Fussball

Das Phänomen Ronaldo beendet seine Karriere

Der WM-Rekordtorjäger machte zuletzt nur noch mit seinem Bauch Schlagzeilen. Jetzt hört er auf. Und will Spieler vor den Fehlern bewahren, die er gemacht hat.

Foto: REUTERS

Seinen letzten großen Auftritt hatte er in Badeshorts. Im Urlaub am Strand der Karibikinsel St. Barth plantschte Ronaldo kürzlich im Wasser und streichelte sich über seinen Bauch. Es wirkte, als sei er stolz auf die beachtliche Plautze. Reporter schossen Fotos, die Bilder sind bis heute ein Renner im Internet. Fußballfans weltweit denken beim Anblick dasselbe: Man, ist der dick geworden. „Er sieht aus, als würde er sich vor allem von Speck, Schokoriegeln und Bier ernähren“, schrieb die englische Zeitung „Sun“.

Dass Ronaldo mit dieser Statur nicht mehr lange spielen kann, war den meisten klar. Der ehemals beste Stürmer der Welt sagte in den vergangenen Wochen allerdings immer wieder, dass er mit seinem Klub Corinthians Sao Paulo noch viel erreichen will. Jetzt, im Alter von 34 Jahren, hat er eingesehen, dass nichts mehr geht. Und beendet nach 18 Jahren seine Profikarriere. „Ich wollte weitermachen, aber es gelingt mir nicht. Es ist an der Zeit“, sagte Ronaldo.

Einer der bekanntesten Fußballer der Welt ist kein Fußballer mehr. Was war das mal für ein Spieler. Der beste Stürmer des Planeten. Seine Markenzeichen: Hasenzähne mit Lücke dazwischen und Tore, über 400 für sieben Klubs und Brasiliens Nationalelf. Mit 15 Treffern WM-Rekordtorjäger. Weltmeister 1994 und 2002. Dreimal Weltfußballer des Jahres. Sogar in der Kultserie „Die Simpsons“ hatte er einen Auftritt als Zeichentrickfigur, die er selbst sprach. „El Fenomeno“ nannten ihn die Fans, das Phänomen. Weil er so schnell war, und vor dem Tor so abgebrüht wie kein anderer.

Oliver Kahn hat es bei der WM 2002 in Japan erlebt: Es war sein Turnier, er hielt fast jeden Ball. Doch im Finale, da machte er einen Fehler, und Ronaldo nutzte ihn aus. Beim 2:0 gegen Deutschland schoss er beide Tore und wurde mit acht Treffern Torschützenkönig, und das mit einer der hässlichsten Frisuren in der Fußballhistorie. Als junger Profi hatte er beim brasilianischen Klub Cruzeiro Belo Horizonte sogar die Quote von einem Treffer pro Partie – und zwar in 60 Spielen. Das hatte selbst die Stürmerlegende Pele nicht geschafft.

So einen wollten sich Europas Topklubs nicht entgehen lassen. 1994 wechselte er im Alter von 17 Jahren zu PSV Eindhoven, schoss in seiner ersten Saison 32 Spielen 30 Tore. Für 30 Millionen Mark verpflichtete ihn zwei Jahre später der FC Barcelona. Auch hier wieder Tore, Tore Tore. 34 in 37 Spielen. Nach nur einer Saison weiter zu Inter Mailand, für 50 Millionen Mark. 2002 zu Real Madrid, 2007 zum AC Mailand. Ronaldo hat mit den ganz Großen und für die ganz großen Klubs gespielt. Eigensinn und Geldgier wurden ihm in seiner Karriere oft vorgeworfen. Die Fans verehrten ihn trotzdem. Vor zwei Jahren wechselte nach Sao Paulo, seitdem wurde Ronaldo ruhiger. Und dicker.

Wäre er nicht so oft verletzt gewesen, hätte er wohl noch deutlich mehr Tore geschossen. Dazu kamen etliche Skandale. So clever er sich auf dem Spielfeld verhielt, so unbeholfen stolperte er durchs Leben. Scheidung von seiner Frau Milene (Künstlername: Ronaldinha), eine unautorisierte Biografie voller Unwahrheiten, Besuch bei zwei Prostituierten, die Ronaldo zu spät als Tranvestiten erkannte. Er forderte das Geld zurück, die Prostituierten filmten den Streit und stellten das Video ins Internet. Zudem behaupteten sie, Ronaldo habe Drogen genommen. Blöd gelaufen. Sein Stärken hatte er eben eher am Ball.

Jetzt hat das Phänomen Ronaldo genug. Obwohl er immer viel Geld ausgegeben hat (zur Verlobung ließ er die Mannschaft von Real Madrid auf ein französisches Schloss einfliegen), muss er sich finanziell keine Sorgen machen. Sein Vertrag mit dem Sportartikelhersteller Nike soll auf Lebenszeit gültig sein. Kein Wunder: Ronaldo hat fast alles gewonnen, was man gewinnen kann. Nur sein großer Traum vom Champions-League-Titel hat sich nie erfüllt. Künftig will er sich auf seine Arbeit in der eigenen Sportmarketing-Agentur konzentrieren und Spieler beraten. Sie vor Fehlern bewahren, die er gemacht hat. Ronaldo hat eine neue Aufgabe gefunden und ist zufrieden. „Ich habe meine Geschichte geschrieben“, sagt er "Sportbild." Wohl wahr.