"Auszeit"

In Katar erfindet sich der Weltfußball neu

Robert Dunker

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Nach den Kamelrennen revolutioniert der Golfstaat jetzt den Fußball. Und alle profitieren, vom Fan bis zum Fifa-Chef. Dann kann die WM 2022 ja kommen.

Zuletzt revolutionierte der Golfstaat Katar das nicht zu unterschätzende Kamelrennen. Mehrere Dromedare werden jetzt per Joystick durch die Wüste gelenkt. Statt eines Menschen hockt ein Roboter hinter dem Höcker, schwingt die Peitsche, zieht die Zügel und hupt wie wild.

Im Land der Kameltreiber werden keine halben Sachen gemacht. Und es muss keine futuristische Fata Morgana mehr sein: Das Scheichtum entwickelt sich zur Hochburg des Weltfußballs. Wurde müde belächelt, dass der FC Bayern sein Januar-Trainingslager in Katar aufschlägt, war das Staunen groß, dass der FC Barcelona das kommerzielle Trikotwerbeverbot für 150 Millionen Euro der Qatar Foundation lockerte. Die Meldung, die Glazer-Familie wolle ihr prestigeträchtiges Anlageobjekt Manchester United an die katarische Königsfamilie verscherbeln, kann da nicht mehr überraschen.

Um Geld geht es natürlich nicht

Es geht natürlich weder Nutznießern noch Gönnern um die Penunsen. „Die Vergabe der WM 2022 war keine Entscheidung, um Geld zu verdienen“, beteuerte der kleine König vom Zürichsee, Weltverbandspräsident Joseph S. Blatter, auf der Fifa-Homepage. „Die Weltmeisterschaft wird neue Kulturen und neue Regionen entdecken, darüber kann ich mich nur freuen.“

Den Katarern geht es darum, nach Kamelrennen den Fußball zu revolutionieren, mit WM-Spielen auf klimatisierten Rasenflächen in Stadien nicht weiter als einen Freistoßabstand voneinander entfernt. Die „Qatar Stars League“ wurde bisher als Endstation in die Jahre gekommener Profis bekannt; Romario, Effenberg, Basler wechselten im Herbst ihrer Laufbahn nach Katar. Messi, Iniesta, van der Sar und Owen können kommen.