Olympia-Reaktionen

Vesper – "Eine sehr enttäuschende Niederlage"

Enttäuschung bei der deutschen Delegation. "Entscheidend war offenbar, dass Pyeongchang bereits zum dritten Mal angetreten ist", sagte DOSB-Generaldirektor Vesper.

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Michael Vesper (Generaldirektor DOSB): „Eine sehr enttäuschende Niederlage. Entscheidend war offenbar, dass Pyeongchang bereits zum dritten Mal angetreten ist. Ob wir uns noch einmal bewerben, werden wir in aller Ruhe entscheiden.“

Thomas Bach (IOC-Vizepräsident, DOSB-Präsident): „Der Sport hat wieder gezeigt: Siege sind nicht alles. Aber Niederlagen sind auch nicht das Ende von allem. Wir müssen nun in Ruhe überlegen, ob es sinnvoll ist, sich noch einmal zu bewerben. Dazu wird es kommende Woche die ersten Gespräche geben, aber eine erste Entscheidung ist dort nicht zu erwarten.“

Christian Wulff (Bundespräsident): „Wir gratulieren Pyeongchang. Wir wussten, dass es sehr schwer werden würde. München und Deutschland haben sich im Wettbewerb als sympathisch, offen und sportbegeistert dargestellt. Ich danke allen, die sich mit so viel Enthusiasmus für die Bewerbung eingesetzt haben.“

Horst Seehofer (CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern): „Es ist furchtbar schade. Die Enttäuschung ist sehr groß, weil es in dieser Dimension nicht zu erwarten war. Jetzt sollte man noch nicht über eine neue Bewerbung diskutieren. Man sollte das in Ruhe überlegen. Wenn die Enttäuschung verarbeitet ist, werden wir wieder nach vorne schauen. Meine persönliche Vermutung ist, dass die zweifach gescheiterte Bewerbung maßgebend war.“

Christian Ude (Oberbürgermeister von München): „Ich gratuliere Pyeongchang und wünsche viel Erfolg bei der Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018. Natürlich bin ich traurig, dass die Entscheidung nun nicht zu unseren Gunsten ausgefallen ist. Ich bin aber überzeugt, dass wir eine starke Bewerbung abgegeben haben, für die uns das IOC in seinem Evaluierungsbericht ja auch ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt hatte.“

Katarina Witt: „Klar, dass man jetzt sehr enttäuscht ist, vor allem nach unserer Präsentation, zu der uns viele IOC-Mitglieder gratuliert haben. Aber wahrscheinlich ist die Entscheidung ja wirklich schon vorher gefallen und wir haben es einfach nicht mehr rumreißen können. Im Moment fehlen mir einfach ein bisschen die Worte.“

Axel Doering (Mitinitiator des Garmischer Bürgerbegehrens gegen Olympia): „Der Kelch ist an uns vorübergegangen. Ich bin froh, dass die Entscheidung so gefallen ist. Garmisch-Partenkirchen hat in Wirklichkeit gewonnen. Ich gratuliere Pyeongchang. Dieser Sieg ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Nun ist Pyeongchang in den Fängen des IOC.“

Theo Zwanziger (DFB-Präsident): „Schade, dass es wieder nicht geklappt hat. Natürlich weiß ich nicht, was schlussendlich den Ausschlag gegen München gegeben hat, aber ich hätte mich sehr für die Stadt, die Region und auch meinen Freund Thomas Bach gefreut. Ich hoffe, dass sich die Olympische Bewegung in Deutschland nach der ersten Enttäuschung schnell wieder zusammenrauft und schon bald einen neuen Bewerbungsanlauf startet. Denn eines ist für mich trotz der heutigen Entscheidung klar: Das Sportland Deutschland, das in jüngerer Vergangenheit viele begeisternde Weltmeisterschaften ausgerichtet hat, ist auch bereit für Olympische Spiele.“

Steffi Jones (Präsidentin des Organisationskomitees der Frauen-WM 2011): „Ich hätte es besonders Kati Witt so sehr gegönnt, weil ich weiß, wie sehr sie sich auch persönlich für das große Ziel, die Olympischen Spiele nach Deutschland zu holen, engagiert hat. Die Wintersportler hätten die große Bühne einer globalen Sportveranstaltung wirklich verdient gehabt.“

Wolfgang Niersbach (DFB-Generalsekretär): „Leider gewinnt nicht immer die beste Kandidatur. Ohne ein Insider für die Abläufe im IOC zu sein, so glaube ich doch zu wissen, dass eben die sportpolitischen Strömungen immer eine große Rolle spielen. Wir haben die Bewerbung Münchens mit großer Sympathie verfolgt und waren mit dem DOSB der Überzeugung, dass Deutschland auch für Olympia ein glänzender Gastgeber gewesen wäre. Trotzdem haben alle, Kati Witt an der Spitze, einen Riesenjob gemacht.“

Felix Neureuther (alpiner Skirennläufer): „Es ist schade, dass der Eindruck entstanden ist, dass Pyeongchang die Spiele bekommen hat, weil es sich zum dritten Mal beworben hat. Das kann nicht sein. Ich bin da ein Weltcup-Rennen gefahren, da waren mehr Rennfahrer als Zuschauer. Das Wichtigste ist jetzt, wieder aufzustehen und den nächsten Schritt Richtung 2022 machen.“

Walther Tröger (IOC-Ehrenmitglied): „Der Mitleidsfaktor spielte sicher eine Rolle. Das Ergebnis zeigt, dass wir von vornherein keine Chance hatten. Der Erfolg Pyeongchangs war offenbar langfristig fixiert, und es war nichts mehr zu bewegen.“

Bernhard Schwank (Münchner Bewerbungs-Chef): „Ich bin enttäuscht, aber ich bin stolz auf das, was wir geleistet haben. Wir hatten eine brillante Bewerbung. Unsere starke Präsentation hat vermutlich null Ausschlag gegeben.“

Claudia Bokel (IOC-Mitglied): „Ich bin sehr enttäuscht. Wir haben getan, was wir konnten.“ dpa

Clemens Prokop (Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes): „Ich habe das ein bisschen befürchtet, weil Samsung (koreanischer Elektronikkonzern; Anm.) doch sehr stark vor allem in Sommersportarten als Unterstützer auftritt. Schade für München, es wären fantastische Olympische Spiele geworden.“

Andrea Schöpp (zweimalige Curling-Weltmeisterin): „Es werden sicherlich auch dort schöne Spiele. Vielleicht klappt es dann ja vier Jahre später. Wir müssen uns auch als faire Verlierer zeigen.“

Heide Rosendahl (Weitsprung-Olympiasiegerin von 1972): „Ich kann mich nicht mit den Südkoreanern freuen. Vielleicht ist es ein Zeichen der Zeit, dass man die Tradition ablegt und lieber Neuland betritt. Das Konzept von München war sehr gut. Es wurde viel Aufwand betrieben, mit Auf und Abs. Dennoch denke ich, dass man dies alles nutzen sollte und eine weitere Bewerbung versuchen sollte.“

Ludwig Spaenle (bayerischer Kultusminister): „Schade, aber das olympische Motto heißt: Dabei sein ist alles. Wenn alles vernünftig organisiert wird, dann werden wir uns wieder bewerben. Bei einer erneuten Bewerbung werden wir unsere Trümpfe ausspielen.“

Roland Baar (Ex-IOC-Mitglied, mehrfacher Rudel-Weltmeister): „Ins Rennen zu gehen, obwohl alle sagten, dass die Spiele nach Südkorea gehen, fand ich sehr mutig. Ich finde, Korea hat es verdient. Man soll jetzt nicht lange schimpfen und nach vorne schauen. Deutschland ist jetzt verdammt noch einmal dran. Natürlich sind wir enttäuscht, aber es gilt jetzt, die Schwachpunkte der Münchner Bewerbung zu erkennen. Und das war das Thema Zustimmung. Es darf bei einer solch wichtigen Sache keine Stimmen dagegen geben. Da muss das ganze Land dahinter stehen.“

Michael Ilgner (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe): „Sicher ist die Enttäuschung jetzt groß und ob des großartigen Einsatzes und der vielen Argumente für München verständlich. Der deutsche Sport stand wie eine Eins geschlossen hinter der Bewerbung, das ist ein großer Erfolg. Es gilt, den Schwung und die Begeisterung für den olympischen Sport mitzunehmen, der durch die Münchener Bewerbung entstanden ist.“