"Auszeit"

Terrorexperte führt Neuers Gespräch mit Bayern-Fans

Einst verhandelte Professor Salewski in Mogadischu und beriet den Bundeskanzler. Nun hilft er dem FC Bayern aus der Patsche.

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Wolfgang Salewskis Vita ist beeindruckend. Der ehemalige Polizeipsychologe hat in seiner Karriere 66 Geiselnahmen beendet. Ob 1972 bei den Olympischen Spielen oder 1977 in Mogadischu – wenn irgendwo auf der Welt ein umsichtiger Verhandler gefragt war, klingelte sein Telefon. Der Honorarprofessor für Konfliktmanagement beriet die Bundeskanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl – und als es ihn nach einem etwas bürgerlicheren Beruf gelüstete, übernahm er die Paulaner-Brauerei.

Da kann nicht mehr viel kommen, denkt Otto Normalverbrauchen, und doch gibt es eine neue Herausforderung in Salewskis Leben. Heute wird der 68-Jährige mit am Tisch sitzen, wenn Bayern-Torwart Manuel Neuer sich mit Fanvertretern treffen wird.

Ein Terrorexperte und Buchautor am Verhandlungstisch

Wir erinnern uns: In der vergangenen Saison hatte das Münchner Publikum dem Schlussmann, damals noch bei Schalke 04 unter Vertrag, nicht gerade einen herzlichen Empfang bereitet. „Koan Neuer“ stand auf tausenden Zetteln, die Verpflichtung der deutschen Nummer eins wurde plötzlich zum Politikum.

Nun kommt Salewski ins Spiel. Der Terrorexperte und Buchautor („Die Kunst des Verhandelns – Motive erkennen, erfolgreich kommunizieren“) soll zusammenführen, was auseinanderstreben will.

Wer im ersten Golfkrieg 151 Diplomaten aus irakischer Gefangenschaft freibekommen hat, wird die erbosten Fans ja wohl zur Räson bringen, hat sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß gedacht.

Um aber auf Nummer sicher zu gehen, wird er auch selbst dabei sein. Auch wenn er als sensibler Verhandler bisher eher selten in Erscheinung getreten ist. Den Fans hat er jedenfalls schon vorab das Ergebnis der Runden Tisches diktiert: „Wir werden weiter Meinungen akzeptieren. Die Entscheidungen treffen aber immer noch wir.“ Professor Salewski, übernehmen Sie!