Fussball-Bundesliga

Mehmet Ekici ist Werders neuer Özil – nur besser

Micoud, Diego, Özil: Bei Werder muss Spielmacher Mehmet Ekici in große Fußstapfen treten. Potenzial und Siegermentalität bringt der Deutsch-Türke mit.

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Die Enttäuschung war Werder Bremens neuem Spielgestalter anzusehen, und das war ein gutes Zeichen. Mehmet Ekici lief mit grimmiger Miene vom Platz, nachdem sein Klub gegen den dänischen Erstligisten FC Midtjylland 4:5 verloren hatte. Auch in Testspielen kann der 21-Jährige nicht verlieren, und genau wegen dieser Mentalität haben ihn die Bremer verpflichtet. Und natürlich wegen seiner Gabe, mit klugen Pässen die Abwehr des Gegners zu überrumpeln.

Schon beim 1. FC Nürnberg hat Ekici in der vergangenen Saison seine Klasse bewiesen – er war FC Bayern München an den Bundesliga-Rivalen ausgeliehen worden. Neun Tore legte er in 32 Spielen auf, traf dreimal selbst. Nun verzückt er Werder-Trainer Thomas Schaaf. Der lässt gern Kurzpassspiel auf engem Raum üben, und dort übertraf Ekici in den ersten Einheiten seine Mittelfeldkollegen Marko Marin, Tim Borowski und den Brasilianer Wesley mit seiner Ballbehandlung. "Ich fühle mich sehr gut und bin 100-prozentig fit. Es macht mir unheimlich Spaß, und alle arbeiten mit Freude am Spiel. Ich freue mich auf die Saison", sagte Ekici Morgenpost Online.

Diesen Optimismus sollte sich der Spielgestalter bewahren, denn schon jetzt lasten große Erwartungen auf dem türkischen Nationalspieler, der fünf Millionen Euro Ablöse gekostet hat und damit bislang Werders teuerster Zugang dieses Sommers ist. Mittelfeldstrategen haben in Bremen Tradition, und Ekici soll in die großen Fußstapfen der Johan Micoud, Diego oder Mesut Özil treten, die in den vergangenen neun Jahren die Kreativzone der Norddeutschen prägten. Nur in der vergangenen Saison besaß Werder dort keine ausreichende Qualität – und geriet prompt in Abstiegsgefahr. Am Ende stand ein unbefriedigender 13. Tabellenplatz.

Ekici soll dieses Manko jetzt beheben. Die neuen Mitspieler erwarten Großes von ihm. Aaron Hunt sagte, "dass uns ein Spieler wie Mehmet in der vorigen Saison fehlte" und er hoffe, "mit ihm so gut zusammen zu spielen, wie mit Özil". Torwart Tim Wiese prophezeit Ekici "eine große Karriere, er wird uns begeistern", und Innenverteidiger Andreas Wolf bescheinigt dem in München geborenen Türken gar "eine tolle Persönlichkeit": "Wenn sich Ekici fußballerisch noch weiter entwickelt, kann er ein ganz Großer werden."

Der Deutsch-Türke Ekici soll also den Deutsch-Türken Mesut Özil ersetzen. Der Wechsel des deutschen Nationalspielers zu Real Madrid im Sommer 2010 hatte im Mittelfeld der Hanseaten eine Lücke hinterlassen, die nicht geschlossen werden konnte. Manager Klaus Allofs sieht bei Ekici sogar noch größeres Potenzial als bei Bremens ehemaligem Spielgestalter: "Mehmet ist bei seinem Dienstantritt weiter als Mesut Özil damals." Und Trainer Schaaf ergänzt: "Mehmet verkörpert das, was uns in der Vergangenheit stark machte. Er besitzt so viel Selbstvertrauen und Sicherheit, dass er unser Spiel verbessern kann."

Wie geht Ekici mit den hohen Erwartungen um? "Ich bin optimistisch, denn ich weiß, was ich kann. Ich habe Qualitäten und glaube an meine Fähigkeiten", sagt er. Diese Mischung aus Selbstvertrauen und Gelassenheit, zeigte er im Trainingslager auf Norderney auch neben dem Platz. Geduldig schrieb Ekici nach kräftezehrenden Übungseinheiten Autogramme und ließ sich mit Fans fotografieren. Sein Zimmer teilte der Nationalkicker auf der Nordseeinsel jedoch nicht mit seinem alten Mannschaftskollegen Wolf, sondern mit dem schwedischen Stürmer Markus Rosenberg.

"Es ist wichtig, dass wir als Mannschaft menschlich zueinander passen", sagt Ekici. Der ehemalige deutsche U21-Nationalspieler, der sowohl die deutsche als auch türkische Staatsangehörigkeit besitzt, verließ vor einem Jahr den Deutschen Fußball-Bund und spielt seither für die Türkei. Dort kam er unter Trainer Guus Hiddink bislang auf vier Länderspiele. "Wir verlieren ein großes Talent", befand DFB-Coach Rainer Adrion. "Ich fühle mich als Türke", entgegnet Ekici.

Werder hofft, dass Ekici das bajuwarische Siegergen mit an die Weser bringt. Seit 1997 durchlief der Spielgestalter alle Leistungszentren des Rekordmeisters. Verinnerlicht hat Ekici die Gewinnermentalität offenbar schon, denn im Tabellenmittelmaß möchte er mit Bremen nicht spielen: "Ich will mit Werder Titel gewinnen und zurück in den Europacup." In München hätte er dies als Stammspieler wohl nicht erreicht, wie er betont: "Die Wertschätzung für einen jungen Spieler ist dort nicht so groß wie für gekaufte Stars. Das ist nicht gut für meine Entwicklung, darum ging ich."

Auch deshalb riet ausgerechnet Bayern-Idol Mehmet Scholl, unter dem Ekici in der Dritten Liga kickte, seinem ehemaligen Schützling zum Wechsel. "Bremen passt perfekt zu Mehmet, weil Schaaf und Allofs mit Weitsicht arbeiten", erklärte Scholl, "Ekici besitzt eine einzigartige spielerische Qualität und ist torgefährlicher als Özil."