CHIO Aachen

Wunderhengst Totilas stellt alle in den Schatten

Lange mussten die Fans auf diesen Augenblick warten: Matthias Alexander Rath reitet mit seinem Superhengst Totilas zur gemeinsamen Premiere ins Dressurviereck ein. Sie wollen nicht weniger als den Sieg.

Foto: Reto Klar

Die Tasse mit den Konterfeis von Pferd und Reiter ist der absolute Renner. 9,95 Euro müssen die Käufer beim CHIO in Aachen dafür bezahlen. Auch die Basecaps und T-Shirts werden gern genommen, ebenso die schwarzen Powerbänder für nur einen Euro. Und auf allen Artikeln prangt in goldenen Lettern ein Name: Totilas.

Heute hat das lange Warten ein Ende, im Grand Prix reitet Matthias Alexander Rath mit seinem Wunderhengst zur gemeinsamen Premiere beim Weltfest des Pferdesports ins Dressurviereck ein und soll der deutschen Equipe zum Sieg im Mannschaftswettbewerb verhelfen. Am Abend steht dann der Nationenpreis im Springen auf dem Programm.

Totilas ist im Reitsport derzeit der unumstrittene Star. Seine Ankunft in Aachen wurde eigens von Fernsehteams gefilmt, wo der Hengst mit seinem Reiter auch auftaucht, geraten die Menschen in Verzückung. Der edle Rappe wird verehrt wie ein Popstar, Mädchen fangen lautstark an zu kreischen, erwachsene Menschen drängeln sich rüde, um den besten Blick auf das neue Traumduo der Dressur zu erhaschen. Und das Boulevardmagazin "RTL Exclusiv" berichtet erstmals nicht nur über die VIPs beim CHIO, sondern auch über ein Pferd. "Totilas weiß, dass er etwas Besonderes ist", sagt Rath, "das erlebe ich jeden Tag, wenn ich mit ihm zusammen arbeite. Er besitzt nicht nur eine besondere Ausstrahlung, sondern er will auch immer alles geben." Er sei dankbar und glücklich, das erleben zu dürfen, es sei etwas ganz Besonderes.

Kaufpreis zehn Millionen Euro

Möglich wurde dieses Glück durch Paul Schockemöhle. Der Unternehmer aus Mühlen gab im Oktober 2010 den Kauf des Dressurpferdes bekannt. Zehn Millionen Euro soll der frühere Weltklasse-Springreiter für den in den Niederlanden gezogenen Vollblüter gezahlt haben. Nach dem Kauf ging Schockemöhle mit der vermögenden Ann Kathrin Linsenhoff eine Besitzergemeinschaft ein. Die Dressur-Olympiasiegerin von 1988 ist die Stiefmutter von Matthias Alexander Rath. "Wir teilen alle Gelder, die das Pferd einnimmt", sagt Linsenhoff. Im Winter ist der Hengst in Mühlen im Zuchteinsatz, während der Freiluftsaison steht Totilas in Kronberg im Taunus. Dort trainiert er mit dem 26 Jahre alten Rath. Während der Reiter mit seinem Vater Klaus-Martin und seiner Stiefmutter für den sportlichen Bereich zuständig ist, kümmert sich Unternehmer Schockemöhle um das Geschäftliche. 4000 Euro kostet eine Portion Sperma von Totilas, wird die Stute trächtig, werden weitere 4000 Euro fällig. Ein florierendes Geschäft.

Totilas ist längst eine Marke für allerhöchste Ansprüche und Qualität geworden. Solche Werte lassen sich nur allzu gut verkaufen. Das erkannte rasch auch Michael Mronz. Seine PR-Agentur ist für die Vermarktung des Wunderhengstes zuständig, dazu gehören eben auch die Modekollektion, Kaffeetasse und Powerband. Sprüche wie "My heart belongs to Totilas" oder "Just me and my Totilas" stehen auf einigen Artikeln - Emotionen pur. Und die Kampagne ist alles andere als ein Schnellschuss, der Höhepunkt ist erst für das kommende Jahr vorgesehen. "Unser Ziel sind die Olympischen Spiele in London", sagt Vermarkter Mronz, der in der englischen Metropole auf Gold hofft. Ebenso wie die deutsche Öffentlichkeit.

Der Hype um den schwarzen Superhengst stellt im Pferdesport alles in den Schatten. Auch jetzt in Aachen. Der elfjährige Vierbeiner sorgt für neue Dimensionen im Dressursport, er hält in allen drei Wettbewerben (Grand Prix, Grand Prix Spezial und Kür) jeweils die Punkteweltrekorde, noch nie waren die Tickets im Dressurstadion so rasch vergriffen.

Rath weiß natürlich, dass die Fachwelt ihn heute minutiös ins Visier nimmt. Zum ersten Mal, seit er Totilas reitet, tritt der Blondschopf gegen die gesamte Weltelite an - und muss zeigen, ob er dieses Wunderpferd schon beherrscht. Und ob sich die Investition seiner Eltern und von Mit-Besitzer Schockemöhle gelohnt hat. Von Rath wird auch nicht weniger erwartet, als dass er mit Totilas die deutsche Dressur, die in den vergangenen Jahren ihre weltweite Dominanz eingebüßt hat, wieder an die Spitze führt. Bei Olympia in London soll das historische achte Mannschaftsgold in Folge errungen werden. Bei den ersten drei Turnieren zeigte das Dressur-Duo, dass es gut zusammenpasst und harmonisiert. Luft nach oben ist freilich da. Aber Pferd und Reiter müssen erst zusammenwachsen, das braucht Zeit.

Schockemöhle hat Geduld

Rath selbst begegnet der enormen Aufmerksamkeit und dem Erfolgsdruck erstaunlich gelassen. "Wir müssen nicht jede Prüfung gewinnen, auch wenn das der eine oder andere erwartet", sagt der 26-Jährige und erklärt seine Entspanntheit mit dem guten Umfeld: "Sowohl meine Eltern als auch meine Geschwister und meine Freundin gehen so natürlich wie immer mit mir um. Auch Paul Schockemöhle baut keinen Druck auf." Und so hat sich die Entourage von Totilas eine Maxime zu Eigen gemacht. Rath: "Wir lassen uns nicht unter Druck setzen, sondern machen das alles zunächst nur für uns." Und heute für die Zuschauer beim CHIO in Aachen.