Leichtathletik

Usain Bolt kündigt den nächsten Weltrekord an

2010 soll für Jamaikas Wundersprinter Usain Bolt ein Zwischenjahr werden. Abseits der Bahn warten interessante Projekte, wie die Einführung einer Kette edler Sportsbars unter seinen Namen. Doch seine Fans können beruhigt sein: "Mit großer Wahrscheinlichkeit werde ich nächstes Jahr einen neuen Weltrekord aufstellen."

Für einen Moment ist der Mann, der auf fast alles eine flapsige Antwort kennt, ratlos. „Wer mich schlagen kann, kann ich echt nicht sagen“, beteuerte Usain Bolt, 23, treuherzig. „Ich weiß nicht, wann ich diesen schlechten Tag haben werde. Es könnte ein Aufsteiger sein, ein Youngster, vielleicht einer der Top-Leute. Man weiß nie.“ Nur eines weiß der schnellste Sprinter der Welt: „Ich arbeite hart dafür, dass es nicht passiert.“

In China startet Bolt am Sonntag in Shanghai in die Diamond-League-Saison, eine Serie von 14 hochkarätigen Meetings mit den weltbesten Leichtathleten. Er hat bereits verheißungsvolle Zeiten vorgelegt bei Rennen in Kingston/Jamaika (200 Meter in 19,56 Sekunden) und Daegu/Südkorea (100 Meter in 9,86 Sekunden). In einem Sommer ohne Olympische Spiele und Weltmeisterschaften scheint es für den Weltrekordmann nun ungleich schwieriger, die Spannung hoch zu halten. Bolt weiß das, und er konterkariert seine Ambitionen beinahe, wenn er sagt: „Ich versuche bloß durch die Saison zu kommen. Sie wird nicht sehr hart für mich, ich nehme es so easy wie möglich und freue mich schon auf die nächste.“

Der Schlaks aus Trelawny ist gut durch den Winter gekommen. Seine Hauptkonkurrenten Tyson Gay, 27, aus den USA und Landsmann Asafa Powell dürfen gewarnt sein. Beide haben als Ziel ausgegeben, dieses Jahr Bolts 100-Meter-Weltrekord in Angriff zu nehmen, der bei wahnwitzig anmutenden 9,58 Sekunden liegt. „Ich bin zuversichtlich, es darunter schaffen zu können“, schwadroniert Powell.

Der 27-Jährige, einst selber Weltrekordhalter über 100 Meter (9,72 Sekunden), ist Bolts Schattenmann. Längst hat der vier Jahre Jüngere ihn nicht nur im Stadion überflügelt, auch die Geschäfte zur Mehrung von Vermögen und Ansehen laufen für den Weltstar prächtig.

Das Gesicht des dauerfeixenden Jamaikaners als Werbefigur ist über die Leichtathletik hinaus omnipräsent. Usain Bolt ist bereits jetzt, mit 23 Jahren, zur Weltmarke geworden. In Shanghai stellte ihn am Donnerstag ein Schweizer Uhrenhersteller als neuen Botschafter vor, der „außergewöhnliche physische Qualitäten mit der relaxten Attitüde eine Bonvivant“ verquickt. Das ist recht treffend formuliert.

Via Homepage bietet Bolt momentan eine limitierte Serie von signierten, goldenen iPods an. Stückpreis: umgerechnet 413 Euro. Dafür gibt es dann aber auch eine „lebenslange Garantie gegen jegliches Zerkratzen und Verblassen“. Diese Eigenschaft hätte wohl auch Bolt gern, der eifrig an seinem Nimbus werkelt („Ich will eine Legende werden“).

Für Aufsehen sorgte auf Jamaika kürzlich die Bekanntmachung des Nationalhelden, auch auf dem gastronomischen Sektor reüssieren zu wollen. Gemeinsam mit einem Team aus Unternehmern und Marketingexperten beteiligt sich der Sprinter am „Kingston Live Entertainment Ltd.“ (KLE). Ziel der Firma ist die Einführung einer Kette edler Sportsbars unter dem Namen „Usain Bolt Tracks & Records“ – zunächst im letzten Quartal 2010 in Jamaikas Hauptstadt Kingston, später auch in Nordamerika. Selbst in London ist eine Filiale geplant. Sie soll, wenn es nach Bolt geht, bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London eröffnet werden.

Glaubt man jamaikanischen Presseberichten, geht es Bolts Manager Norman Peart darum sicherzustellen, dass sein Mandant durch Investition seiner Millionen in der freien Wirtschaft auch nach dem Karriereende blendend dasteht. Bis dahin machen sie sich Bolts Popularität alle gern zunutze. „Die wohl bekannteste Figur im Sport heute als Vehikel zu nutzen, um eine globale Marke zu kreieren, wird der Welt zeigen, wie spannend, energiegeladen, explosiv und spaßig Tracks & Records ist“, frohlockt KLE-Marketingmanagerin Tina Myers-Matalon.

Ob Bolt sämtliche Geschäftsmodelle, an denen er direkt oder indirekt beteiligt ist, selber vollends durchblickt, sei dahingestellt. Eines gleichwohl ist klar. Er kennt die Basis für ökonomischen Erfolg: Top-Entertainment durch Top-Ergebnisse und Top-Zeiten.

Um nichts dem Zufall zu überlassen, kann Bolt dazu seit kurzem auf Jamaika auf einer blauen Tartanbahn trainieren, wie sie auch im Berliner Olympiastadion ist. Eine Firma aus Nordrhein-Westfalen verlegte im April 150 Meter davon an der University of the West Indies, was Bolt in Entzückung versetzte: „Auf dieser Bahn habe ich meine letzten beiden Weltrekorde erzielt, die echt schnell waren. Jetzt kann ich darauf trainieren – und ich stelle mir vor, welche Möglichkeiten sich auftun…“ Klingt wie eine Drohung.

Zuweilen irritieren die Zuverlässigkeit, mit der Bolt Sensationsläufe gelingen, und seine Selbstgewissheit, mit der er Weltrekorde ankündigt, nachhaltig. „Mit großer Wahrscheinlichkeit werde ich nächstes Jahr einen neuen Weltrekord aufstellen“, tönte er unlängst nach seinem Saisonstart in Daegu.

Weil er seinen vollmundigen Prophezeiungen zumeist Taten folgen lässt, buhlen die größten Meetings der Welt um die Gunst des Geschäftsmannes mit den goldenen Schuhen. 250.000 Euro verlangt Bolts Management dem Vernehmen nach für einen einzigen Start des Stars. Eine Summe, die sie beim Istaf in Berlin am 22. August (bislang) weder zahlen wollen noch können. Wer Bolt also über eine blaue Bahn fliegen sehen möchte, muss vorerst nach Kingston reisen.