Srdjan Lakic

"Wolfsburg steht ein paar Stufen über Lautern"

Srdjan Lakic, Wolfsburgs neuer Stürmer, spricht im Interview mit Morgenpost Online über ein verhängnisvolles Foto, seinen Vorgänger Grafite und Erfolgshunger.

Foto: dpa/DPA

Srdjan Lakic löste einen Skandal aus. Der Stürmer des 1. FC Kaiserslautern ließ sich im Januar mit Dieter Hoeneß, dem damaligen Manager des VfL, und einem Wolfsburger Trikot ablichten. Das Foto wurde auf der Homepage der Niedersachsen veröffentlicht, Hoeneß hatte den 27-Jährigen für die neue Saison verpflichtet. In Kaiserslautern gingen die Fans auf die Barrikaden, FCK-Boss Stefan Kuntz tobte. Nun ist der Wechsel vollzogen – auch wenn Hoeneß beim VfL längst entlassen ist.

Morgenpost Online: Sie haben eine Tätowierung mit den Worten „Blut, Schweiß, Tränen“. Das liest sich wie ein Fazit des vergangenen halben Jahres.

Srdjan Lakic: Stimmt. Das halbe Jahr war sehr turbulent. Ich bin froh, dass alles vorbei ist und ich es überstanden habe. Ich denke, das hat mich nur noch stärker gemacht.

Morgenpost Online: Und alles wegen eines Fotos.

Lakic: Das war von mir so nicht geplant. Als das Foto veröffentlicht wurde, war plötzlich der Teufel los.

Morgenpost Online: Das hatte Ihnen Ihr zukünftiger Arbeitgeber eingebrockt…

Lakic: Ich war bestimmt nicht froh darüber, wie das abgelaufen ist. Ich hatte bis dahin viele Tore geschossen und viele Punkte gerettet. Darum war es so bitter, dass ich plötzlich beschimpft und bespuckt wurde von den eigenen Fans. Doch jetzt ist das zum Glück Vergangenheit, und ich bin froh, da unbeschadet wieder rausgekommen zu sein. Die Sache ist weiter gegangen, als es nötig gewesen wäre. Nach so viel Trubel musste ich mich erst mal wieder sammeln. Das habe ich geschafft. Letztendlich ist die Saison ja noch gut ausgegangen, wir wurden Siebter.

Morgenpost Online: Sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen?

Lakic: Es war auf jeden Fall keine einfache Situation. Weder für mich noch für den Verein. Es ist total schade, dass eine so tolle Saison so einen Beigeschmack hatte. Aber ich denke, es ist für alle Beteiligten abgehakt. Am Ende war alles wie ein Traum. Ich wurde gefeiert, hatte einen tollen Abschied.

Morgenpost Online: Ist der VfL der nächste Schritt auf der Karriereleiter?

Lakic: Auf jeden Fall. Wolfsburg steht ein paar Stufen über Kaiserslautern. Es war mein Ziel, das zu schaffen. Dafür bin ich bereit. Ich habe hier eine Herausforderung, bei der ich mich beweisen möchte.

Morgenpost Online: Eine Herausforderung, die nach dem Abgang von Stürmer Grafite nicht kleiner geworden ist. Nun sind Sie der Stürmer Nummer eins.

Lakic: Im Fußball gibt es immer von irgendwoher Druck. Ich weiß, welchen Stellenwert Grafite hier in Wolfsburg hat, aber ich habe keine Angst davor, seinen Platz einzunehmen, wenn der Trainer mich dort aufstellt.

Morgenpost Online: Aber Ihre Vorgänger, Grafite und Edin Dzeko, sind Legenden seit der Meisterschaft in Wolfsburg.

Lakic: Sie sind wirklich Legenden, haben viel erreicht und sind große Spieler. Ich muss aber meine eigene Zukunft schreiben…

Morgenpost Online: …und selbst zur Legende werden?

Lakic: (lacht) So weit möchte ich nicht in die Zukunft blicken. Ich will den nächsten Schritt in meiner Karriere machen und zeigen, was ich kann. Aber nicht mit großen Worten. Lieber mit großen Taten.

Morgenpost Online: Apropos Legende: Als Sie in der Winterpause in Wolfsburg zusagten, rechnete niemand damit, dass Ihr Trainer Felix Magath heißen würde.

Lakic: Stimmt. Er ist auch eine Legende, seine Erfolge sprechen für sich. Darum freue ich mich, dass ich die Möglichkeit habe, mich unter ihm weiterzuentwickeln.

Morgenpost Online: Wie waren denn die ersten Tage unter ihm? Muskelkater?

Lakic: Ach, die Leute reden immer viel, dass er ein so hartes Training macht. Ja, es ist hart. Aber ich habe schon immer hart trainiert. Magath hat viele Gaben, die einen Fußballspieler nach vorn bringen. Nicht nur sein hartes Training.

Morgenpost Online: Sondern?

Lakic: Was ihn so stark macht ist, dass er allein entscheidet und klar den Weg vorgibt, den er mit uns gehen will. Diese Unabhängigkeit hat sonst kaum jemand in der Bundesliga. Und Magath hat große Ambitionen, denkt in großen Maßstäben, in Titeln. Das gefällt mir.

Morgenpost Online: Sie wollen also auch Meister werden, wie der VfL im Jahr 2009?

Lakic: Jetzt zu sagen, dass wir Meister werden wollen, wäre nicht gut. Wir müssen fokussiert sein auf den nächsten Schritt, nicht auf das, was im Sommer 2012 sein könnte.

Morgenpost Online: Ihr größter Erfolg ist bislang der Aufstieg mit Kaiserslautern.

Lakic: Stimmt. Da ist noch ein bisschen Platz für mehr. Aber ich sehe das als Vorteil.

Morgenpost Online: Wieso?

Lakic: Weil mein Hunger nicht gestillt ist. Ich will unbedingt etwas Großes erreichen. In Kaiserslautern habe ich schon gespürt, was ich schaffen kann, wenn ich etwas unbedingt will. Ich bin bereit. Ich fühle, dass meine Zeit gekommen ist.