Tour 2011

Evans setzt Ausrufezeichen und gewinnt 4. Etappe

Cadel Evans zeigte an der Rampe in Mur-de-Bretagne die stärksten Beine. Alberto Contador hat die Rückschläge der letzten Tage gut weggesteckt und wurde Zweiter.

Alberto Contador ist bei der 98. Tour de France aus dem Tal der Tränen zurückgekehrt – zum großen Tages-Triumph ist aber Cadel Evans gefahren.

Auf der Mûr-de-Bretagne holte sich der Ex-Weltmeister aus Australien, oft als Pechvogel verschrien, am Dienstag im Ziel der 4. Etappe den Tagessieg wenige Zentimeter vor dem dreifachen Tour-Champion Contador. Trotz der Evans-Großtat behielt der amtierende Weltmeister Thor Hushovd (Norwegen) das Gelbe Trikot mit einer Sekunde Vorsprung vor Evans.

Der große Verlierer des Tages war der hochgewettete Philippe Gilbert, der im April alle drei Ardennen-Klassiker und am Samstag die Auftakt-Etappe der Tour gewonnen hatte . Die Feier zu seinem 29. Geburtstag hatte sich der Belgier anders vorgestellt.

Auf der zwei Kilometer langen Schlusssteigung auf die 293 Meter hohe "Mauer" mischte sich auch Tour-Topfavorit Contador in die Phalanx der Fahrer, die um den Tagessieg fuhren. Der zierliche Spanier wollte nach seinem enttäuschenden Auftakt mit öffentlichen Schmähungen und hohen Zeitverlusten auf den ersten beiden Etappen offensichtlich zeigen, dass er weiter ein heißer Kandidat und weit entfernt von Resignation ist. Am Schluss fehlten gegen Evans nur Zentimeter. Beide hatten sich auf der von zahlreichen Zuschauern gesäumten 6,9-Prozent-Steigung ein Duell in Sprinter-Manier geliefert.

"Mein Held des Tages ist Marcus Burghardt. Er hat mich von ganz hinten nach vorne gebracht. Der Sieg ist eine schöne Überraschung für mich. Eigentlich geht es mir um die Gesamtwertung, aber den Tagessieg nehme ich gerne mit", sagte Evans, der sich im Vorjahr bei der Tour den Ellenbogen gebrochen hatte. Neben dem Sachsen Burghardt machten im Finale auch die bisher überzeugenden Tony Martin (HTC Highroad), Linus Gerdemann (Leopard) und Andreas Klöden (RadioShack) eine gute Figur.

Routinier Klöden, bisher schon zweimal Tour-Zweiter, ist jetzt Fünfter im Gesamtklassement und damit bester deutscher Radprofi , Martin 13. "Meine Platzierung war nicht schlecht. Ich hätte noch ein bisschen weiter nach vorn kommen können. Aber die Zeit war respektabel", sagte Martin, der in Paris in der Tour-Endabrechnung mit einem Top-Ten-Platz liebäugelt.

Fünf Ausreißer waren 4300 Meter vor dem Ziel kurz vor Beginn des steilen Schlussanstiegs auf die Mûr-de-Bretagne, als "L'Alpe d'Huez der Bretagne" unter Hobbyfahrern sehr beliebt, gestellt worden. Auf der Verfolgung hatten sich in der Schlussphase besonders die drei Omega-Fahrer André Greipel, Marcel Siebert und Sebastian Lang im Dienst ihres Kapitäns Gilbert hervorgetan. Aber ihre Anstrengungen wurden letztlich nicht belohnt.

Im Kampf um das Grüne Trikot des besten Sprinters verlor Mark Cavendish weiter Boden. Der Brite, dem wie Hushovd wegen eines Remplers nachträglich die Zwischensprint-Punkte vom Vortag gestrichen worden waren, hatte beim Spurt auf halber Strecke das Nachsehen. Der HTC-Fahrer wurde unter anderen von Tyler Farrar, dem US-Sprintsieger vom Vortag in Redon, bezwungen.

Cavendish kann aber bereits am Mittwoch zurückschlagen, wenn von Carhaix nach Cap Fréhel wieder eine klassische Sprinteretappe auf das Peloton wartet. Auch der gebürtige Rostocker Greipel will nach mehreren misslungen Sprints weiter nach vorne fahren. Im Kampf um das Gelbe Trikot dürften sich die Favoriten eine Verschnaufpause gönnen.