Deutscher Stanley-Cup-Sieger

Seidenberg ist der Dirk Nowitzki des Eishockeys

Der deutsche Eishockey-Nationalspieler Dennis Seidenberg hat mit seinem Team, den Boston Bruins, den wichtigsten Eishockey-Titel geholt – den Stanley-Cup der NHL. Damit zieht er mit einem anderen erfolgreichen Deutschland-Export in den USA gleich auf, mit Dirk Nowitzki.

Vor wenigen Tagen ist der gebürtige Würzburger Dirk Nowitzki mit seinen Dallas Mavericks Champion in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA geworden. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat Dennis Seidenberg im Eishockey nachgezogen. Der 29-Jährige hat mit den Boston Bruins als zweiter Deutscher nach Uwe Krupp den Stanley-Cup gewonnen. Es musste schon ein ganz großer Triumph sein, der größtmögliche, den es im Eishockey gibt, um Seidenberg in den Fokus der deutschen Aufmerksamkeit zu rücken.

Denn Seidenberg ist nicht für die große Show zuständig. Seine Aufgabe auf dem Eis ist es, zu verteidigen, Schüsse zu blocken, Gegner zu checken. Und wenn es sein muss, sich mit ihnen zu raufen. Wie im emotionsgeladenen dritten Spiel der Finalserie gegen die Vancouver Canucks, als er Teile seiner Arbeitskleidung ablegte und sich mit Gegner Ryan Kesler eine kurze Boxeinlage lieferte. Zum anderen hört man von Seidenberg hierzulande deshalb nicht viel, da er nicht sonderlich heimatverbunden ist. Seit fünf Jahren ist er nicht mehr in Deutschland gewesen. Der Mann hat sich in den USA akklimatisiert. Engen Kontakt zu seiner Familie hält er vor allem durch seinen Bruder Yannic, der ihn regelmäßig in den Staaten besuchen kommt. Yannic hat es ebenfalls zum Eishockeyprofi geschafft, er spielt zurzeit bei den Adler Mannheim in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Seidenberg ist am 18. Juli 1981 in Villingen-Schwenningen geboren. Sehr früh deutete sich an, dass aus ihm mal ein Großer werden könnte. Er war gerade einmal 16 Jahre alt, als er in der Saison 1997/98 sein Debüt im Amateurkader des Schwenninger ERC in der damaligen 2. Liga gab. Schnell wurden die großen Klubs auf das Talent aufmerksam. 1999 wechselte er zu den Adler Mannheim in die DEL, mit denen er in der Saison 2000/2001 die Meisterschaft gewann. Auch die deutsche A-Nationalmannschaft kam nicht mehr an ihm vorbei. Sein erstes großes Turnier für Deutschland war die Weltmeisterschaft 2001, sein letztes die Olympischen Spiele 2010.

Im Sommer 2002 begann seine Zeit in der NHL bei den Philadelphia Flyers. Über die weiteren Stationen Phoenix, Carolina und Florida landete er 2010 bei den Boston Bruins. Knapp 500 Einsätze in der NHL hat er bereits auf dem Buckel. Seidenberg gilt als einer der vielseitigsten Verteidiger in der Liga. Er ist schnell und physisch stark. Keiner blockt so viele Schüsse wie er und kein anderer Feldspieler stand in den Playoffs länger auf dem Eis. Zusammen mit Starkeeper Tim Thomas und Kapitän Zdeno Chara bildete Seidenberg ein nur schwer zu überwindendes Abwehrbollwerk.

Seidenberg wird nachgesagt, dass er willensstärker und ehrgeiziger als andere sei und mehr als andere an sich gearbeitet habe. Eigenschaften also, die auch den anderen Deutschland-Export, Dirk Nowitzki, zum Champion gemacht haben.