"Auszeit"

Man sieht sich zweimal – auch im Schwimmsport

Warum der Schwimmverband keinen Ausrichter für die Europameisterschaft 2012 findet und Deutschland sich zurückhält.

Fast eine Dekade lang hatten Schwimmfunktionäre extreme Wettbewerbsverzerrungen in ihrem Sport zugelassen, ehe sie mit dem (auf Wunsch der Ausrüsterfirmen verzögerten) Verbot der Hightechanzüge der unübersichtlichen Rekordflut Einhalt geboten. Sämtliche Probleme des olympischen Kernsports, für den Zuschauertickets bei Olympia 2012 bis zu 535 Euro kosten sollen (bestellbar ab Mitte März), sind aber auch mit dieser überfälligen Entscheidung nicht gelöst.

So findet der europäische Dachverband LEN derzeit keinen Ausrichter der EM 2012, weil der Veranstaltung im Frühjahr vor den Londoner Spielen viele Absagen von Stars drohen. Das liegt an der Bedeutung Olympias, aber auch an der zu großen Häufung von Titelkämpfen auf Lang- und Kurzbahn.

Zudem wurde Interessenten in Europa einfach zu oft vor den Kopf gestoßen. So wollte Hamburg die Schwimm-WM in seinem Fußballstadion auf ein neues Niveau heben, doch den Zuschlag erhielt Dubai – die Scheichs hatten in den Bewerbungsunterlagen die Spalte „additional offer“ mit der größten (Bestechungs-)Summe versehen. Monate später löste sich wegen der Finanzkrise alles in Luft auf, Barcelona muss 2013 mit vorhandener Infrastruktur kurzfristig aushelfen. Natürlich könnte für 2012 nun auch Deutschland einspringen – aber würde sich dann etwas ändern?