Sinneswandel

Großer Applaus – Bayern-Fans feiern Torwart Neuer

Bei der Saisoneröffnung des FC Bayern kommen 30.000 Fans – und empfangen den zuletzt so abgelehnten Torwart Manuel Neuer äußerst freundlich.

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Neuer Trainer, neue Spieler, alte Ziele: Bayern München will nach einem Jahr ohne Titel wieder standesgemäß ganz nach oben. "Wir müssen die deutsche Meisterschaft wieder nach München holen. In der vergangenen Saison sind wir immer hinter der Musik hergelaufen. Wir müssen am ersten Spieltag gleich ein Ausrufezeichen setzen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

"Wir sind hungrig darauf, Titel zu gewinnen", ergänzte Kapitän Philipp Lahm bei der offiziellen Saisoneröffnung am Samstag, bei der der deutsche Fußball-Rekordmeister in der Allianz-Arena von mehr als 30.000 Fans gefeiert wurde. Auch Nationaltorwart Manuel Neuer wurde bei seinem ersten Auftritt im Bayern-Trikot mit großem Applaus empfangen, nachdem es zuvor gegen die Verpflichtung des 25-Jährigen heftige Proteste einiger Münchner "Ultras" gegeben hatte.

Die Münchner sehen sich nach den Transfers von Neuer, Rafinha (FC Genua) und Nils Petersen (Energie Cottbus) schon jetzt "deutlich stärker" als zuletzt, wie Sportdirektor Christian Nerlinger betonte. Dennoch planen die Münchner weiter die Verpflichtungen von J erome Boateng (Manchester City) und Arturo Vidal (Bayer Leverkusen) - aber man werde "keine astronomischen Summen" zahlen, machte Nerlinger noch einmal deutlich.

Die größten Hoffnungen ruhen jedoch nicht auf den neuen Spielern, sondern auf Trainer Jupp Heynckes . Von der dritten Amtszeit des 66-Jährigen versprechen sich die Verantwortlichen nach der Ära Louis van Gaal eine ganze Menge. "Er ist unser Wunschtrainer. Jupp ist der richtige Mann, am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt. Ich bin überzeugt, dass wir eine erfolgreiche Zeit haben werden", sagte Rummenigge und konnte sich einen Seitenhieb auf den zuletzt sehr umstrittenen van Gaal nicht verkneifen: "Wir müssen Erfolg haben, wollen dabei aber auch einen gewissen Spaß haben. Das ist mit Jupp möglich. Mit ihm können wir alle Ziele erreichen."

Heynckes selbst machte am Samstag erneut deutlich, dass er "nach Hause" gekommen ist und die Bayern für ihn eine Herzensangelenheit sind. "Es macht mir schon jetzt riesigen Spaß. Das ist eine riesige Herausforderung", sagte er und fügte die Worte an, die in München alle hören wollen: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir den Erfolg verwirklichen, den sich alle wünschen."

Seine Mannschaft sei auch ohne Boateng und Vidal, die als Wunschspieler von Heynckes gelten, "sehr kompetitiv, sie kann auf hohem europäischen Niveau spielen. Wenn wir noch den einen oder anderen Transfer verwirklichen, haben wir eine noch bessere Mannschaft, noch besser als in der Vergangenheit."

Seit Freitag hat Heynckes seinen kompletten Kader versammelt. Am Sonntag fliegen die Münchner ins Trainingslager nach Riva del Garda in Italien. Eine Woche lang warten auf die Stars schweißtreibende Einheiten, um für den Großangriff auf drei Titel optimal vorbereitet zu sein.

Ziel der Vorbereitung sei es, "dass wir eine bessere Balance zwischen Angriff und Defensive finden", sagte Heynckes und kündigte "ein großes Stück Arbeit" an: Wir müssen das Zusammenspiel, die Organisation, das System verinnerlichen. Wir haben nicht so viel Zeit und müssen uns schnell zusammenraufen."

Zeit wollen sich die Bayern dagegen bei den Transfers von Boateng und Vidal lassen. Präsident Uli Hoeneß rief zu Gelassenheit auf, auch Rummenigge betonte, "dass die Transferzeit noch acht Wochen dauert. Noch haben, abgesehen von Manuel Neuer, die großen Transfers in Europa noch nicht stattgefunden". ManCity und Leverkusen sollten auf jeden Fall keine "zu großen Preiserwartungen" haben.

Sollte der Wechsel von Boateng nicht klappen, "werden wir in der Innenverteidigung alternativ auf jeden Fall etwas machen", kündigte Rummenigge an. Im Mittelfeld sieht er dagegen nicht unbedingt Handlungsbedarf, sollte Vidal in Leverkusen bleiben: "Dann können wir das auch ein Jahr aussitzen."