"Auszeit"

Schaumspray-Pilottest bei der "Copa América"

Damit auch alles seine Richtigkeit hat, sprühen die Schiedsrichter beim südamerikanischen Kontinentalwettbewerb vor Freistößen Markierungen auf den Rasen.

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Im Mai 1987 sah sich die Fußball-Bundesliga einem ungewöhnlichen Akt von Vandalismus ausgesetzt. Unbekannte waren in das Stadion von Borussia Dortmund eingedrungen und hatten mit weißer Lackfarbe den Rasen bemalt. „Boykottiert und sabotiert die Volkszählung“, stand dort in riesigen Lettern, und weil ein Heimspiel gegen den Hamburger SV anstand, brach Hektik aus.

Zu entfernen war die Schrift nicht mehr, ohne das Grün irreparabel zu schädigen. Irgendjemand hatte dann die fixe Idee, den Spieß umzudrehen und einfach drei Worte zu ergänzen. „Der Bundespräsident: Boykottiert und sabotiert die Volkszählung nicht“, war abends beim Spiel zu lesen

Eine Linie für die Abwehrspieler

In diesem Jahr gab es wieder eine Volkszählung, doch öffentliche Aufschreie blieben aus – das Thema hat offenbar an Reiz verloren. Und doch wird auch jetzt wieder auf Fußballplätze gesprüht. Das hat allerdings nichts mit statistischer Datenerhebung zu tun, nicht einmal etwas mit Deutschland. Bei der „Copa America“, dem Kontinentalturnier Südamerikas, werden die Schiedsrichter zu Sprayern.

Bei jedem Freistoß in Strafraumnähe holen die Unparteiischen eine Dose aus der Hosentasche und markieren den Tatort mit weißem Schaum. Dann werden jene 9,15 Meter abgeschritten, die zwischen Ball und Mauer liegen müssen. Dort wird eine Linie für die Abwehrspieler aufgetragen, die sie nicht überschreiten dürfen.

Eugen Strigel vom Schiedsrichter-Ausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hält das Ganze für Schaumschlägerei: „Das finde ich übertrieben. Der Schiedsrichter sollte dank seiner Persönlichkeit in der Lage sein, dass die Spieler die Regeln ohne Hilfsmittel einhalten.“ Nach wenigen Minuten lösen sich die gesprayten Schaummarkierungen übrigens in Luft auf. Ein ähnliches Schicksal dürfte der gesamten Idee blühen.