"Auszeit"

Losfee gesucht – Herr Blatter, übernehmen Sie!

Wie der wankelmütige Fifa-Chef Sepp Blatter endlich zur Märchenfigur des Fußballs werden könnte.

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Ein Grenzgänger war der Möchtegernkönig des Fußballs schon in jüngeren Jahren. Als Joseph S. Blatter noch selbst im Verein gespielt hat, lauerte er stets an der Abseitslinie auf Zuspiele. Das hat dem technisch eher minder begabten Mittelstürmer eine Menge Tore beschert und fast einen Profivertrag bei Lausanne-Sport eingebracht.

Weit wichtiger dürfte aber gewesen sein, dass Blatter sich diese Eigenschaft auch später als Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa bewahrt hat. Zuletzt allerdings tapste der kleine Walliser mit dem großen Ego allzu häufig ins Abseits – und schuld daran ist nur diese dusselige WM-Vergabe nach Katar.

Zunächst empfahl Blatter mal eben allen homosexuellen Fans, im Sommer 2022 ihre Neigungen im Gastgeberland zu unterdrücken, weil dort Liebe unter Gleichgeschlechtlichen gesetzlich verboten ist und brutal verfolgt wird. Danach kam er auf die kühne Idee, das globale Kräftemessen kurzerhand in die Wintermonate zu verlegen, weil dann zwischen Doha und Ar Ruways nicht 55, sondern nur noch 48,5 Grad im Schatten herrschen. „Wir müssen uns für die angemessenste Jahreszeit entscheiden“, sagte er noch vor einem Monat – um Montag zurückzurudern: „Alles läuft auf den Sommer hinaus.“

Dem offenbar an Wankelmut kaum zu überbietenden Fifa-Chef sei deshalb der Rat eines ehemaligen Mitstreiters ans Herz gelegt. Ex-Fifa-Marketingdirektor Guido Tognoni empfahl in Düsseldorf, künftige WM-Bewerber in einen Topf zu werfen und den Ausrichter auszulosen. Blatter selbst könnte das eine ganz neue Rolle bescheren: Als Losfee würde er endgültig aufsteigen zur Märchengestalt des Fußballs.