Kommentar

So clever sind die Klitschko-Brüder

Für Morgenpost-Online-Redakteur Matthias Brzezinski sind Wladimir und Witali Klitschko mit Abstand die besten Boxer ihrer Gewischtsklasse. Zum Kreis legendärer Schwergewichtler wie Ali oder Foreman wird man sie nach der Karriere trotzdem nicht zählen.

Die Klitschkos haben es geschafft, ihr Traum ist wahr geworden. Und das so oft ins Gespräch gebrachte Versprechen an Mama Nadeschda – „Wir wollen alle Weltmeister-Titel im Schwergewicht besitzen“ – ist, dank Wladimirs Sieg , eingelöst. Ein Abend für die Boxgeschichte, wie so oft postuliert? Ja, denn Männer, die Boxgeschichte geschrieben haben, waren im Stadion. Mike Tyson, der vielleicht faszinierendste, sicher aber spektakulärste Champion der letzten zwanzig Jahre via TV, und die Superstars Lennox Lewis und George Foreman (der den legendären „Rumble in the Jungle“ gegen Muhammad Ali zum unvergessenen Erlebnis gemacht hat) persönlich. Erinnerungen wurden wach an Kämpfe, für die man um vier Uhr früh aufgestanden ist. An Duelle, in denen sich gleichwertige Gegner in die Augen schauten. An alte Zeiten.

Die Klitschko-Brüder sorgen für Rekorde, sorgen dank durchgestylter RTL-Präsentation für Begeisterung, für Millionengewinne. Und sie sind ohne Wenn und Aber die besten Faustkämpfer, die das Schwergewicht momentan zu bieten hat. Sie haben beide ihre körperlichen Vorteile in eine maßgeschneiderte Kampfstrategie integriert. Sie fechten mit der Faust, wie einst Henry Maske. Zielorientiert, risikominimierend, clever. Und sie sind nicht im Geringsten für die Qualität der Konkurrenz verantwortlich. Die Klitschkos werden auch nach ihren Karrieren für sportliche Meilensteine stehen, in den Kreis der legendären Schwergewichtler aber schwerlich Aufnahme finden.