Boxen

Hugo Hernan Garay will Marco Huck "töten"

Huck will bald Revanche gegen Cunningham nehmen und dann ins Schwergewicht aufsteigen. Sein Vorbild heißt Haye. Aber erst einmal geht es gegen Graray.

Foto: dapd/DAPD

Martialische Worte ist die Szene durchaus gewohnt. Da wollte auch der Gegner von Marco Huck keine Ausnahme machen. "Ich werde ihn töten" sagte also Hugo Hernan Garay vor dem Duell mit dem aktuellen Cruisergewichts-Weltmeister. Der 26 Jahre alte Berliner steht am Samstag in München (22.30 Uhr, ARD) dem vier Jahre älteren Argentinier gegenüber.

Es ist Hucks siebte Titelverteidigung. Sein südamerikanischer Gegner Garay kann aber nicht nur harte Sprüche klopfen, er kann auch hart zuschlagen: Im November 2008, damals noch im Halbschwergewicht, bekam das der Schweriner Jürgen Brähmer zu spüren, den Garay ziemlich übel zurichtete und den WM-Titel abnahm.

Heirat am 30. Juli

Dennoch: Bleibt Huck konzentriert, sollte er am Ende des Abends im Olympia-Eissportzentrum weiter Champion nach Version des Weltverbands World Boxing Organisation (WBO) sein. Genau beim Thema Konzentration liegt jedoch der neuralgische Punkt.

Huck, impulsiv und zum Leidwesen von Trainer Ulli Wegner zu gern bereit, die erarbeitete Taktik zu Gunsten einiger Einlagen für die Galerie zu opfern, dürfte derzeit vieles abseits des aktuellen Kampfes beschäftigen. Erstens: Der gebürtige Serbe heiratet am 30. Juli seine Verlobte Armina Dacic (20). Zweitens: Marco Huck beschäftigt sich seit einiger Zeit mit einem möglichen Wechsel ins Schwergewicht, der Königsklasse des Profiboxens.

Hucks Vorbild ist der Brite David Haye, trotz dessen Niederlage nach Punkten Anfang Juli in Hamburg gegen Wladimir Klitschko .

"David hat es nicht richtig geschafft, Wladimir unter Druck zu setzen. Er war im Angriff nicht mutig genug. In ein paar Szenen hat er aber gezeigt, wie es geht. Er hätte vielleicht ein bisschen mehr auf seine Schnelligkeit vertrauen sollen", analysiert Huck das latente Problem von ins Schwergewicht aufgestiegenen Cruisergewichtlern (Maximalgewicht 90,7 Kilo).

Gleichzeitig schaut der Kämpfer aus dem Team von Manager Wilfried Sauerland ganz pragmatisch in seine Zukunft: "Ich muss Garay schlagen und will unbedingt eine Revanche gegen Steve Cunningham. Danach würde ich gern mit meinem Manager und Trainer Wegner über alles sprechen."

Revanche gegen Cunningham

Cunningham, wie Huck bei Sauerland unter Vertrag, ist der bislang einzige Gegner, der ihn in 34 Profikämpfen besiegen konnte. Am 29. Dezember 2007 unterlag Huck dem 35 Jahre alten Amerikaner in der zwölften Runde. "Da ist noch eine offene Rechnung. Cunningham spielt aber auf Zeit, geht mir aus dem Weg. Aber das wird nicht immer klappen", so Huck. Ein Kampf gegen Cunningham wäre eine Titelvereinigung, denn der Mann aus Philadelphia ist Champion der International Boxing Federation (IBF).

Das bislang misslungene Beispiel eines Gewichtsklassenwechsels bei seinem Kollegen Arthur Abraham schreckt Huck nicht. "Ich mache jetzt schon Sparring mit Schwergewichtlern. Ich denke auch, dass ich groß genug bin (1,87 m, d.R.).

Im Normalfall wiege ich 92 bis 93 Kilo. Ich kann sicher da noch etwas draufpacken, und Boxer wie Haye oder Evander Holyfield haben sich durchgesetzt, obwohl sie unter 100 Kilo gewogen haben", sagt Huck und fügt schmunzelnd hinzu: "Ich hatte noch nie Angst vor großen Jungs."

Teameigene Konkurrenz

Auch vor den Klitschko-Brüdern nicht? "Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich weiß nicht, wie lange die beiden wirklich noch boxen. Bei einem Aufstieg ins Schwergewicht würde ich bestimmt nicht gleich einen WM-Fight kriegen. Also sind die Klitschkos noch kein Thema", so Huck. Aber: "Antreten gegen einen von ihnen würde ich auf jeden Fall." Doch dem Cruisergewichtler steht vor dem Wechsel ins Schwergewicht ohnehin zunächst die teameigene Konkurrenz im Weg.

Allen voran, und derzeit wohl mit der besten Zukunftsperspektive, der Finne Robert Helenius . Der 27 Jahre alte Zwei-Meter-Mann überzeugte mit beeindruckenden K.o.-Siegen über die Ex-Klitschko-Gegner Samuel Peter (Nigeria) und Lamon Brewster (USA). Helenius boxt am 27. August in Erfurt gegen Sergej Liakhovic (Weißrussland).

Auf der gleichen Veranstaltung klettert mit dem Russen Alexander Powetkin ein weiterer Sauerland-Schwergewichtler in den Ring. Der 31-Jährige boxt um den vakanten WBA-Titel gegen den Usbeken Ruslan Chagaew (32, Universum Box-Promotion).

Vakanter Titel

Der Titel ist vakant, weil die WBA Wladimir Klitschko nach seinem Sieg gegen David Haye umgehend zum Superchampion gekürt hatte, den eigentlichen WBA-Schwergewichtstitel musste Klitschko ablegen. Dritter im Sauerland-Trio ist in Erfurt Yoan Pablo Hernandez (26).

Für den gebürtigen Kubaner, ebenfalls dem Schergewicht nicht abgeneigt, geht es um den WBA-Gürtel im Cruisergewicht gegen Titelverteidiger Guillermo Jones (39) aus Panama. Vor Marco Huck liegt also ein schwerer Weg ins Schwergewicht.