Olympia

München garantiert „unvergessliche" Winterspiele

Der Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2018 wird erst am Mittwoch bekanntgegeben, doch Südkoreas Präsident Lee Myung-Bak checkte bereits am Samstag im Durbaner Hotel Elangeni ein. Dort ist seitdem ein Aufzug für ihn reserviert, jeweils eine halbe Stunde vor seiner geplanten Ankunft darf er nicht mehr betreten werden. So erklärt es zumindest ein Hotelpage mit durchgedrücktem Rückgrat.

Die südafrikanische Küstenstadt ist im Sicherheitsmodus. Der Gast höchsten Ranges aus Deutschland heißt Christian Wulff. Der Bundespräsident kommt morgen in Durban an, um die letzten Impulse für die Kandidatenstadt München zu setzen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagte seine Unterstützungsreise zu Gunsten des dritten und wohl chancenlosen Kandidaten Annecy ganz ab. Myung-Bak aber präsidiert ausgiebig, was durchaus als Indiz taugt hinsichtlich der südkoreanischen Erwartungshaltung.

Sie ist riesig, nachdem sich ihre Stadt Pyeongchang zuletzt gleich zwei Mal erfolglos beworben hatte und jeweils knapp scheiterte. Stadt und Nation sind nun einfach dran, lautet das gleichzeitig populärste wie letztlich inhaltsfreiste Argument zugunsten Südkoreas, dessen Staat ganz nebenbei zu gigantischen Investitionen bereit ist. Dem setzte die deutsche Delegation gestern bei einer Pressekonferenz noch einmal die gesammelten Vorzüge für München entgegen Das „Olympische Fieber“ steigt, gaben die Protagonisten unisono zu Protokoll.

Im Falle des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD) ganz im wörtlichen Sinn, er landete wegen einer Erkrankung erst gestern und damit mit einem Tag Verspätung. „Wir wissen nun wirklich, wie man eine Party schmeißt“, sagte Ude, dessen Stadt sich das internationale Motto „Festival of Friendship“ ausgedacht hat. Man könne da jeden der sechs Millionen Oktoberfestbesucher fragen. München wäre fraglos die konservative Wahl für das Internationale Olympische Komitee (IOC). Die Stadt verfügt neben einer breiten Fanbasis für Wintersport anders als Südkorea zudem bereits über eine beachtliche Infrastruktur.

Ude garantierte volle Stadien, „drei unvergessliche Wochen“ – und zudem Nachhaltigkeit. Der Olympiapark könne für weitere 40 Jahre erneuert werden, nach den Spielen soll das Olympische Dorf unter anderem als Häuser für Familien mit niedrigem Einkommen verwendet werden. Überhaupt – Dreiviertel aller benötigten Anlagen existieren bereits. Letztlich müsse nur eine Fläche „kleiner als ein Fußballfeld permanent neu gebaut werden“, sagte der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, „das werden die ersten klimaneutralen Olympischen Spiele, die einen neuen Standard für den Weltsport setzen werden.“ So genannte „Weiße Elefanten“, wie ausgediente Sportarenen genannt werden, seien in München nicht zu befürchten. Die deutsche Bewerbung hatte zuletzt nach Einschätzung der Experten gegenüber den lange klar favorisierten Südkoreanern aufgeholt.

Für die Asiaten aber spricht weiterhin der Kommerz, die Erschließung neuer Wintersportmärkte. „Das IOC muss entscheiden, welches die beste Lösung für die Athleten ist, das ist für mich das alles entscheidende Kriterium“, sagte Bewerbungschef Bernhard Schwank und versuchte so den Fokus einmal mehr auf die Reputation Deutschlands als Wintersportnation zu lenken. Das Rennen sei noch lange nicht zu Ende, so Schwank: „Wir dürfen keinen Mitbewerber vergessen. Wie im Sport zählt dieser Wettbewerb bis zur letzten Sekunde.“ Die laufen am Mittwoch ab. Am Vormittag präsentiert sich die Stadt ein letztes Mal. Um 17 Uhr wird dann IOC-Präsident Jacques Rogge die Entscheidung der 110 IOC-Mitglieder bekannt geben.