München 2018

Dollars als wichtigstes Kriterium der Olympia-Vergabe

Münchens Bewerbung um die Winterspiele 2018 wird von deutscher Politprominenz unterstützt. Doch die IOC-Mitglieder interessiert immer noch vor allem eins: Geld.

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Gottlieb Moritz Saphir, der spitzzüngige österreichische Schriftsteller, hat einmal einen hübschen Vierzeiler über das Wesen des Im-Trüben-Fischens verfasst: „Spekulieren? Ach, mein Lieber / Das ist Krankheit, schwarz auf weiß / Das verursacht Wechselfieber / Und der dritte Tag bringt Schweiß“.

In drei Tagen nun bestimmt das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf seiner Session in Durban endlich jene Stadt, die die olympischen Winterspiele 2018 ausrichten darf. Zur Wahl stellen sich Annecy in Frankreich, Pyeongchang in Südkorea und München – wobei als ausgemacht gilt, dass die Franzosen chancenlos sind und allenfalls für bedrohliche Stimmverschiebungen unter den 110 IOC-Mitgliedern sorgen könnten. Im ungünstigen Falle geht das zu Lasten der Münchner Bewerbung , über die Insider sich einig sind, sie sei nach zuletzt erfolglosen, arg mängelbehafteten deutschen Bewerbungen (Berlin 2000, Leipzig 2012) die aussichtsreichste.

Von der Bundesregierung wird das Projekt München 2018 protegiert, von der bayerischen Landesregierung – allein wegen der Aussicht auf umfangreiche Infrastrukturinvestitionen im Freistaat – sowieso. Zur Delegation, die in Durban für ein bayerisches „Festival of Friendship“ trommelt, gehören unter anderem Bundespräsident Christian Wulff und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich.

Ob die deutsche Politprominenz die IOC-Granden – die selbst wie Staatsmänner hofiert werden, wo immer sie mit ihrem Dukatenesel Olympia aufkreuzen – nachhaltig beeindrucken werden, sei dahingestellt. Im oftmals irrationalen Prozess der Entscheidungsfindung zählt schließlich nach wie vor eine altmodische Währung viel: Dollars. 440 Millionen davon versprechen die Südkoreaner von 2012 bis 2018 in ihr „Träum den Traum“-Programm zur Förderung von Wintersportlern im Land zu investieren. Und wenn Yang Ho Cho, Pyeongchangs Bewerbungschef, daran erinnert, dass „unsere Bewerbung auf dem Wunsch basiert, der olympischen Bewegung dabei zu helfen, in neue Regionen der Welt mit neuem Publikum zu expandieren“, dann ist die Botschaft zwischen den Zeilen deutlich zu erkennen: Pyeongchang verspricht Einnahmechancen.

Auf der anderen Seite kostet die dritte Bewerbung des asiatischen Wintersportorts in Folge nach 2010 und 2014 aber auch etwas: Überwindung. Lassen sich die Herren der Ringe wirklich auf das Abenteuer Asien ein? Oder liegt ihnen viel an vollen Stadien, Tradition, Atmosphäre? Am Mittwochnachmittag haben alle Spekulationen ein Ende. Dann verkündet IOC-Präsident Jacques Rogge den Ausrichter der Spiele 2018.