Basketball

Merkel gratuliert Nowitzki ein wenig per Twitter

Dirk Nowitzki hat die Dallas Mavericks zur Meisterschaft geführt - Deutschland ist begeistert. Das schließt die Bundeskanzlerin ein, wie über den Kurznachrichtendienst Twitter zu erfahren ist.

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Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte gewinnen die Mavericks das NBA-Finale. Zum wertvollsten Spieler wurde der Deutsche Dirk Nowitzki gekürt.

Video: Reuters
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Die Frage kam per Twitter: Ob die Kanzlerin den wisse, wer Dirk Nowitzki ist – das ging an Regierungssprecher Steffen Seibert, der unter @regsprecher twittert. Seibert gab per Twitter zurück: „ Ja, und sie hat die ganze Finalserie verfolgt und sich über seinen Sieg sehr gefreut. Herzlichen Glückwunsch nach Dallas. “ Es blieb nicht dabei, was wiederum durchaus als Indiz dafür gewertet werden kann, wie sehr der Sieg der von einem Deutschen angeführten Mavericks die Republik bewegt – immerhin: zwei Tweets zum selben Thema, vom Regierungssprecher. Zum Thema Wahl in der Türkei und Sieg der Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gab’s nur einen Tweet .

Auf die Twitter-Frage „ Was sagt die Kanzlerin zum Titelgewinn von Dirk Nowitzki? “ antwortete Seibert (von seinem iPad aus): „ Die Kanzlerin hat Dirk Nowitzki während der ganzen Finalserie die Daumen gedrückt und gratuliert jetzt sehr herzlich .“ Diese Antwort ging auch an den Nutzer mit dem Twitter-Namen @swish41 – das ist Dirk Nowitzkis Twitter-Account. Der hatte nach dem Sieg getwittert: “ We r world champs babyyy. Absolutely amazing. Tanks to all mavs fans across the world. This one is for you guys. Flyin bak home now. Cheers

"Amazing" - das gilt für das Spiel, für die Serie, aber auch für die Begeisterung, nicht zuletzt in Nowitzkis Heimatland. Der deutsche Basketball-Star hat die Dallas Mavericks zum ersten Titelgewinn in ihrer Vereinsgeschichte geführt. zugleich wurde Nowitzki als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnet - als erster Deutscher und als zweiter Europäe nach dem Franzosen Tony Parker.

Mit einem souveränen 105:95-Auswärtssieg in Spiel sechs bei den Miami Heat gewannen die Mavericks die Best-of-seven-Finalserie der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA mit 4:2 und nahmen so Revanche für die bittere Niederlage gegen den gleichen Gegner im Jahr 2006. Auch für Nowitzki war es die erste Meisterschaft nach 13 Jahren in der NBA.

Trotz schwachen Beginns erzielte Nowitzki 21 Punkte, davon zehn im letzten Viertel. Zudem holte er elf Rebounds. Noch während der Siegerehrung für das Team erhielt der Würzburger zudem seine private Trophäe als wertvollster Spieler (MVP) der Finals.

„Ich kann es immer noch nicht fassen. Wir haben so hart gearbeitet, sind durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Es ist unglaublich“, sagte ein bewegter Nowitzki. Und weiter: „Wir haben immer an uns geglaubt. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, Teil des besten Teams der Welt zu sein.“

Dabei schien Nowitzki ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel seinen Rhythmus verloren zu haben. Bis zur Halbzeitpause sammelte der Power Forward der Mavericks mickrige drei Punkte, traf nur einen von zwölf Versuchen. Dennoch erspielten sich die Texaner bis zur Halbzeitpause eine 53:51-Führung, die sie vor allem Jason Terry zu verdanken hatten.

Der 33-Jährige, seit sieben Jahren an der Seite Nowitzkis bei den Mavericks und neben ihm der einzige Spieler im Team, der bei der Finalniederlage 2006 dabei war, drehte im ersten Abschnitt auf, übernahm Verantwortung und verzeichnete zur Pause bereits 19 Punkte.

Aufseiten der Miami Heat war von den gefürchteten „Big Three“, dem Superstar-Trio LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh, wenig zu sehen. James, der vor dem Spiel aufgrund seiner schwachen Leistungen in den vorherigen Finalspielen heftig kritisiert wurde, begann zwar stark (vier Treffer in Folge), baute in der Folge jedoch genauso ab wie Wade und Bosh. Am Ende blieben sowohl Wade (17 Punkte) als auch James (21) und Bosh (19) weit unter ihren Möglichkeiten. „Wir müssen den Mavericks gratulierten“, sagte Wade. „Sie haben ein großartiges Team. Wir traten gegen ein Team an, das offensichtlich besser ist als wir.“

Nach der Halbzeitpause traf Nowitzki seinen ersten Wurf und fand in der Folge besser ins Spiel, auch wenn seine Trefferquote weiter unter den Werten der bisherigen Playoff-Saison blieb. Dennoch kämpfte sich der Würzburger in die Partie, zog immer öfter zum Korb. Seine Mannschaft verschaffte ihrem Kapitän stets Möglichkeiten, zum Abschluss zu kommen.

Als Nowitzki im vierten Viertel einen weiteren Wurf nur auf den Ring setzte, nahm ihn Terry zur Seite: „Bleib dran! Denk an 2006!“ Eine Ermahnung, die Wirkung zeigte, denn die Mavericks gaben das Spiel nicht mehr aus Hand. Nowitzki erzielte im Schlussviertel zehn Punkte, sein Korbleger 29 Sekunden vor Ende der Partie brach endgültig den Willen der Gastgeber.

In den letzten Minuten war von den Heat wenig Aufbäumen zu erkennen, sie hatten sich schon mit der Niederlage abgefunden. Während die Bank der Mavericks schon mit dem Jubeln begann, fasste sich Nowitzki ungläubig an den Kopf, den Moment seines größten Triumphs konnte er kaum fassen. Als die Schlusssirene ertönte, flüchtete er sofort in die Kabine, musste Tränen verdrücken und kam erst kurz vor der Pokalübergabe zurück aufs Parkett.

In der deutschen Sportwelt löste Nowitzkis Erfolg ein begeistertes Echo aus. „Dirk Nowitzki ist einer der ’Most Valuable Players’ des deutschen Sports, ein echter Weltstar, und ein exzellenter Botschafter für unser Land“, erklärte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach. Den lang ersehnten Titel habe Nowitzki sich „hart erarbeitet. Dazu gratuliere ich im Namen des gesamten deutschen Sports aufs Herzlichste.“

Der Gratulationscour schlossen sich als erste die Basketballer an. „Der Erfolg ist eine Bestätigung dessen, was wir schon lange wussten: Dirk ist ein ganz Großer! Dieser Erfolg krönt eine lange Reise“, sagte Bundestrainer Dirk Bauermann, der Nowitzki in der Nationalmannschaft seit 2003 begleitete, „es gibt keinen, der die Meisterschaft mehr verdient hat als Dirk. Die Bilder aus Dallas zu sehen, ist sehr berührend.“ Für Bauermann ist Nowitzki einer der ganz großen deutschen Sportler - „in einer Reihe mit Leuten wie Max Schmeling, Franz Beckenbauer, Michael Schumacher und Boris Becker“.

Höchstes Lob gab es für den Basketball-Superstar auch aus dem Fußball. „Er hat eine herausragende Leistung vollbracht, vor der ich großen Respekt habe. Er ist von jeher ein Ausnahmekönner und einer der Top-Athleten Deutschlands, der mit großem spielerischen Können seine Fans fasziniert und mit seiner mentalen Stärke immer seinen Weg gegangen ist“, sagte Löw: „Der Titelgewinn ist nun das i-Tüpfelchen seiner beeindruckenden Basketball-Karriere in den USA.“

Auch Präsident Theo Zwanziger gratulierte dem „Germinator“ im Namen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). „Dieser Meistertitel ist die vorläufige und verdiente Krönung der einzigartigen Karriere von Dirk Nowitzki. Er hat in den vergangenen Jahren nicht nur sportliche Höchstleistungen gebracht, sondern dank seiner freundlichen und bodenständigen Art auch gesellschaftspolitisch viel für das Ansehen deutscher Sportler in den USA getan. Auch deshalb ist er für mich einer der größten deutschen Sportler aller Zeiten“, sagte Zwanziger.

Bei der Formel eins in Kanada war der entscheidende 105: 95-Erfolg des Würzburgers mit den Mavs bei den Miami Heat ein großes Thema - vor allem bei den deutschen Fahrern. „Eine Superleistung, herzlichen Glückwunsch. Dirk ist einer der besten und herausragendsten Sportler in Deutschland. Schade, dass das bei uns nicht immer so wahrgenommen wird“, sagte Weltmeister Sebastian Vettel.

Rekordchampion Michael Schumacher war vollauf begeistert: „Ich habe mich total gefreut, als ich davon hörte. So viele Jahre hat er darauf gewartet, es muss ein tolles Gefühl sein. Irgendwie habe ich immer mitgefiebert und auch, wenn ich das Spiel jetzt nicht sehen konnte: Gratulation, große Sache! Er hat sich diesen Erfolg hart erkämpft und wirklich verdient.“

Der deutsche Basketball würdigte seinen Vorzeigeprofi. „Wahnsinn. Einfach unglaublich“, sagte DBB-Präsident Ingo Weiss: „Ein einzigartiger Erfolg für Dirk und sein Team! Ich habe bei allen Spielen mitgezittert und freue mich sehr für unseren Nationalspieler. Niemand hat den Titel so sehr verdient wie er.“

Nationalmannschaftskapitän Steffen Hamann blickte schon nach vorne: „Ich freue mich schon sehr auf den Sommer mit ihm.“ Nowitzki hat dem DBB bereits seine Zusage für die Europameisterschaft (31. August bis 18. September) in Litauen gegeben. „Wir können uns glücklich schätzen, einen Ausnahmespieler wie ihn demnächst wieder im Nationaltrikot sehen zu dürfen“, sagte Jan Pommer, Geschäftsführer der Basketball Bundesliga (BBL).

In Würzburg verfolgten mehr als 1.000 Fans in Bars und Kneipen den Triumph des berühmten Sohnes der Stadt. Sogar in Nowitzkis ehemaligem Gymnasium wurde das Spiel gezeigt. Bis in den Morgen waren Siegesgesänge auf den Straßen zu hören und hupende Autos fuhren durch die Innenstadt. Laut Polizei blieb es friedlich. „Das war ein bisschen WM-Fieber“, kommentierte ein Sprecher.