Aus im Viertelfinale

Titeltraum der DFB-Frauen platzt gegen Japan

Das Sommermärchen 2011 bleibt ohne Happy End. Die deutschen Fußballerinnen sind raus - ausgeschieden im Viertelfinale der Heim-WM . Der zweimalige Weltmeister unterlag in Wolfsburg mit 0:1 nach Verlängerung gegen Japan und schied erstmals seit 1999 wieder in der Runde der besten Acht aus.

Es sollte ein neues, ein echtes Sommermärchen werden. Die deutschen Fußball-Nationalspielerinnen wollten es bei der Heim-Weltmeisterschaft besser machen als die Männer vor fünf Jahren. Doch anders als ihre Kollegen schaffte es die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid nicht einmal in die Vorschlussrunde. Im Viertelfinale verlor sie 0:1 nach Verlängerung gegen Japan. Ein Tor der eingewechselten Karina Maruyama in der 108. Minute zerstörte den Traum vom Heimsieg.

Japan trifft nun am Mittwoch im Halbfinale in Frankfurt (20.45 Uhr, ZDF) auf den Sieger der Partie Schweden gegen Australien. Beide Teams treffen heute (13 Uhr, ARD) in Augsburg aufeinander. Wie Begegnung gestern in Wolfsburg gibt es auch für dieses Spiel keine Karten mehr. Die deutschen Fans hatten wohl auf einen Auftritt der eigenen Mannschaft gerechnet.

Das Spiel begann schon unheilvoll. Mittelfeldspielerin Kim Kulig musste frühzeitig verletzt ausgewechselt werden. Die ersten Anzeichen deuten drauf hin, dass es eine schwere Knieverletzung sein könnte. Bundestrainerin Silvia Neid hatte im Vergleich zum vergangenen Gruppenspiel gegen Frankreich (4:2) drei Mal gewechselt. Für Lira Bajramaj spielte die wieder genesene Melanie Behringer links im Mittelfeld. Die später so unglückselige Kulig ersetzte Lena Goeßling, und Linda Bresonik kam für Bianca Schmidt. Die deutsche Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz saß wie Bajramaj 120 Minuten auf der Ersatzbank. Bei den Japanerinnen standen dagegen die Bundesliga-Legionärinnen Yuki Nagasato (Turbine Potsdam) und Kozue Ando (FCR Duisburg) in der Startelf.

Vor dem Spiel war viel über entscheidende Zentimeter gesprochen worden. Die deutschen Spielerinnen messen im Schnitt 1,73 Meter, ihre japanischen Widersacherinnen kommen im Schnitt nur auf 1,63 Meter. Nur zwei Spielerinnen der Asiatinnen sind über 1,70 Meter groß, im deutschen Team gibt es nur zwei, die kleiner als 1,70 Meter sind (Grings und Müller). Japans Nationaltrainer Norio Sasaki hatte sich dennoch in Galgenhumor geflüchtet. Für die Vorbereitung auf die Partie gegen die deutschen Riesen hatte er seiner Mannschaft ans Herz gelegt, „mehr zu essen, damit sie noch wachsen“. Auch seine Theorie, die deutsche Mannschaft stünde allein deswegen unter enormen Druck, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel im Mannschaftshotel am vergangenen Mittwoch zur Stippvisite vorbeigekommen war, sorgte für die heiteren Momente vor dem Spiel.

„Es kommt nicht auf zehn Zentimeter an“, hatte Bundestrainerin Silvia Neid dagegen gehalten. Und ihre Assistentin Ulrike Ballweg meinte beobachtet zu haben, „dass sie ja nicht unter 1,50 Meter auf der Erde herumkriechen, sondern dass sie auch in der Luft spielen können“. Die Folge daraus: Die deutsche Mittelfeldspielerin Kim Kulig gewann in der dritten Spielminute zwar ein Kopfballduell im gegnerischen Strafraum, das beinahe die Führung eingebracht hätte. Allerdings verletzte sich die Neu-Frankfurterin dabei so unglücklich im Knie, dass sie ausgewechselt werden musste. Kulig saß anschließend weinend auf der Bank. Vielleicht hatte sie eine Ahnung, dass ihr das Aus in diesem Turnier drohte. In der Halbzeitpause humpelte sie mit schmerzverzerrten und dick bandagiertem Knie in die Kabine. Für sie war Bianca Schmidt ins Spiel gekommen.

Die deutsche Mannschaft tat sich schwer, ihre optische Überlegenheit auf dem Platz effektiv nutzen zu können. Nur 43 Prozent Ballbesitz hatte das Team, und aussichtsreiche Tormöglichkeiten von Kerstin Garefrekes und Celia Okoyino da Mbabi verpufften, obwohl beide allein vor Japans Torhüterin Ayumi Kaihori aufgetaucht waren. Es gelang nicht, schnell von der Abwehr auf Angriff umzuschalten. Zudem waren die Zuspiele in die Spitze zu ungenau. Es fehlte an Durchschlagskraft und Präzision gegen alles in allen harmlose Japanerinnen. Die Asiatinnen verteidigten ohne allzu große Mühe das 0:0.

Das deutsche Team erhöhte nach der Pause zunächst den Druck. Simone Laudehrs Kopfball konnte Yukari Kinga auf der Linie klären (56.). Doch das blieb nur eine kurze Drangphase. Dem deutschen Spiel fehlte es an Überzeugung und an einem Konzept gegen die fleißigen und wuseligen Japanerinnen.

Auch in der Verlängerung rannten die Deutschen unkoordinieert an gegen die gut gestaffelte japanische Defensive. Dann wurden sie eiskalt überrascht: In der 108. Minute passte Kapitänin Homare Sawa zu Karina Maruyama, die rechts durchstartete und aus spitzem Winkel Torfrau Nadine Angerer überwand. Es war der Treffer, der Deutschland aus dem Turnier katapultierte und den Traum vom Sommermärchen frühzeitig und tränenreich beendete.