Tennis

Präsident von Waldenfels kandidiert erneut

Georg von Waldenfels kann es nicht lassen, er will seinen Platz an der Spitze des Deutschen Tennis Bundes (DTB) einfach nicht räumen. „Es sind viele Leute an mich herangetreten, unter anderem der DTB-Ehrenpräsident Claus Stauder und einige Vertreter der Landesverbände“, sagte von Waldenfels: „Daher habe ich mich entschieden, mich im November noch einmal als Präsident zur Wahl zu stellen.“

Sein Herausforderer Karl Georg Altenburg schweigt dazu. Der 48 Jahre alte Deutschland-Chef der US-Investmentbank J.P. Morgan will sich erst äußern, wenn er dem allmächtigen Bundesausschuss des DTB am 23. Juli in Hamburg sein Konzept präsentiert hat. „Es ist dem Präsidenten unbenommen, wieder zu kandidieren, das ist eine demokratische Wahl, jeder kann antreten. Das bessere Konzept soll dann gewinnen“, heißt es aus Altenburgs Team. Man respektiere und achte das Amt des DTB-Präsidenten und die Person von Waldenfels, wolle sich aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich zu der Angelegenheit äußern.

Der 23. Juli wird also zu einer Art Stichtag, an dem sich die mittelfristige Zukunft des deutschen Tennis entscheiden kann. Auf der einen Seite Georg von Waldenfels, in den vergangenen zwölf Jahren beileibe nicht unumstritten und maßgeblich am Ausverkauf der deutschen Turnierlandschaft beteiligt. Auf der anderen Seite Karl Georg Altenburg, der dem Verband professionellere Strukturen verleihen und vor allem die Jugend wieder auf den Tennisplatz holen will. Tennis soll wieder cool werden, soll sich gegen Waveboards, Spielekonsolen und Co. behaupten.

Damit das funktioniert, will Altenburg die Position eines Hauptgeschäftsführers schaffen und sie mit Stephan Brune, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Firma Zapf Creation, besetzen. Aus der Geschäftsführung des Rechtehändlers Ufa Sports soll Stefan Felsing in die Hamburger DTB-Zentrale wechseln. Fachkompetenz soll die Einbindung des dreimaligen Davis-Cup-Siegers Carl-Uwe Steeb garantieren. Altenburg selbst möchte in der angestrebten Verbandsstruktur gar nicht so sehr in den Vordergrund rücken. Die handelnden Personen seien nicht so wichtig, heißt es, in erster Linie gehe es dem Team um die Inhalte.

Von Waldenfels sieht sich in einer anderen Rolle, er will vor allem „im Sinne der Kontinuität“ noch einmal kandidieren. Ganz im Gegensatz zu seiner eigenen Ankündigung vom November 2009, als er versicherte, sich 2011 nicht noch einmal für das Amt zur Verfügung zu stellen. „Dafür waren damals persönliche Gründe ausschlaggebend“, sagte er dem SID: „Jetzt geht es um Konzepte, um die Ausrichtung des DTB.“ Es handele sich schließlich immer noch um einen gemeinnützigen Verband, nicht etwas um ein mittelständisches Unternehmen.

Dem widersprechen Karl Georg Altenburg und seine Mitstreiter keineswegs, schließlich lebe der DTB von ehrenamtlichen Strukturen und von ehrenamtlichen Helfern. „Ihn zu professionalisieren heißt ja nicht, das Ehrenamt abzuschaffen. Das wollen wir im Gegenteil einbinden und fördern“, sagt Stephan Brune.

Nicht bei allen stößt die Ankündigung des Amtsinhabers von Waldenfels auf ungeteilte Zustimmung. „Witz des Tages, der Woche, des Monats, des Jahres“, sagt Hessens Verbandspräsident Dirk Hordorff, der seit Jahren Strukturveränderungen im DTB fordert: „Wie kann dieser Präsident nach all den Misserfolgen, Pleiten, Unzulänglichkeiten, Peinlichkeiten davon ausgehen, dass ihn auch nur ein vernünftiger Mensch zur Kandidatur auffordert. Dazu hat er viel zu viel Schaden im deutschen Tennis angerichtet.“