Tour de France

Etappensieg für Costa – Hushovd verteidigt Gelb

Erster erfolgreicher Ausreißversuch bei der diesjährigen Tour de France: Der Portugiese Rui Costa rettete am Ende einen Vorsprung von zwölf Sekunden ins Ziel.

Während Ausreißer Rui Costa den Etappensieg in Super-Besse mit bewegenden Worten seinem toten Freund Xavier Tondo widmete, unterdrückte Cadel Evans seinen Ärger.

Denn der Australier zementierte sein Ruf als „ewiger Zweiter“ bei der ersten Bergankunft der 98. Tour de France einmal mehr: Auch nach der 8. Etappe liegt Evans die Winzigkeit von einer Sekunde hinter dem Norweger Thor Hushovd, der im strömenden Regen des Zentralmassivs sein Gelbes Trikot in einem aufopfernden Kampf und zur Überraschung der Experten verteidigte.

„Ich bin ans Limit gegangen und hätte nie gedacht, dass ich das Trikot noch einmal verteidigen könnte. Ich habe in Südfrankreich ein spezielles Bergtraining absolviert, das hat sich gelohnt“, sagte der eigentlich als Sprinter ausgebildete Hushovd.

Evans, der hinter Philippe Gilbert Dritter der Etappe wurde, konnte den Norweger an der sieben Kilometer langen Schlusssteigung nicht abhängen und tröstete sich: „Ich hatte das Trikot schon einmal, und bis Paris ist es noch ein weiter Weg.“

Movistar-Profi Costa aus Portugal war einer von neun Fahrern, die sich bereits sechs Kilometer nach dem Start in Aigurande abgesetzt hatten, das Ziel an der Skistation Super-Besse erreichte er als Solist vor den von Gilbert angeführten Favoriten des Gesamtklassements.


„Dieser Sieg ist für Xavier. Ich hoffe, dass das uns allen hilft, seinen Tod zu verarbeiten“, sagte der ergriffene Costa. Tondo war Mitte Mai ums Leben gekommen, als er beim Öffnen seines Garagentors von seinem eigenen Auto erdrückt worden war. Der Spanier sollte die Mannschaft eigentlich als Kapitän zur Tour de France führen.

Hinter Hushovd und Evans liegt der Luxemburger Frank Schleck mit einem Rückstand von vier Sekunden auf Platz drei des Gesamtklassements. Andreas Klöden ist als bester Deutscher schon Vierter und hat einen Rückstand von zehn Sekunden auf Hushovd. Weitere drei Sekunden zurück liegt Tony Martin auf Rang sieben.

Schumacher-Drama in Super-Besse 2008

Vor drei Jahren hatte der bisher letzte Deutsche in Gelb, der Schwabe Stefan Schumacher, das begehrte Trikot auf der Etappe in das 1275 Meter hoch gelegene Super-Besse verloren. Der später des Dopings überführte Nürtinger hatte wenige Hundert Meter vor dem Ziel das Hinterrad von Kim Kirchen touchiert, war gestürzt und musste Gelb ausgerechnet an den Luxemburger abgeben.

Drei Jahre danach wurde das Rennen von neun Ausreißern bestimmt. Die Gruppe, in der sich unter anderem Tony Martins Teamkollege Tejay van Garderen befand, fuhr einen maximalen Vorsprung von 5:45 Minuten heraus. Am Col de la Croix Saint-Robert, dem vorletzten und zugleich schwersten Berg des Tages, zerfiel die Spitzengruppe.

An der Steigung attackierte auch Alexander Winokurow mit einem mächtigen Antritt. Lange sah es danach aus, als würde der Kasache erstmals in seiner Karriere das Gelbe Trikot überstreifen, ehe ihn auf dem letzten Kilometer die Kräfte verließen. „Ich war einfach am Ende, aber ich werde es wieder versuchen. Ich will einen Etappensieg“, kündigte Winokurow an.

Klöden neuer Chef bei RadioShack

Am Samstag übernahm Andreas Klöden unterdessen endgültig die Kapitänsrolle im Team RadioShack. Christopher Horner schied als zweiter von insgesamt vier Tour-Anführern nach seinem Sturz auf der Vortagsetappe aus. Bereits am Mittwoch war Janez Brajkovic vom Rad gestiegen, zudem hatte der potenzielle Kapitän Levi Leipheimer auf den vergangenen beiden Etappen jeweils viel Zeit verloren.

Horner erlitt einen Nasenbeinbruch und eine Wadenverletzung. Nach Angaben von Teamsprecher Philippe Maertens wird der 39-Jährige das Wochenende über zur Beobachtung im Krankenhaus von Chateauroux bleiben.

Am Sonntag steht für die verbleibenden Fahrer die nächste Bergprüfung an. Auf den 208 Kilometern von Issoire nach Saint-Flour müssen insgesamt acht Bergwertungen bewältigt werden.