Kolumne "WM-Fieber"

Heiner Lauterbach will mehr Frauen am Mikro

Beim Betrachten der WM-Spiele fällt unserem Kolumnisten Heiner Lauterbach auf, dass es nur eine Kommentatorin gibt. Viel zu wenig, findet er.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Was für eine Fußballwoche. Ganz Deutschland ist wieder im „Schlandfieber“. Wirklich ganz Deutschland? Nein. Mario Basler , der allerletzte Fußballmacho, ist nach wie vor bemüht, am Frauenfußball kein gutes Haar zu lassen. Er hätte an dieser Stelle vermutlich so begonnen: Bei den Kanadierinnen hat mir die Filigno am besten gefallen. Schade nur, dass sie so einen schlechten Tag hatte. Schäm Dich, Mario!

Trotz Mario dürfte es der Frauenfußball in Deutschland endgültig geschafft haben. Jeweils über 15 Millionen Bundesbürger (und -bürgerinnen) vor den TV-Geräten sprechen eine deutliche Sprache, erst recht, wenn man bedenkt, dass zur ersten Frauen-WM sechs deutsche Schlachtenbummler mitgereist sind. Muss ich hier auch Schlachtenbummler und -bummlerinnen sagen? Sie sehen, ich bin um political correctness bemüht. Wobei das wirklich nicht immer leicht ist. Unsere Fernsehkommentatoren haben da auch ihre Schwierigkeiten.

Schmunzeln musste ich, als ich den Sprecher des Kanada-Spiels brüllen hörte, „das ist ihre Distanz“, als die Spielerin vielleicht acht Meter vor dem Tor stand. Aber solche Sachen können passieren. Deutlich politically uncorrect hingegen war die Aussage „jetzt mimt sie den Gomez“, als Frau Garefrekes aus vier Metern das leere Tor nicht traf . Ich weiß gar nicht, für wen das unschöner war, für Garefrekes oder für Gomez?

Apropos unschön: Das Spiel der Nigerianerinnen war an Härte wohl nicht zu überbieten. Leider waren die koreanischen Schiedsrichterinnen völlig überfordert. Die Damen aus dem Mutterland der Selbstverteidigung wären eher für die Leitung einer Karate-Vollkontakt-Veranstaltung geeignet gewesen.

Aber zurück zu den Kommentatoren. Es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis sich der Frauenfußball auch im Sprachgebrauch verselbstständigt. In diesem Zusammenhang kann man richtig froh sein, dass keine Mannschaft mehr mit Libero spielt – von denen von Otto Rehhagel trainierten einmal abgesehen. Wie müsste man diese Dame dann rufen: Libera? Oder Liberette? Selbst sprachlich feinfühlige Menschen wie ich hätten hier ein Problem. Geben wir den Kommentatoren also noch etwas Zeit.

Wo ich gerade von Männlein und Weiblein spreche – warum gibt es nur so wenige Fußballkommentatorinnen? Genau genommen: nur eine? Damit die hoffentlich schnell Nachkommenden schnell das Niveau ihrer männlichen Kollegen erreichen, hier ein paar Tipps von mir: Machen sie aus jedem Angriff einen „Konter“! Spieler, die viel laufen „gehen lange Wege“. Spielt eine Mannschaft schlecht, „fehlt die Zuordnung“, zu was auch immer. Wenn in der 80. Minute das 3:0 fällt ist das „so etwas wie eine Vorentscheidung“.

Ich weiß, dass es das nicht gibt. Sagen Sie es trotzdem! Des Moderatoren liebstes Kind ist außerdem die Wortdopplung. „Guten Tag, meine Damen und Herren. Ich heiße Sie ganz, ganz herzlich im Stadion willkommen, in das heute wieder viele, viele Zuschauer geströmt sind. Wir erhoffen uns ein sehr, sehr spannendes Spiel mit richtig, richtig vielen Toren.“ Sie meinen, das wäre übertrieben? Na, dann hören sie mal hin!

Also, bis zum nächsten Mal. Alles, alles Gute!

Ihr Heiner Lauterbach

Der Schauspieler Heiner Lauterbach, 58, schreibt während der WM für "Morgenpost Online“