Kolumne "WM-Fieber"

"Frauen gegen Männer – Das wäre eine echte Gaudi!"

Von einem Spiel Frauen gegen männlichen Nachwuchs verspricht sich Heiner Lauterbach viel. Als würden die Klitschko-Brüder endlich gegeneinander antreten.

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Am Mittwochabend hatte die Weltmeisterschaft ihre erste Überraschung erlebt. Die Schwedinnen triumphierten da im schönen Wolfsburg über die Olympiasiegerinnen aus den Vereinigten Staaten. Und das in einer Art, die Otto Rehhagel gefallen haben dürfte: Aus einer stabilen Abwehr heraus haben sie diszipliniert ihr Spiel aufgebaut. Der nicht alternde Halbgrieche spricht ja auch gerne von der kontrollierten Offensive – und gnadenlose Effizienz, zwei Tore aus zwei Torschüssen etwa, liebt er sowieso.

Die schwedischen Frauen aus dem Norden haben also ein bisschen so gespielt wie die griechischen Männer aus dem Süden. Wer hätte das gedacht!? Andererseits darf und soll ich so was doch nicht sagen. Nicht immer die Geschlechter vergleichen. Weil die Frauen doch ganz anders spielen als die Männer. Ich weiß ja. Seit zwei Wochen höre ich diese Ermahnungen überall. Und trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei.

Besondere Züge nahm die ständige Gegenüberstellung im Geiste an, als mir beim Spiel der deutschen Damen gegen die Französinnen – ich muss es hier gestehen – zwischendurch ein bisschen langweilig wurde. Nur ganz kurz, denn an sich war bei dem 4:2 doch eine Menge los.

Dennoch begann ich während des Spiels wieder, den Männer- mit dem Frauenfußball zu vergleichen. Ich wägte die verrücktesten Dinge gegeneinander ab. Hätten Sie gewusst, in welcher Nationalmannschaft es mehr Haarbändchenträger oder eben – was für ein Wort – Haarbändchenträgerinnen gibt?

Jedenfalls kam mir bei diesen ganzen Vergleichen eine Idee: Warum lassen wir die Geschlechter nicht mal gegeneinander spielen?

Wenn es nach der holländischen Spielerfrau Sylvie van der Vaart ginge, dürfte das eh eine klare Sache werden – für die Frauen! Denn die spielen in ihren Augen den besseren Fußball.

Ich sehe das, ehrlich gesagt, nicht ganz so. Deshalb würde ich auch vorschlagen, den Vorteil, der durch die physische Überlegenheit der Männer ungerechterweise entsteht, irgendwie auszugleichen. Man könnte die Anzahl der männlichen Spieler verringern.

Immer einen weiteren Spieler wegnehmen, bis es irgendwann ausgeglichen erscheint. Oder man lässt die Damen gegen jüngere Spieler antreten.

Eingefleischte Fußball-Machos behaupten ja, dass voll ausgewachsene weibliche Kickerinnen schon gegen Zwölfjährige keine Chance mehr hätten. Das würde ich liebend gerne auf einen Versuch ankommen lassen: Die Frauen-Fußball-Nationalmannschaft gegen die U15 – das wäre doch eine echte Gaudi! Ein Spektakel wie im alten Rom! Als würden die Klitschko-Brüder endlich gegeneinander antreten.

Doch wahrscheinlich wird bei diesem Vorschlag der Deutsche Fußball-Bund sein versnobtes Näslein rümpfen. Politisch zu unkorrekt. Klingt nach reinem Vergnügen und ist daher abzulehnen. Oder würden die Funktionäre ablehnen, weil es den von ihnen klein geredeten Unterschied nicht nur darlegen, sondern auch bezeichnen würde?

Wie auch immer – ich fänd’s lustig. Aber ich hatte ja schon immer einen Hang zum politisch Unkorrekten. In diesem Sinne, machen Sie’s gut,

Ihr Heiner Lauterbach

Übrigens: Wenn die Männer mit Khedira, Özil, Gomez, Götze und Großkreutz spielen, liegen sie bei den Haarbändchen vorne.

Der Schauspieler Heiner Lauterbach, 58, schreibt während der WM für „Morgenpost Online“