Radsport

Norweger Boasson Hagen gewinnt 6. Tour-Etappe

Der 24-Jährige hat sich auf der längsten Etappe der 98. Tour de France über 226 Kilometer von Dinan nach Lisieux im Schlusssprint durchgesetzt.

Bei Regen und Sturm waren zwei Norweger in ihrem Element. Ein heftiges Unterwetter war gerade über das Normandie- Städtchen Lisieux heruntergegangen, als Edvald Boasson Hagen und Thor Hushovd das Podium nach der 6. Etappe der Tour de France bestiegen. Boasson Hagen feierte am Donnerstag seinen ersten Tageserfolg beim wichtigsten Radrennen der Welt und bescherte damit auch seiner britischen Mannschaften Sky im zweiten Jahr den Premierenerfolg. „Das ist ein großer Tag für Norwegen“, jubelte der 24-Jährige. Landsmann Hushovd verteidigte nach 226,5 Kilometern sein Gelbes Trikot zum vierten Mal – der Weltmeister wurde Etappendritter.

„Vor der Tour hatte ich mir diesen Tag für einen Etappensieg ausgesucht. Aber heute fehlte mir das gewisse Etwas“, sagte Hushovd nach dem längsten Abschnitt bei dieser Tour. „Trotzdem bin ich nicht enttäuscht. Ich fahre weiter in Gelb – das ist großartig.“

Leicht frustriert war dagegen HTC-Highroad-Teamchef Rolf Aldag, dessen Schützling Matthew Goss im Finish knapp auf den zweiten Platz verwiesen worden war. „Wir haben im Finale die ganze Arbeit gemacht und Sky profitiert davon“, klagte Aldag.

Lob kassierte der Australier Goss von Teamkollegen Tony Martin. „Goss hat das hervorragend gemacht – wir müssen mit dem zweiten Platz zufrieden sein“, betonte Martin, der den Sprint auf dem ansteigenden Terrain erneut früh angezogen hatte und weiter starke Form zeigte.

Als bester deutscher Profi im Gesamtklassement konnte Andreas Klöden, dessen RadioShack-Teamkollege Levi Leipheimer (USA) nach einem Sturz im Ziel 1:05 Minuten auf die Spitze verlor, seinen fünften Rang halten. Damit ist der deutsche Routinier in seiner Equipe im Ranking langsam an die Nummer eins gerückt, nachdem am Vortag der Slowene Janez Brajkovic nach einem Sturz verletzt aufgeben musste.

Nach der Sturzetappe vom Vortag waren am Start in Dinan viele Fahrer gezeichnet. Bandagen an Armen und Beinen schienen fast zum guten Ton zu gehören. Ex-Weltmeister Tom Boonen trat trotz einer leichten Gehirnerschütterung zur 6. Etappe an, Tour-Topfavorit Alberto Contador litt an Schürfwunden an Arm und Schulter. Trotzdem betrug die Ausfallquote am sechsten Tour-Tag erst vier Fahrer. 194 der 198 am Samstag gestarteten Profis standen am Donnerstag am Start.

Der geschmähte und geliebte Cavendish musste für seine enormen Anstrengungen des Vortages büßen. Zwar sicherte er sich in Vassy im Kampf um das Grüne Trikot als Schnellster des Feldes hinter fünf Ausreißern Punkte im Zwischensprint. Aber danach hatte er auf dem welligen Terrain Schwierigkeiten, auf den letzten 40 Kilometern dem hohen Tempo des Feldes zu folgen. Der Sieger von Cap Fréhel hatte im Ziel einen Rückstand von 1:44 Minuten. „Er wird sich schon wieder erholen“, kündigte Aldag vor der nächsten Flachetappe am Freitag an.

Einen bitteren Tag beim seinem Tour-Debüt erlebte André Greipel. Der gebürtige Rostocker aus dem belgischen Omega-Team verlor 12:26 Minuten, kann aber wieder hoffen. Sein Teamkollege und Träger des Grünen Trikots Philippe Gilbert kündigte bereits an: „Auf der 7. Etappe stelle ich mich in seinen Dienst.“

Wie immer bei Flachetappen war das Rennen bei abwechselnd Regen und Sonne lange von einer Ausreißergruppe bestimmt. Wieder wagten fünf Fahrer die Flucht und fuhren dabei sogar einen Vorsprung von mehr als elf Minuten auf das Hauptfeld heraus. Doch die Sprinterteams ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und holten zuerst Lieuwe Westra 17 Kilometer und den jungen Italiener Adriano Malori 2700 Meter vor dem Ziel wieder ein.