IOC-Entscheidung

Südkorea richtet Olympische Winterspiele 2018 aus

Die Münchner Olympia-Bewerbung ist gescheitert, die Winterspiele 2018 finden in Pyeongchang statt. Das IOC gab dem südkoreanischen Favoriten am Mittwoch den Vorzug gegenüber der bayerischen Metropole und dem französischen Außenseiter Annecy.

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Das gab das IOC am Mittwoch in Durban bekannt. München hat das Nachsehen.

Video: Reuters
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Das südkoreanische Pyeongchang richtet im Jahr 2018 die 23. Olympischen Winterspiele aus. Das entschied die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees am Mittwoch in Durban. Der Favorit setzte sich bereits im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit der Stimmen gegen München und Frankreichs Außenseiter Annecy durch. Nach zwei gescheiterten Bewerbungen für 2010 und 2014 erreichte Pyeongchang damit im dritten Anlauf sein Ziel. München scheiterte dagegen als dritter deutscher Bewerber um Winterspiele nach Garmisch-Partenkirchen (1960) und Berchtesgaden (1992).

Um 17.18 Uhr MESZ verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge den Sieger. Pyeongchang erhielt in der geheimen Abstimmung 63 Stimmen. Nötig wären 48 Stimmen gewesen. Auf München entfielen 25 Stimmen, auf Annecy 7.

Pyeongchang setzte sich bereits im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit gegen München und Annecy durch. Für die bayerische Landeshauptstadt platzte der Traum, als erste Stadt weltweit nach Sommerspielen (1972) auch Gastgeber für das olympische Sport-Spektakel auf Eis und Schnee zu sein. Favorit Pyeongchang konnte nach zwei erfolglosen Bewerbungen hintereinander (2010/Sieger Vancouver – 2014/Sieger Sotschi) nach dem dritten Anlauf endlich jubeln.

Deutschland ist damit zum insgesamt fünften Mal nach 1960 (Garmisch-Partenkirchen Winter), 1992 (Berchtesgaden Winter), 2000 (Berlin Sommer) und 2012 (Leipzig Sommer) mit einer Olympia-Bewerbung gescheitert. Dreimal machte Olympia bisher in Deutschland Station: 1936 in Garmisch-Partenkirchen und Berlin, 1972 in München.

Asien ist zum sechsten Mal nach Tokio 1964, Sapporo 1972, Seoul 1988, Nagano 1998 und Peking 2000 Olympia-Gastgeber.

Bundespräsident Christian Wulff gratulierte Pyeongchang: „Wir wussten, dass es sehr schwer werden würde“, sagte er über die deutsche Bewerbung. München und Deutschland hätten sich im Wettbewerb als sympathisch, offen und sportbegeistert dargestellt. „Ich danke allen, die sich mit so viel Enthusiasmus für die Bewerbung eingesetzt haben“, fügte der Bundespräsident hinzu.

Katarina Witt kämpfte unmittelbar nach der Entscheidung gegen die Münchener Olympiabewerbung mit den Tränen. „Es ist heute schon schwer zu verstehen, wir haben eine sehr gute Präsentation abgeliefert, haben sehr viel geboten. Vielleicht waren schon vorher viele Entscheidungen gefallen“, sagte die 45 Jahre alte Vorsitzende der Münchner Bewerbungsgesellschaft im ZDF.

IOC-Vizepräsident Thomas Bach sagte: „Im Sport lernt man aus Niederlagen, das Votum zugunsten Asiens und den neuen Märkten ist sehr deutlich ausgefallen.“ Zudem habe Pyeongchang den „Mitleidsfaktor“ sehr intensiv gespielt, nachdem sie die letzten beiden Male gescheitert seien.„Wir werden uns bereits in der nächsten Woche zusammensetzen und über das Thema Olympischen Spiele 2022 sprechen. Wir werden das aber in aller Ruhe tun. Eine Entscheidung wird bei diesem Gespräch sicher noch nicht fallen.“ Zu Analysen seien Witt und er noch nicht in der Lage. „Das Positive war die mannschaftliche Geschlossenheit“, lobte er aber.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte: „Wenn es verarbeitet ist, müssen wir wieder nach vorne schauen. Ich glaube, wir hatten einen respektablen Wettbewerber. Meine persönliche Vermutung ist, dass die zweifache vorherige Bewerbung ausschlaggebend war und sie haben genau auf diesen Umstand immer wieder hingewiesen.“

Fakten zu Pyeongchang

Das Motto von Olympia 2018 in Pyeongchang lautet: Neue Horizonte.

Die Stadt, Zentrum des gleichnamigen Landkreises, liegt rund 140 km östlich von Seoul in der Provinz Gangwon, noch weitere 40 km östlich an der Küste liegt Gangneung, wo die Eis-Wettbewerbe stattfinden sollen.

Einwohner: 45.000 (Pyeongchang); 1,5 Millionen (Provinz Gangwon)

Zustimmung der Bevölkerung (laut IOC-Umfrage im Frühjahr): 92 Prozent in Pyeongchang, 97 Prozent in Südkorea.

Datum der Spiele: 9. bis 25. Februar 2018

Olympia-Budget Ocog: 1,53 Milliarden US-Dollar

Budget Nicht-Ocog: 6,3 Milliarden US-Dollar

Gesamt: 7,83 Milliarden US-Dollar

Sportstätten: Pyeongchang/Alpensia Resort (Eröffnungs- und Schlussfeier, Ski Alpin, Ski Nordisch, Biathlon, Bob/Rodel/Skeleton), Jungbong (45 Straßen-Kilometer südwestlich, Ski Alpin/Abfahrt und Super-G), Bokwang Phoenix Park (45 km westlich, Ski Freestyle, Sbowboard), Gangneung (40 km östlich, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Eishockey, Shorttrack)

Olympisches Dorf: Dörfer in Pyeongchang und Gangneung

Erfahrung als Gastgeber: verschiedene Weltcups, Biathlon-WM 2007

Paralympische Spiele: 9. bis 18. März 2018