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Aogo freut sich auf die jungen Hüpfer beim HSV

Im Interview mit Morgenpost Online erklärt Nationalspieler Dennis Aogo die Vorzüge des Generationswechsels im Aufgebot des Hamburger SV.

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Morgenpost Online: Herr Aogo, bereuen Sie es, Anfang des Jahres einen Vertrag bis 2015 unterschrieben zu haben?

Dennis Aogo (24): Nein, warum? Ich wurde ja nicht gezwungen. Die Unterschrift habe ich zu einem Zeitpunkt geleistet, als es für den HSV alles andere als rosig aussah – und ich habe es aus voller Überzeugung getan. Es klingt abgedroschen aus dem Mund eines Fußballprofis, aber das ist für mich ein ganz besonderer Verein. Ich empfinde es als großes Glück, beim HSV sein zu dürfen.

Morgenpost Online: Sie sind aktuell der einzige deutsche Nationalspieler des Vereins. Ihre Konkurrenten in der DFB-Auswahl sind mit ihren Klubs fast ausnahmslos auf der europäischen Bühne vertreten. Ein Nachteil für Sie?

Aogo: Ich denke nicht, dass Bundestrainer Joachim Löw danach aufstellt, welche Spieler im Verein auch international dabei sind. Klar, für jeden ist das ein großer Anreiz, zudem fördert es die persönliche Entwicklung, sich auf höchstem Niveau zu messen. Aber sicher ist es nicht das ausschlaggebende Kriterium, wenn es um die Nominierung geht.

Morgenpost Online: Glauben Sie, dass der HSV die Qualität hat, wieder oben anzugreifen?

Aogo: Es ist viel zu früh, ein sportliches Ziel auszugeben. Wir sind seit ein paar Tagen im Training. Für uns geht es nun darum, möglichst schnell eine Einheit zu bilden.

Morgenpost Online: Und mittel- bis langfristig?

Aogo: Ein Verein wie der HSV mit all seinen Möglichkeiten hat immer den Anspruch, im oberen Drittel der Tabelle mitzumischen. Da wollen wir auf Dauer wieder hinkommen, ganz klar.

Morgenpost Online: Der Verein hat zum zweiten Mal in Folge den Europapokal verpasst. Der Trend zeigt also eher nach unten.

Aogo: Das Fußballgeschäft ist so schnelllebig, da gibt es doch gar keine Trends. Ich verfolge die Entwicklung in unseren Verein mit einem positiven Gefühl.

Morgenpost Online: Warum? Der HSV hat eine Reihe von gestandenen Profis verloren. Im Gegenzug wurden Talente verpflichtet, die ihre Klasse in der Bundesliga erst noch nachweisen müssen.

Aogo: Richtig ist, dass wir bei null anfangen. Der Vorstand hat die Entscheidung getroffen, einen neuen Weg zu gehen, einen großen Schnitt zu machen – und das wird auch so umgesetzt. Ich sehe das überhaupt nicht negativ. Vielleicht war es ja auch so, dass wir zu viele gestandene Profis hatten. Jetzt werden sich andere besser entfalten können.

Morgenpost Online: Der HSV wird im Hinblick auf die kommende Saison als „Wundertüte“ angesehen. Fehlt es im Aufgebot nicht an der nötigen Reife, um mit den Spitzenteams mitzuhalten?

Aogo: Diese Diskussion verstehe ich nicht. Es ist doch nicht so, dass beim HSV keine erfahrenen Spieler mehr zum Kader zählen würden. Was ist mit Heiko Westermann, David Jarolim , Mladen Petric, Jaroslav Drobny, Paolo Guerrero? Und ich gehe auch schon in mein viertes Bundesliga-Jahr für den HSV. Wir haben genug Leute, die Stabilität versprechen und den jungen Spielern dabei helfen können, sich zu orientieren.

Morgenpost Online: Sind Sie bereit für die Führungsrolle, die Ihnen Trainer Michael Oenning auch öffentlich angetragen hat?

Aogo: Absolut. Es ist das Wichtigste für einen Spieler, das Vertrauen des Trainers zu spüren. Darüber freue ich mich, dafür habe ich hart gearbeitet. Bei uns hat es einen Umbruch gegeben, nun wird sich eine neue Hierarchie entwickeln. Ich sehe es als Chance an, die richtige Mischung in der Mannschaft zu finden. Die Jungs sollen ja selbstbewusst und frech sein, sich einbringen und kein Blatt vor den Mund nehmen. Wenn sie es auf dem Platz umsetzen, hilft es uns. Aber es wird keine Spielchen geben. Wenn es einer übertreibt, wird er schnell merken: Bis hierhin – aber nicht weiter.

Morgenpost Online: Trainer Oenning ließ bisher offen, wer das Kapitänsamt übernimmt. Wäre das eine Aufgabe für Sie?

Aogo: So grün bin ich nicht mehr, dass ich mich zu diesem Thema äußere. Die Entscheidung liegt allein beim Trainer. Aber ich empfinde es schon als eine Ehre, zum Kandidatenkreis zu zählen. Auf dem Platz und in der Kabine sind es aber letztlich immer mehrere Spieler, die Verantwortung für die Gruppe übernehmen müssen. Wir werden vier, fünf Kapitäne haben, von denen einer die Binde trägt.

Morgenpost Online: Sie haben mit der Vertragsverlängerung bis 2015 ein Zeichen gesetzt. Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?

Aogo: Ich habe die Lust und den Mut, beim HSV etwas auf die Beine zu stellen. Ich kann mir definitiv vorstellen, fünf oder sechs Jahre in Hamburg zu bleiben – oder länger. Natürlich ist es wichtig, dass wir sportlich konkurrenzfähig sind.

Morgenpost Online: Also: Für immer HSV?

Aogo: Ich bin kein Typ, der ständig eine neue Herausforderung in Form eines Tapetenwechsels braucht. Für mich ist es viel entscheidender, dass ich mich rundum wohlfühle. Das ist wertvoller, als noch mehr Geld auf dem Konto zu haben. Dieser Gedanke steht im Vordergrund. Wenn ich mich erinnere, wie Collin Benjamin nach zehn Jahren verabschiedet worden ist, wie viel ihm die Fans gegeben haben, das war überragend. Das ist ein großer Ansporn für mich.