan habe, nicht mit einer Lüge beenden.

Also, vergelt’s Marta, die Damen. So – und jetzt freu ich mich auf die Bundesliga. Und zwar die der Männer.

Ihr Heiner Lauterbach

Der Schauspieler Heiner Lauterbach, 58, schreibt während der WM für „Morgenpost Online“